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Morning Briefing EU auf Belarus-Mission

18.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Solidarität zu zeigen ist schön. Aber das wird nicht reichen, wenn die EU am morgigen Mittwoch über das betrogene Volk von Belarus redet. Man darf gespannt sein, was unter der „strategischen Diskussion“ zu verstehen ist, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ankündigt. Bürger und Arbeiter in der ehemaligen Sowjetrepublik jedenfalls haben den Diskussionsmodus verlassen und sind längst zu lautstarken Protesten und Streiks übergegangen.

Staatspräsident und Wahlpanscher Alexander Lukaschenko wurde bei seinem Auftritt in einer Fabrik jetzt ausgebuht und mit Rufen verabschiedet, die zwischen „Geh Weg!“ und „Hau ab!“ eine klare Botschaft intonierten. Die Lösung für das Chaos liegt in Litauen – wo sich die eigentliche Wahlsiegerin Swetlana Tichanowskaja aufhält. Sie hat sich in einer Videobotschaft bereit gezeigt, als „nationale Anführerin“ aufzutreten.

Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel reist heute nach Düsseldorf zu NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Keiner wird Bundeskanzlerin Angela Merkel vorwerfen können, sie benachteilige jemanden aus dem Kreis möglicher Nachfolger. Sicher, die Herrenchiemsee-Show mit Bayerns medienprofessionellem Obmann Markus Söder war eine starke Nummer, Kutsch- und Schifffahrt inklusive. Wobei ihr damaliger Gastgeber weiter im Verdacht steht, am Ende lieber Kaiser in Bayern als König von Deutschland sein zu wollen.

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    Am heutigen Dienstag reist Merkel nun nach Düsseldorf zu Söders Antipoden Armin Laschet, dem in der Coronakrise etwas glücklos wirkenden NRW-Ministerpräsidenten. Der einstige Journalist bietet kein westfälisches Wasserschloss auf, sondern mit dem Düsseldorfer Ständehaus und der Zeche Zollverein in Essen Wahrzeichen des Bürger- und Arbeitertums. Wo Söder den Märchenonkel gab, wirkt Laschet wie ein jovialer Citoyen. Es gibt nur ein Problem: Nach aktuellen Umfragen halten ihn wenige Deutsche für kanzlerfähig. Und erst mal muss seine CDU am 13. September die NRW-Kommunalwahl bestehen.

    Wer ist schuld, dass die FDP in Umfragen derzeit nur wenig mehr als fünf Prozent schafft? Dass sie bei Wahlen bescheidenen Erfolg hatte, den Fluch der Kemmerich-Posse im Erfurter Landtag nicht loswird und die Partei selbst der Chefin der eigenen Jugendorganisation „Julis“ als „One-Man-Show“ vorkommt? Nein, diesen Schuh zieht sich Parteichef Christian Lindner nicht an. Es sei vielmehr so, dass er „in dieser Lage mehr Hilfe und Unterstützung“ brauche, also eine Ökonomie-Antwort auf die Ökonomie-Krise.

    Deshalb wird jetzt der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing neuer Generalsekretär und der Unternehmer Harald Christ neuer Schatzmeister. Als Watschenfrau in diesem Spiel dient die bisherige Generalsekretärin Linda Teuteberg, die nach kurzer Schaffenszeit stillos nach allen Regeln des Machismo und der politischen Intrige entsorgt wird. Mit irgendwelchen Ideen zur Frauenförderung müssen die Liberalen erst gar nicht mehr aufwarten.

    Es klang wie eine Sensation, wie Schalmeienklang in Corona-Tristesse, was Stefan Willich in einem Artikel zu verkünden hatte. Opern und Klassikkonzerte in voll besetzten Häusern seien unter bestimmten Bedingungen möglich, entscheidend sei der Mund-Nasen-Schutz, verbreitete der Chef des Instituts für Epidemiologie an der Charité. Vielleicht hat den Mann seine eigene Musikleidenschaft verführt, er dirigiert ja selbst, war Rektor der Musik-Hochschule „Hanns Eisler“ und gründete das World Doctors Orchestra. Jedenfalls hat sich sein Arbeitgeber von den flotten Tönen und Thesen distanziert, und zwar fortissimo. Es handele sich um ein nicht abgestimmtes Papier, das die Dynamik des Infektionsgeschehens ignoriere: „Es gibt nicht die Position des Charité-Vorstands wieder.“

    Schon im September könnte einer der größten Börsengänge aller Zeiten kommen: Der chinesische Finanzdienstleister Ant Group aus dem Hause Alibaba des omnipräsenten Jack Ma könnte mehr als 20 Milliarden Euro erlösen, schildern wir in unserer Titelstory. Mit dem Manöver weitet sich der amerikanisch-chinesische Wirtschaftskonflikt erneut aus: Er ist jetzt nicht mehr nur Tech-Krieg, sondern auch Finanzkrieg.

    • Ant Group plant ein Doppellisting in Schanghai und Hongkong, das in China immer stärker für Zweitnotierungen genutzt wird. Attraktion der Firma ist die Abwicklung von Zahlungen über Alipay.
    • „Out“ ist dagegen ein IPO an der einst so prestigereichen kapitalistischen Kultstätte Wall Street, die Onlinehändler Alibaba 2014 noch gerne genutzt hatte.
    • Die neue „China-First“-Strategie folgt einer zunehmenden Aggressivität der US-Regierung. Sie hat angekündigt, Firmen aus der Volksrepublik bei Verstoß gegen US-Bilanzierungsregeln bis Ende 2021 von der Börse zu nehmen sowie IPOs chinesischer Firmen in den USA zu erschweren.
    • Umgekehrt ist für Staatspräsident Xi Jinping, dem Patron in Peking, die 2018 eingerichtete Technologiebörse in Schanghai das entscheidende Mittel, um die eigene Wirtschaft unabhängiger von den USA zu machen.
    Grafik

    Die Kalamitäten mit den USA sehen die Chinesen so wie ihr legendärer Staatsmann Deng Xiaoping: „Der amerikanische Präsident sagt etwas während der Wahl, sagt etwas anderes, wenn er ins Büro einzieht, sagt wieder etwas anderes zur Halbzeit seiner Amtsperiode und wiederum etwas ganz anderes, wenn er geht.“

    Die Stärke der USA liegt also anerkanntermaßen in der Wall Street. Was aber ist, wenn die Finanzgrößen in ihrer Anlagepolitik den US-Präsidenten weit hinter sich gelassen haben? Donald Trump, ein politisches Fossil, setzt auf Öl und Kohle und will künftig sogar Bohrungen in einem Naturreservat von Alaska erlauben. Big Finance dagegen propagiert nachhaltige Investments, die ökologische, soziale und unternehmenspolitische Kriterien beachten. Das gefällt der Trump-Administration so wenig, dass ihr Arbeitsministerium nun die Verwalter privater Pensionsgelder schurigelt: Sie sollen künftig belegen, dass ihre Nachhaltigkeitsstrategie nicht zu Ertragseinbußen führt. Klare Worte zu dieser Art Freiheitsberaubung kommen von Carlo Funk, Manager bei State Street Global Advisors, dem drittgrößten Vermögensverwalter der Welt: „Die US-Regierung versteht das Thema nicht, ich kann mir das nur mit mangelndem Wissen oder Ignoranz erklären.“

    Es geht um viel Geld, das man nicht ignorieren kann. Immerhin kommt allein der US-Altersvorsorgemarkt auf einen Kapitalbestand von elf Billionen Dollar, erklärt unser Finanzaufmacher. Es ist schon etwas skurril: In diesem Fall verstehen Europäer die Amerikaner besser als deren eigener Präsident.

    Quelle: dpa
    Jacques‘ Weindepot wird aktuell von einem Prozess erschüttert.

    Und dann ist da noch das Hanseatische Wein & Sekt Kontor, als Hawesko bekannt, zu dem auch Jacques‘ Wein-Depot gehört. Deutschlands führender Weinhändler wird aktuell von einem Prozess erschüttert: Die zwei minderjährigen Kinder des 2016 verstorbenen einstigen CEOs und Hauptaktionärs Alexander Margaritoff klagen vom Unternehmen eine Millionensumme ein. Es geht um eine Lebensversicherung für Margaritoff, die Hawesko trotz Zusage nicht realisiert habe, weshalb die heute sieben und zwölf Jahre alten Nachkommen auf dem Trockenen säßen.

    Nach einer feindlichen Übernahme gehört die Firma seit 2015 einer GmbH des Aufsichtsratschefs Detlev Meyer. Seine Getreuen können sich an den englischen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton halten: „Es ist mir völlig gleichgültig, wohin das Wasser fließt, solange es nicht in den Wein läuft.“

    Ich wünsche Ihnen einen heiteren Tag mit ein wenig Weinbegleitung.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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