Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Europa straft Kidnapper aus Minsk

Die Aggression Lukaschenkos ist Top-Thema auf dem EU-Gipfel. Die Rede ist von einem „Akt des Staatsterrorismus“, den die EU sanktionieren will.
25.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

nachdem wir die Kreativität der vereinten „Dylanologen“ dieser Welt bewundert haben – all diese Hommagen zum 80. Geburtstag des Wortmeisters am Pfingstmontag, oft mit einem der 600 Bob-Dylan-Songs als Anker-Zeile (katholisch.de mit „Knockin‘ on Heaven’s Door“) – nach diesem göttlichen Zeitgeschichtsfestival also richten wir den Blick auf die ganz und gar nicht lyrische Welt.

In der kann ein Blut-Staat wie Weißrussland eine Ryanair-Linienmaschine auf dem Weg vom EU-Land Griechenland ins EU-Land Litauen einfach zur Zwischenlandung in Minsk zwingen, um im Pulk der Passagiere einen regimekritischen Blogger und seine Freundin zu verhaften: „A Hard Rain’s a-Gonna Fall“.

Auf dem seit Montagabend laufenden EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs aus 27 Ländern hat es die Aggression des Machthabers Alexander Lukaschenko sofort zum Top-Thema gebracht. Dieser „beispielslose Vorfall“ werde „nicht ohne Konsequenzen bleiben“, kündigte Ratspräsident Charles Michel an, viele sprechen von einem „Akt des Staatsterrorismus“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Sanktion Nummer eins: Weißrussische Fluggesellschaften dürfen den Luftraum der EU nicht mehr nutzen; umgekehrt überfliegen viele europäische Airlines – auch die Lufthansa – Weißrussland nicht mehr. Die EU-Kommission friert drei Milliarden Euro an Investitionen ein.

    Kanzlerin Angela Merkel wiederum fordert die sofortige Freilassung des inhaftierten Roman Protasewitsch – der in Minsk ein „Geständnis“ ablegte. Es dürfte genauso erzwungen sein wie die Landung des Jets von Ryanair.

    Auf der Gipfel-Agenda in Brüssel steht auch das Verhältnis zum Belarus-Partner Russland. Der Kreml hat aktuell, genau wie der Linken-Politiker Gregor Gysi, daran erinnert, dass 2013 ein Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales auf Geheiß der USA in Österreich zur Landung gezwungen wurde. Man hatte damals gehofft, auf diese Art den Whistleblower Edward Snowden zu finden und festzunehmen – der nun übrigens im russischen Exil lebt.

    Quelle: dpa
    Zusammen mit Deutsche Wohnen könnte der größte Immobilienkonzern Europas entstehen.

    Als in Berlin im vorigen Jahr die Debatte um bezahlbare Mieten hochkochte, verhielt sich Marktführer Vonovia deutlich geschickter als sein Rivale Deutsche Wohnen. Nun will der Primus zum dritten Mal versuchen, den Zweiten zu übernehmen – für je 53,03 Euro pro Aktie, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs. Die Transaktion der Dax-Konzerne soll bis Ende August perfekt sein, was die Politik mit Sicherheit aufschreckt. Denn es entstünde ein Riese mit rund 550.000 Wohnungen.

    Die nötigen kritischen Worte fand Michael Zahn, CEO von Deutsche Wohnen: Im Fusionsfall gäbe es „faktisch keinen Wettbewerb mehr – und für Investoren keine Auswahl.“ So sagte er es vor Monaten dem Handelsblatt.

    Nun redet Zahn dagegen vom „richtigen Moment“, die Stärken beider Firmen zu vereinen. Der Mann ist womöglich geblendet von jener Sonne, für die ganz viel Geld sorgen kann.

    Ein Plan ist schnell gemacht, vor allem wenn es um Gutes wie eine saubere Umwelt geht und das Bundesverfassungsgericht dazu ausdrücklich mahnt. So hat die Bundesregierung jüngst ihre Klimaziele deutlich verschärft – und will die Republik bereits 2045 klimaneutral machen, fünf Jahre vor der EU. Ohne energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Papier oder Zement aber wird es nicht gehen: Die betroffenen Firmen fordern nun von der Politik eine konkrete Strategie sowie einen Hilfsfonds.

    Es werde Zeit, sagt BASF-Chef Martin Brudermüller dem Handelsblatt, dass die Politik ihre „Flughöhe der Ambitionen“ verlasse und sich an die Arbeit mache. „Es muss jetzt um die Umsetzung gehen“, verlangt Bernhard Osburg, Chef von Thyssen-Krupp Steel Europe.

    Grafik

    Nötig sei es, die öffentlichen Mittel zu bündeln, um den Umbau energieintensiver Industrien zu finanzieren. Auch Sabine Nallinger, grüne Vorständin der Stiftung 2 Grad, sendet eine Art Notruf: „Die Wirtschaft braucht jetzt einen großen Wurf mit spezifischen Instrumenten für alle Sektoren.“

    Im Feld der Pharmakonzerne, die Covid-19 bekämpfen, gibt es eine klare Tendenz. Es zeigt sich neuerdings, dass mRNA-Impfstoffe nicht nur über bessere Studienergebnisse verfügen – sie lassen sich auch schneller produzieren. Jetzt erweitern die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna ihre Lieferzusagen, zuletzt für einkommensschwache Staaten.

    Der US-Konzern Johnson & Johnson sowie das britisch-schwedische Unternehmen Astra-Zeneca, die auf andere Verfahren setzen, können da nicht mithalten. Beim russischen Vakzin Sputnik V wiederum liegt die Produktion derzeit bei gerade mal 33 Millionen Dosen – versprochen wurden bis zu eine Milliarde Dosen. „Wer sich nicht von der Wahrheit besiegen lässt, der wird vom Irrtum besiegt“, weiß der Philosoph Augustinus Aurelius.

    Quelle: Reuters
    Mohamed El-Erian, Chef-Ökonom der Allianz fordert die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zum Umdenken auf.

    Ein genauer Beobachter der globalen Finanzpolitik ist Mohamed El-Erian, ökonomischer Chefberater der Allianz. Im großen Handelsblatt-Gespräch sagt er über…

    • die lockere Geldpolitik der US-Notenbank (selbst bei steigenden Preisen): „Die Fed sollte zumindest offen für die Möglichkeit sein, dass wir nicht nur vorübergehende Effekte beobachten. Sonst riskiert sie, hinterherzuhinken. Und dann könnte sie möglicherweise massiv auf die Bremse treten müssen und eine Rezession riskieren.“
    • die Märkte: „Große Unternehmen sind in der Pandemie noch größer geworden. Sie haben mehr Macht, ihre Preise durchzusetzen. Die Lieferketten funktionieren nicht mehr so wie früher. Das Problem ist, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik zwar die Nachfrage stärkt, aber die Probleme der Angebotsseite nicht beheben kann. Und das Finanzsystem ist nicht auf einen Sprung zu höheren Zinsen vorbereitet.“
    • die Schaukelbörse mit auf- und absteigenden Kursen: „Das ist wie in der Kneipe wenn der Wirt ankündigt, dass es bald kein Bier mehr gibt. Dann bekommen Sie zuerst einen Schrecken, und dann bestellen Sie schnell noch ein Bier, solange noch was da ist.“

    Und dann ist da noch die uramerikanische Waffen-Legende Colt, die Firma mit dem Trommelrevolver, den Samuel Colt vor fast 200 Jahren entwickelte. Nun steigt der tschechische Produzent CZ-Group zum neuen Eigentümer des Traditionsbetriebs auf, für 180 Millionen Euro und eine Million neuer Aktien. „Rauchende Colts“ in Prag.

    Der CZ-Konzern gehört mit Marken wie CZ, Dan Wesson und Brno Rifles zu den größten Anbietern von Handfeuerwaffen in Europa. Durch den Deal erhalten die Tschechen einen besseren Zugang zum wichtigen nordamerikanischen Markt. Es war übrigens Heinrich Heine, der befand, es gäbe „nichts Stilleres als eine geladene Kanone“ – das Nachdenkzitat zum Arbeitswochenstart.

    Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Tag.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren:

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Europa straft Kidnapper aus Minsk"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%