Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Feilschen um die Auto-Kaufprämie

05.05.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wie ein Passierschein durchs Leben des „New Normal“ wirkte ein neues Dokument, das sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorige Woche einfallen ließ. Die Deutschen sollten mit einem „Immunitätsausweis“ klarstellen, dass ihnen das Coronavirus nichts anhaben kann. Doch die allzu kühne Idee ist schon wieder verschwunden. Die Opposition der Nicht-Oppositionspartei SPD war zu groß.

„Es darf keine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Infizierten und Nicht-Infizierten geben“, sagt Bärbel Bas, Vizechefin der Bundestagsfraktion. Initiator Spahn teilte gestern Abend auf einmal einer erstaunten Öffentlichkeit mit, dass „wir als Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren“ sollten, ob im Fall von Corona ein Immunitätsnachweis sinnvoll sei. Wenn es in der Politik rumpelt, entdeckt sie die Moral – und so darf nun der Deutsche Ethikrat etwas zu der Causa sagen.

Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich heute mit Vertretern der Autobranche.

Mindestens so schlimm wie der „Nachtwächterstaat“ aus der Zeit des Ferdinand Lassalle kann der „Nachtschwesternstaat“ dieser Tage sein. Er ist dann ein allzeit helfender Staat, der in der Coronakrise Kurzarbeitergeld zahlt wie noch nie, Subventionen aller Art als Aufbauhilfe gewährt und sich obendrein von Lobbyisten Beschimpfungen anhören muss, mit den Öffnungen gehe es viel zu langsam.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Eine Kaufprämie haben sich die deutschen Autokonzerne für den heutigen „Autogipfel“ bei Angela Merkel ausgedacht, nicht nur für die schon bedachten Elektroautos, sondern auch für moderne Benziner. Dabei hat VW 25 Milliarden Euro, Daimler mehr als 18 Milliarden und BMW mindestens zwölf Milliarden flüssig. „Wer auf so viel Geld sitzt, sollte den Markt eigentlich selbst anschieben können“, kommentiert mein Kollege Markus Fasse. Oder zumindest auf die Ausschüttung stattlicher Dividenden verzichten.

    Dass auch jegliche staatliche Samariterstrategie angesichts der Wucht des Schrumpfens einmal zu Ende gehen könnte, verdeutlichen neue Prognosen zur Beschäftigung. So geht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten von 2,3 Millionen auf mehr als drei Millionen ansteigt. Das zeigen wir in unserer Titelstory.

    Eine andere Zahl: Seit Ausbruch der Viruskrise haben 77 der 304 größten börsennotierten Firmen in Deutschland vor Geschäftseinbußen gewarnt, ermittelten die Wirtschaftsprüfer von EY. Inzwischen aber meiden viele Konzerne Vorhersagen, es gilt das Diktum der neuen Unübersichtlichkeit. In dieser Lage ist es eindeutig so, dass wir ziemlich viele Menschen brauchen, die entweder alles halb so schlimm oder aber doppelt so gut finden.

    Unter den Virologen erfreut sich Hendrik Streeck nun größerer Aufmerksamkeit. Er hat mit seinem Bonner Forschungsteam im Auftrag der NRW-Landesregierung die „Heinsberg-Studie“ veröffentlicht. Es handelt sich um Ergebnisse einer Forschung in der Gemeinde Gangelt an der niederländischen Grenze, wo nach einer Karnevalssitzung Sars-CoV-2 ausgebrochen war.

    Gemäß der Studie waren 15 Prozent infiziert, die Dunkelziffer lag aber rund fünfmal höher als die offizielle Zahl positiv getesteter Personen (was für Deutschland 1,8 Millionen Infizierte bedeuten würde). Zudem seien die Infektionsraten bei Kindern, Erwachsenen und Senioren sehr ähnlich. „Jeder vermeintlich Gesunde, der uns begegnet, kann unwissentlich das Virus tragen“, erklärt ein Co-Autor der Studie. Sieht ganz so aus, als müssten wir uns Begrüßungsküsse noch geraume Zeit sparen.

    Quelle: dpa
    Die neue Gruppierung "Widerstand 2020" lehnt die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung ab.

    Zu den Sumpfblüten der vergangenen Coronawochen gehört eine neue Partei, deren angeblich viele Mitglieder die Pandemie-Maßnahmen der Regierung ablehnen wie einst die AfD den Euro. Die neue Störgröße „Widerstand 2020“ wurde vom HNO-Arzt Bodo Schiffmann, dem Anwalt Ralf Ludwig und der Aktivistin Victoria Hamm gegründet, die sich mit ihrer Website LiebeskummerBox.de als Paarberaterin betätigt. Schiffmann wettert auf seinem Youtube-Kanal gegen die Merkel-Regierung, die am Ende einer Welle gegen eine Erkrankung impfen wolle, die es faktisch nicht mehr gebe – das sei „Körperverletzung“.

    In diesen Kreisen werden auch Verschwörungstheorien gröberen Musters mit Herzblut verbreitet. Die große Frage ist nun, ob mit dem Coronavirus auch „Widerstand 2020“ verschwindet oder ob der Reproduktionsfaktor dort größer als Eins ist.

    Mit bangem Blick schaut heute die Bundesregierung nach Karlsruhe. Es klagen die Unternehmer Heinrich Weiss, Jürgen Heraeus und Patrick Adenauer – und es droht Ärger. Das Bundesverfassungsgericht urteilt zum wiederholten Male über die voluminösen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich bis Ende 2018 auf 2,1 Billionen Euro kumulierten.

    Nun könnten die Richter, fürchtet man in Berlin, der Bundesbank – als Teil der EZB – strengere Grenzen für das Mitwirken an den Kaufprogrammen dekretieren, als dies zuvor der Europäische Gerichtshof getan hat. Dazu bietet sich der Kapitalschlüssel der EZB an, was bedeuten würde, dass die von Christine Lagarde gesteuerte Zentralbank mehr deutsche als italienische Staatspapiere kaufen müsste. Kurzum: Das unabhängige Verfassungsgericht entscheidet über die unabhängige Notenbank, wovon das Wohl der Börse extrem abhängig ist. Verwerfungen nicht ausgeschlossen.

    Und dann ist da noch der renommierte Restaurantführer Gault&Millau, der derzeit naturgemäß darunter leidet, dass Restaurants geschlossen sind – und der nun darüber hinaus auch mit erheblichen internen Problemen zu kämpfen hat. Jedenfalls haben Chefredakteurin Patricia Bröhm und Britta Wiegelmann, Leiterin des Weinguides, Knall auf Fall hingeworfen. Sie kamen nicht mehr mit den russischen Eigentümern der einst in Frankreich entstandenen Marke klar, die nunmehr die Länderlizenzen erteilen. Auch von einem modernen Online-Auftritt kann keine Rede sein. Es hat hier mit großer Sicherheit, excusez-moi, so richtig etwas auf die Kochmütze gegeben.

    Quelle: dpa
    Pianist Igor Levit gab in der Coronakrise Internet-Hauskonzerte.

    Ich wünsche Ihnen einen genussreichen Tag und ein gutes Abgleiten in die Lockdown-Schlussphase. Dass es mit der Kasteiung peu à peu zu Ende geht, machte gestern Abend nicht zuletzt das letzte tägliche Internet-Hauskonzert des Pianisten Igor Levit klar. Es war der 52ste gestreamte Auftritt in Folge, eine persönliche Corona-Reaktion auf das Schließen der Konzertsäle. Er brauche jetzt Ruhe, sagte Levit zum Abschied, und dass ein Künstler spielen – also „sein“ – müsse. Häufig geht es in diesen Tagen darum, nicht nur „human being“, sondern „human doing“ zu sein.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    Mehr zu: Morning Briefing - Feilschen um die Auto-Kaufprämie
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Feilschen um die Auto-Kaufprämie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%