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Morning Briefing Ermutigung für Armin Laschet

14.09.2020 - 06:00 Uhr 2 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Armin Laschet ist zurück in der Dauer-Rallye der CDU um Parteivorsitz und Kanzlerschaft. Seine Christdemokraten schafften es bei der Kommunalwahl im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen immerhin auf etwa 35 Prozent – mehr als erwartet. Laschets Freudensatz: „Die Wahl ist auch eine Anerkennung, der Weg von Mitte und Maß in der Pandemie war richtig.“

In Städten wie Düsseldorf und Dortmund kommen die CDU-Vertreter in die Stichwahl gegen die amtierenden Oberbürgermeister von der SPD, die insgesamt ein Debakel erlebte. Nur noch 23,8 Prozent in der einstigen „Herzkammer der Sozialdemokratie“, das klingt verdächtig nach Infarkt und Herzschrittmacher. Wenn es einen „Olaf-Scholz-Effekt“ gegeben hat, dann als Stimmungskiller.

Laschet aber darf sich über die Aufmunterung an einem Tag freuen, der mit einer via „Bild am Sonntag“ verbreiteten unerfreulichen Meinungsumfrage begann: Danach halten nur sechs Prozent der Unionsanhänger den NRW-Ministerpräsidenten für kanzlertauglich. Markus Söder (46 Prozent), Friedrich Merz (18 Prozent) und Jens Spahn (14 Prozent) wissen nun, dass sie Laschet trotzdem nicht abschreiben können.

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    Noch etwas ist erstaunlich: der dokumentierte Siegeszug der Grünen. Sie steigerten sich in NRW um rund sieben Punkte auf 18,7 Prozent, ein Rekordwert. In Köln, aber auch in Laschets Heimatstadt Aachen wurden sie zur stärksten politischen Kraft. Falls es mit der Deutschland-Karriere des CDU-Politikers Laschet doch nicht klappen sollte, müsste er sich nach der nächsten Landtagswahl mit den Grünen als möglichem Koalitionspartner auseinandersetzen. Die bisherigen Alliierten von der FDP rangieren an Rhein und Ruhr genauso wie die AfD um die fünf Prozent – das politische Niemandsland ist für die Liberalen in Sicht, auch wenn Christian Lindner auf allen Kanälen Zuversichts-Botschaften funkt.

    Auf eine große Rede in dieser Woche bereitet sich EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen vor. Sie soll ihren „Green Deal“ genauso preisen wie die Visionskraft der Urheberin, deren Bedeutung in Brüssel man bisher bestenfalls als „allzeit bereit“ bezeichnen kann. Nach unseren Informationen sieht der EU-Klimaplan für 2030 vor, dass die CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 55 Prozent sinken sollen – also um 15 Punkte mehr als bisher vorgesehen.

    Dazu gehören ein ausgeweiteter Emissionshandel mit Verschmutzungsrechten und strengere Grenzwerte für Pkw. Teile der Unionsfraktion sehen bei solchem grünen Ehrgeiz den Industriestandort bedroht. Die meisten aber dürften es mit Albert Einstein halten: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

    Bloß keinen neuen Lockdown – das ist die Stimmung in Europa, wo insbesondere Frankreich und Spanien alarmierende Werte melden. In Israel dagegen wird das Tabuwort zur Handlungsanweisung. Die Regierung von Benjamin Netanjahu verfügt neue drastische Ausgangsbeschränkungen, die von Freitagnachmittag an gelten sollen. Nur noch bis zu 500 Meter von ihrem Zuhause dürfen sich die Bürger dann wegbewegen.

    Hierzulande freut man sich dagegen über nicht mehr leere Fußballstadien (in Rostock waren 7500 weitgehend maskenfreie Zuschauer anwesend), verfolgt andererseits aber besorgt Berichte über „Superspreader“. In Garmisch-Partenkirchen hat eine 26-jährige infizierte Amerikanerin, die über Halsweh klagte, trotz Quarantäne-Empfehlung einen Pub besucht und bei einer Karaoke-Party mitgemacht. 22 Positivfälle sind bereits festgestellt. In dem Alpen-Ort wird nun eifrig weitergetestet.

    Quelle: dpa
    Armin Laschet ist zurück in der Dauer-Rallye der CDU um Parteivorsitz und Kanzlerschaft.

    Bei Bayer hatte der langjährige Aufsichtsratschef Werner Wenning ein fein gesponnenes Machtsystem etabliert. Seit gut vier Monaten nun ist der Mann Firmengeschichte – und Nachfolger Norbert Winkeljohann muss an der Spitze des Aufsichtsrats das nicht ganz unproblematische Erbe wahren und mehren. In seinem ersten Interview umreißt der einstige Deutschlandchef des Wirtschaftsprüfer-Riesen PwC sein Programm im Pharma- und Chemieunternehmen.

    Winkeljohann verspricht im Generellen: „Ich stehe für Veränderung und einen frischen Blick von außen. Und ich werde unbequem sein.“

    Viel erwartet der Chefaufseher von neuen Technologien: „Ich denke da an den Ausbau datengeschützter Geschäfte in der Landwirtschaft, die Nutzung von Gen- und Zelltherapien im Pharmageschäft, an neue Vertriebswege im Markt für verschreibungsfreie Medikamente. Der Anspruch muss sein, in allen drei Divisionen stärker als der Markt zu wachsen.“

    Und einen großen Rufschaden durch den Kauf der Glyphosat-Firma Monsanto sieht Winkeljohann nicht: „Die Reputation hat sich deutlich verbessert. Das liegt auch daran, dass der Beitrag von Bayer zu Gesundheit und Ernährung in der Covid-19-Krise stärker wahrgenommen wird.“

    Eine exklusive Aufstellung zeigt unser Aufmacher im Finanzteil: die der rentabelsten konzernunabhängigen Vermögensverwalter. Danach liegt Flossbach von Storch aus Köln vorn, mit 192 Millionen Euro Provisionserlösen und 92 Prozent Gewinnmarge. In der Spitzengruppe tauchen zudem Firmen wie PEH Wertpapier, DJE Kapital von Jens Ehrhardt, Loys oder Sauren Finanzdienstleistungen auf. Errechnet hat das Ganze App Audit, ein Wirtschaftsprüfer für Finanzdienstleister.

    Sicher ist demnach, dass die von Banken oder Versicherungen gehaltenen Konkurrenten – Deka, Union, DWS, Allianz – im Vergleich hohe Kosten und geringe Gewinne haben. Bei dem aktuell erfolgreichsten Anbieter Flossbach von Storch setzt man übrigens vorzugsweise auf Privatanleger – das Geschäft mit ihnen ist dank der Strategie von Bert Flossbach viermal so profitabel als jenes mit institutionellen Investoren.

    Mobilität war der Superbegriff des 21. Jahrhunderts. Alles, was damit zu tun hatte, schien unbegrenzt vermehrbar – ein idyllisches Bild von Wachstum ohne Grenzen. Seit Corona aber gelten neue Wahrheiten. Geschäftsleute und Touristen sparen sich Mobilität. Was bedeutet das für ein Unternehmen wie Sixt, das vieles anbietet: Vermieten, Teilen und Abonnieren von Autos sowie Taxi-, Mitfahr- und Chauffeurdienste? Darüber können Handelsblatt-Abonnenten am Donnerstag, 17. September, von 12 bis 13 Uhr live in einer Videokonferenz mit Unternehmerin Regine Sixt sowie den Konzernmanagern Vinzenz Pflanz (Corporate Sales) und Florian von Klier (Global Account Management) diskutieren. Bei Interesse an diesem Gespräch klicken Sie bitte hier.

    Quelle: AFP / Bayer / reuters
    Bayer-Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann verspricht: „Ich stehe für Veränderung und einen frischen Blick von außen. Und ich werde unbequem sein“.
    (Foto: AFP / Bayer / reuters)

    Und dann ist da noch Boris Johnson, britischer Premier und eine Art Zauberlehrling des großen Manipulators Donald Trump. Der Regierungschef in London spaltet sein Land in der Brexit-Frage, eint dabei aber auch bemerkenswerterweise prominente Vertreter unterschiedlicher Parteien. So macht es einigen Eindruck, dass die früheren Premierminister John Major von den Konservativen und Tony Blair von Labour in einem gemeinsamen Artikel in der „Sunday Times“ die Parlamentarier zum Widerstand gegen Johnsons jüngsten Plan aufforderten, das längst gültige EU-Austrittsabkommen wieder aufzuschnüren. Ihre deutliche Conclusio: „Das Handeln dieser Regierung ist beschämend für sie selbst und peinlich für unsere Nation.“

    Mag sein, aber „Scham“ war noch nie eine Kategorie in der Karriere des Boris Johnson. Sie verlief vielmehr entlang der Erkenntnis, dass den Schamlosen die Welt gehört, oder doch zumindest ein fester Platz in den Abendnachrichten.

    Ich wünsche Ihnen einen geglückten Start in die Woche frei von Peinlichkeiten.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    2 Kommentare zu "Morning Briefing : Ermutigung für Armin Laschet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dabei ist es doch bloß eine fehlgeleitet Autokorrektur in der Titelzeile. Korrekt ist:

      ENTmutigung für Armin Laschet

      Nach dem Wahlergebnis kann die Industrie ihm scheinbar nach Belieben ans Bein p…ln.

    • Normal ist ein Absturz um ~10% der Wählerschaft ein Einbruch und kein Triumph.
      Nur weil die Sozen noch katastrophaler abgeschnitten haben, wird aus Laschets Minus kein Plus!
      Besonders Pikant ist da das Scheitern in der Heimatregion Aachen! Extra lekker (nl.): Neben der Stadt Aachen fielen auch Roetgen und Würselen an die Grünen. Ich weiß, das der Norbert NICHT aus Roetgen stammt und der Schulz-Zug lange abgefahren ist, aber da sollte man mal eine Minute drüber sinnieren. Oder gerne auch etwas länger.

      Sieger sehen anders aus!

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