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Morning Briefing Europa im Lagarde-Rausch

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

an diesem Donnerstag feiern die USA die Gründung ihrer Nation im Jahr 1776. Doch diesmal ist die Freude nicht ungetrübt, ranghohe Militärs klagen über eine Politisierung des Independence Day durch Präsident Donald Trump. Der Tabubrecher vom Dienst räumt die Tradition ab, dass die Politik an diesem Tag ausfällt – schließlich ist man ja schon im Wahlkampf-Modus für die Präsidentenkür im Herbst 2020. Trump wird also eine seiner „Keep-America-Great“-Reden halten, es gibt Tickets für einen speziellen VIP-Bereich. Auch fahren Kampfpanzer in Washington auf. Bei soviel Relevanz und Fotogenität könnte leicht jene Richtlinie des Verteidigungsministeriums entfallen, wonach es Männern und Frauen in Uniform verboten ist, sich politisch zu betätigen.

Quelle: AP
Die Französin führt seit 2011 den Internationalen Währungsfonds und soll nun die EZB übernehmen.
(Foto: AP)

Am Tage eins nach der großen Chef-Offenbarung der Europäischen Union fällt der Blick auf eine der ausgedealten Personalien: die Berufung der Juristin und politischen Kommunikatorin Christine Lagarde zur Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Wir nennen es in unserem Titelkomplex das „Lagarde-Experiment“.

Gefeiert wird es von Staatsanleihehändlern, die nun offenbar überhaupt kein Ende der geldpolitischen Party erwarten, gefürchtet von Ökonomen, die Blasen fürchten. Es sei jetzt umso wichtiger, dass im EZB-Direktorium keine weiteren Stellen mit Nichtökonomen nachbesetzt würden, warnt die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel: „Es kommt ja auch niemand auf die Idee, lauter Nichtjuristen an die Spitze des Bundesverfassungsgerichts zu setzen.“

Über die Ereignisse in der EU rede ich am nächsten Montagabend mit Mittelständlern und Führungskräften im Rahmen eines unserer Kamingespräche. In Stuttgart geht es unter anderem im Gespräch mit Andreas Reimer, Chef der Nahrungsmittelfirma Hengstenberg, um Export-Perspektiven in Europa. Aus Brüssel ist unsere Korrespondentin und Büroleiterin Ruth Berschens dazugeschaltet. Wenn Sie in Stuttgart dabei sein wollen – zwei Karten habe ich für Sie zurücklegt. Schreiben Sie mir, wie immer entscheidet das Los: [email protected].

Der Aktienkurs des Münchener Lichtkonzerns Osram war bis gestern ein Trauerfall. CEO Olaf Berlien schien zeitweilig eifrig bemüht, Unheilvolles zu verkünden, etwa Probleme bei den Osram ordernden Autofirmen. Übertroffen wurde er zuweilen von „bad news“ aus dem Umfeld der potenziellen Käufer Bain Capital und Carlyle, denen es gemäß den Veröffentlichungen anscheinend mal an Geld, mal an Interesse fehlte. Heute jedoch werden Vorstand und Aufsichtsrat von Osram über das nun offizielle Übernahmeangebot der beiden Private-Equity-Häuser entscheiden. Geboten werden rund 35 Euro pro Aktie, im Februar wären es vermutlich 45 Euro gewesen. Statt schätzungsweise vier Milliarden sind nun nur etwa 3,4 Milliarden Euro nötig. Reden ist hier Gold, Schweigen Silber.

Amerikas Depression hat ihn, den Sohn italienischer Einwanderer, zum Materialisten gemacht. Zu jemanden, der an Dollars, nicht an akademischen Würden interessiert war, wie Lido Anthony („Lee“) Iacocca in seiner Autobiographie bekannte. Er war der fröhliche „Detroit car guy“, mit dicker Zigarre und der Idee eines splendiden Ford „Mustang“. Über den Schock, später trotz des Kultmodells von Henry Ford II gefeuert worden zu sein, tröstete sich der Manager mit der Sanierung von Chrysler hinweg. Dort wurde der Mann, der jetzt mit 94 Jahren gestorben ist, für das „K-Car“ zum TV-Werbestar: „Wenn Sie ein besseres Auto finden, kaufen Sie es!“

Der heutige Ford-Konzern wird am Donnerstag nächster Woche im Aufsichtsrat von Volkswagen eine Hauptrolle spielen. Wir haben erfahren: Es geht um eine weitreichende Kooperation bei Elektromobilität und autonomen Autos sowie bei Transportern. Die deutsch-amerikanische Freundschaft soll die hohen Entwicklungskosten senken; auf dem neuen Modularen Elektro-Baukasten (MEB) von VW kann Ford künftig selbst kostengünstig Stromautos entwickeln. Gestritten hatten die Paktisten lange über die hohe Bewertung für die Ford-Tochter Argo (Systeme für selbstfahrende Autos). Das größte Risiko? Dass einzelne VW-Aufsichtsräte ihr Okay an andere Themen koppeln könnten.

Quelle: AFP
Sir David Barclay mit seinem Zwillingsbruder Sir Frederick.
(Foto: AFP)

Und dann ist da noch Sir David Barclay, 85, erzkonservativer Verleger des „Daily Telegraph“ und mit Zwillingsbruder Sir Frederick Besitzer der Kanalinsel Brecqhou. Der Milliardär hat sich sehr gründlich über das Theaterstück „Zwei Briten und die Löwen“ geärgert, über das dort geschilderte Brüderpaar, die „kalte, egoistische Monster im Herzen unserer demokratischen Gesellschaften wurden“, so Autor Hédi Tillette de Clermont-Tonnerre. Mit einer Klage (Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre) scheiterte Barclay jedoch. Im Gegenteil: Das Gericht in der bretonischen Stadt Caen verurteilte ihn zur Zahlung von 6000 Euro an den Autoren (moralischer Schaden) und zu je 5000 Euro an drei Theater. Die Prozesskosten über 35.000 Euro muss Barclay auch tragen. Der Milliardär wird den Brexit jetzt mit Sicherheit noch lauter verteidigen.

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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