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Morning Briefing Ferdinand Piëch, die Motorenlegende

2 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Geschichte der Wirtschaft ist eine Geschichte der Dynastien, zumindest in Deutschland. Und sie ist eine Geschichte von Männern in Siegfried-Rollen, Drachentöter auf ihre Art. So kam es, dass kämpfende Patriarchen das Land aufbauten: Herbert Quandt (BMW), Konrad Henkel, die Albrechts, Berthold Leibinger oder Bertold Beitz, der zum neuen Krupp wurde. In dieser Reihe, wenn auch zeitlich später aktiv, ist Ferdinand Piëch zu nennen, der technisch genialische, menschlich schwierige Spross des Porsche-Clans. Unter seiner Regie fuhr Audi im Werbeclip die Skischanze hoch und dem Mann-mit-Hut-Image weg, er machte schließlich den gesamten Volkswagen-Konzern zum weltgrößten Autobauer. Am Sonntag kollabierte Piëch (1937-2019) in einem Restaurant in Rosenheim und starb später im Hospital.

Quelle: dpa
Ferdinand Piëch machte den Volkswagen-Konzern zum weltgrößten Autobauer

Piëch zelebrierte einen Stil als Kauz und Krieger. In seinem Weltbild machte immer der einsame Wolf das Rennen, das war dem Manager mit den dreizehn Kindern aus vier Beziehungen enorm wichtig. „Immer wenn es um Krieg geht, sind am Ende weniger vorhanden. Und es gibt immer Gewinner und Verlierer“, teilte er den Kosmos auf, natürlich verbunden mit einer dieser ewigen Kampfansagen, aus denen man Minderwertigkeitskomplexe heraushören konnte: „Und ich habe die Absicht, mit unseren Partnern, die VW in der ganzen Welt hat, der Sieger zu sein.“

Die Branche hat dem diplomierten Maschinenbauer Piëch manche technische Innovation zu verdanken, ebenso eine (ökonomisch schwierige) Betonung von Luxusmarken wie Bugatti, Bentley oder Lamborghini, aber auch einige Skandale (Lopez, Sex-Dienstleister, Dieselgate) sowie extreme Volten. Er war der Meister der guillotinierenden Halbsätze, mit denen er zu selbstbewusst gewordene Manager auf den Weg zur Abfindung schickte. Erst im Macht-Duell mit Ziehsohn Martin Winterkorn scheiterte der zeitweise wichtigste Gesellschafter bei VW. Und anders als geplant brachte er seine Frau Ursula nicht in eine Schaltstelle im Aufsichtsrat. Es war ein holpriger Abschied nach langen Jahren als Vorstandschef (1993-2002) und Aufsichtsratsvorsitzender (2002-2015), bei deren Würdigung einem Seneca einfällt: „Es hat noch keinen großen Geist ohne eine Beimischung von Wahnsinn gegeben.“

Die extreme Ungleichheit der Vermögen teilt Deutschland genauso wie der Versuch, daran mit einer Vermögenssteuer etwas zu ändern. Nachdem die derzeit chronisch unter Liebesentzug leidende SPD gestern im Parteipräsidium tatsächlich beschloss, nach 22 Jahren wieder eine solche Zahlungsverpflichtung für Vermögende einzuführen, formiert sich kollektiver Widerstand im Unternehmerlager. „Immer noch monströsere Steuerwerke“ sieht Tunnelbauer Martin Herrenknecht heraufziehen, „so fördert man sicherlich kein Unternehmertum“. Auch der einstige Verfassungsrichter Paul Kirchhof warnt im Handelsblatt vor der Vermögenssteuer: „Sie ist nur dann verfassungskonform, wenn die Bewertung des Vermögens in Ordnung ist.“ Genau daran hat es immer wieder gefehlt.

Ein dialektisches Prinzip praktiziert Donald Trump bei seiner Arbeit. Erst baut er bestimmte Figuren seines Bezugsrahmens als größte Bösewichte der Welt auf, dann geht er auf Friedensmission und genießt die Annäherung ans Schurkische. Die Friedensverhandlung ist umso gewaltiger, je krachender zuvor der Konflikt war, das ist das Schema. So lief es schon bei Kim Jong Un, Nordkoreas Captain Rakete, so läuft es nun auch bei Hassan Ruhani, Irans Präsidenten. Den will der US-Präsident bald treffen, schalmeite er am Ende der Politshow „G7“. Auch nach Deutschland zieht es ihn zu Besuch, flankiert von einem Spruch, der leicht erschauern lässt: „I have German in my blood.“

Quelle: AP
Regierungskrise in Italien: Staatspräsident Sergio Mattarella lädt zu einer neuen Konsultationsrunde.
(Foto: AP)

Europa schaut heute auf Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Er lädt in der Regierungskrise zu einer neuen Konsultationsrunde und will wissen, wie weit die linkspopulistische „Fünf-Sterne“-Bewegung und die sozialdemokratische PD mit ihren Regierungsgesprächen sind. Die beiden Parteien eint die Furcht vor Neuwahlen und einem noch enthemmteren Matteo Salvini. Sie trennt das Gehacke um Postenverteilung sowie die Angst vor der Basis. Es ist ja allen Ernstes schwierig, nach Monaten des permanenten Schlagabtauschs nun die Friedenspfeife zum Symbol der neuen Zeit zu erheben.

Im aktuellen Meisterfilm von Pedro Almodóvar namens „Leid und Herrlichkeit“ spielen Opioide, suchtgefährdende Schmerzmittel, eine ähnlich große Rolle wie in der US-Gesellschaft. Dort sind bereits mehr als 400.000 an einer Überdosis gestorben. Nun ist der Pharmakonzern Johnson & Johnson wegen falscher Vermarktung des Teufelszeugs sogar zu 572 Millionen Dollar Strafgeld verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte ursprünglich eindrückliche 17 Milliarden gefordert – seine kleine Niederlage ist der große Sieg der Anleger. Sie profitierten von Kursgewinnen (bis zu plus fünf Prozent).

Chemnitz vor einem Jahr, das war offenbar doch eine Abfolge gezielter Hetzjagden auf Migranten. Ein vertraulicher Bericht des LKA Sachsen geht bei Rechtsextremen von einer hohen Gewaltbereitschaft aus – gegen Polizisten, Journalisten, politische Gegner und Flüchtlinge. Quelle sind zahlreiche Chats, in denen Formulierungen wie „Bock haben, Kanacken zu boxen“ zum Standardrepertoire gehören. Darüber berichten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“. Der einstige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen will auch angesichts der neuen Fundstücke nicht von „Hetzjagden“ sprechen. Leute, die mit ihm sprechen, sollten Bertolt Brecht kennen: „Man kann die Wahrheit nur mit List verbreiten.“

Und dann ist da noch der Milliardär Heinz Hermann Thiele, der sich auch mit 78 Jahren über lukrative Deals freut. Einen erreicht er jetzt mit seinem Vossloh-Konzern: Der will die etwas darbende Lokomotivsparte an ein Unternehmen verkaufen, das für den Siemens-Konzern und etliche Industriepolitiker ein „Gottseibeiuns“ ist: die chinesische Gruppe CRRC, Weltchampion bei Schienenfahrzeugen. Damit bekommt nun die Volksrepublik Einblick in Europas komplizierte Eisenbahnstrukturen. Den Aufkäufern bleibt Tycoon Thiele allerdings weiter verbunden: Sein börsennotierter Konzern Knorr-Bremse zählt CRRC zu den eigenen Großkunden.

Ich wünsche Ihnen einen stimmungsvollen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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2 Kommentare zu "Morning Briefing: Ferdinand Piëch, die Motorenlegende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ...das ist heute Morgen aber wirklich schlampig im Morning Briefing: der Generalbevollmächtigte der Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs und einflussreicher Industrieller in der Montanindustrie heißt Berthold Beitz (nicht Beltz)

  • Es war H e r b e r t Quandt, der Bruder von Harald Quandt, der sich durch sein Engagement bei der Sanierung des Automobilherstellers BMW Anfang der 1960er Jahre verdient gemacht hat. Harald Quandt war (zusammen mit seinem Bruder Herbert) Erbe von VARTA und dort u.a. späterer Aufsichtsratsvorsitzender.