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Morning Briefing Filmreifer Kunstraub im Grünen Gewölbe

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

von Bankraub hört man seit einigen Jahren selten, dafür immer häufiger von Kunstdiebstahl im großen Stil. Die Banken sind hochtechnisch geschützt, die Museen offenbar nicht. Das Feeling des Filmklassikers Rififi stellte sich jetzt in Dresden ein, wo sich Einbrecher in der Schatzkammer „Grünes Gewölbe“ bedienten, als seien sie in der „Alles-muss-raus“-Kaufhausecke gelandet. Es fehlen Juwelengarnituren aus dem 18. Jahrhundert, der Schaden liegt bei bis zu einer Milliarde Euro. Gut möglich, dass die Edelsteine verkleinert und weiterverarbeitet werden – ein Prinzip, das man vom Goldmünzen-Raub im Berliner Bode-Museum kennt. In der Organisierten Kriminalität ist Trophy-Kunst als Sicherheit oder Tauschmittel populär, was die hohe Zahl von jährlich etwa 2500 entwendeten Kunstobjekten in Deutschland, der Schweiz und Österreich erklärt.

Quelle: AP
Die Londoner Transportbehörde TfL stärkt mit ihrem Beschluss, Uber die Lizenz zu entziehen, die heimischen Taxifahrer.
(Foto: AP)

„London Calling“ heißt für den Fahrdienstvermittler Uber: Die Notrufzentrale meldet sich. Die Londoner Transportbehörde TfL hat tatsächlich den imperial gestimmten Amerikanern aus Sicherheitsbedenken die Fahrlizenz für London entzogen und so die heimischen Taxifahrer gestärkt. Touren mit nicht lizenzierten Fahrern seien bei Uber zugelassen worden. An der Börse verlor die Aktie bis zu sechs Prozent. Dass es auch in Deutschland genügend Negativ-Trends gibt, macht unsere Titelstory im Blatt klar. Danach hat das Landgericht Köln bereits beschlossen, dass die Uber-App gegen das Personenbeförderungsgesetz verstoße. Die einstweilige Verfügung konnte jedoch Uber am Sitz in Amsterdam nicht ordentlich zugestellt werden. Dieses Problem wird sich schneller beheben lassen als die schwere Gewitterlage für den US-Dienst, der einmal die Welt verändern wollte.

Was die digitale Infrastruktur in Deutschland angeht, gilt ein alter Satz: Man sitzt auf einer Goldmine und beutet eine Salzmine aus. 5000 Gäste kommen seit gestern und in den nächsten Tagen nach Berlin zum UN-Kongress „One World. One Net. One Vision.“ Kanzlerin Angela Merkel eröffnete mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Schon am Vortag warb World-Wide-Web-Pionier Tim Berners-Lee für einen neuen „Vertrag für das Netz“. Wenn ein Tech-Unternehmen die Verbreitung von Fehlinformationen nicht aufhalte, dann werde „die Welt polarisierter und dysfunktionaler“, findet er. Das ist durchaus als Schelte an jenem Facebook-Konzern zu verstehen, der wie Google und Microsoft die Berners-Lee-Initiative unterstützt.

Der Plan klang schon immer zu schön, um wahr zu sein: Ein Nationaler Bildungsrat sollte schulische Standards zwischen den Bundesländern endlich vergleichbar machen und Schulwechsel über Ländergrenzen hinweg erleichtern. Doch jetzt ist das Ding geplatzt, weil Bayern und Baden-Württemberg ausbüxten – Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bleibt einsam mit der Idee zurück. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) setzt nun auf die altbekannte Kultusministerkonferenz: „Es entspricht einfach stärker unserer föderalen Ordnung, wenn die Länder die aktiven Akteure sind.“ Doch genau da ging wenig voran. Karliczeks Niederlage kann man als weiteren Beleg für Republik-Reformträgheit werten.

Quelle: dpa
Engelbert Lütke Daldrup will am Freitag mitteilen, ob der neue Berliner Flughafen im Oktober 2020 eröffnet wird.

Schon lange nichts mehr gehört, ob der deutsche Symbol-Krisenfall schlechthin – der geplante Berliner Großflughafen „Willy Brandt“ – wirklich aus dem Geburtskanal herausfindet. Am Freitag will CEO Engelbert Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung der Flughafenfirma BER mitteilen, ob es bei der Inbetriebnahme im Oktober 2020 bleibt. Der Zeitplan ist mal wieder in höchster Gefahr, jedenfalls wenn man einem im „Tagesspiegel“ ausgebreiteten Report vom TÜV Rheinland folgt. Danach schleppe sich die Beseitigung von 16.000 Mängeln an den Sicherheitskabeln dahin, womöglich könnten sich Nachprüfungen bis Juni 2020 hinziehen. Das wäre dann das Ende für den aktuell vorgesehenen Starttermin, 2733 Tage nach der ursprünglich geplanten Eröffnung. Dieser „Count-up“ füllt sich von allein, und leider ist es nicht wie bei Albert Einstein: „Ordnung braucht nur der Dumme, das Genie beherrscht das Chaos.“

„Haribo macht Kunden froh und Controller ebenso“ – einen Sinnspruch dieser Art wird man beim Süßwarenspezialisten aus dem Ort Grafschaft im Landkreis Ahrweiler nicht zu hören bekommen. Im kommenden Jahr wird die Firma 100 Jahre alt, zuletzt aber brach der Umsatz ein, 2018 sogar um fast zehn Prozent. Von einem „sehr herausfordernden Jahr“ sprechen die Deutschland-Chefs Andreas Patz und Holger Lackhoff im Handelsblatt-Interview. Man rechnet nun mit den zuckerreduzierten Fruchtgummis der Vorgänger ab und postuliert: „Haribo ist ganz klar ein Zuckerprodukt zum Genießen.“ Alles auf Zucker also und manchmal klingt es nach einer Selbstanklage auf der Sünderbank: „Wir haben unsere Top-Produkte wie den Goldbären aus den Augen verloren.“

Große Klimabilanz zieht Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) heute im Bundestag. Zwei Tage später wollen auch wir beim „Food Frontiers InnoDay“ zum Klimawandel diskutieren, zudem über wachsende Bevölkerungszahlen, verändertes Konsumverhalten sowie nachhaltige Ernährungssicherung. Konkret geht es um mögliche innovationsstarke Allianzen zwischen Industrie, Forschung und Start-ups. Ort des Geschehens am Donnerstag ist das vom Konzern K+S aufgewertete einstige Bergwerk im niedersächsischen Sigmundshall in der Nähe von Wunstorf. Ein paar Karten habe ich reserviert ( [email protected]).

Und dann ist da noch Rainer Wendt, Polizeigewerkschafter mit Honorarkonflikten, der – kurz vor dem Ziel – doch nicht Staatssekretär im Innenministerium von Sachsen-Anhalt werden kann. Die Regierungsparteien SPD und Grüne haben die von der CDU betriebene Kür der goldenen Taler gestoppt. Persönlich und beamtenrechtlich halten sie den Mann für ungeeignet, der sein Einkommen erkennbar maximiert hat und seinen Oscar Wilde kennt: „Der einzige Weg, sich einer Versuchung zu entledigen, ist, ihr zu erliegen.“ Obwohl der Beamte hauptamtlich als Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft fungierte, strich er jahrelang bis zur Pensionierung ein Teilzeitgehalt als Polizist ein. Sein Aufsichtsratsmandat bei der Axa-Versicherung war ihm keine Meldung an den Arbeitgeber, das Land NRW, wert – was zu einer Disziplinarmaßnahme führt. Für mehrere Monate wird die Pension gekürzt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und einen guten Umgang mit den Versuchungen, wenn sie sich ergeben.
Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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