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Morning Briefing Frank Thelen verlässt die „Die Höhle der Löwen“

11.11.2019 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

gestern Nachmittag im Bundeskanzleramt, eine weitere Folge von „Aktion Sorgenkind“. Drei Parteiführer stehen vor Mikrofonen zusammen und tun wirklich alles, damit diese schwankende Große Koalition weitermacht. Malu Dreyer (SPD) ist nur noch kurz kommissarisch im Amt, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Zustand der Demontage und Markus Söder (CSU) verwendet Kraft auf Dementis, was eine Kanzlerkandidatur angeht. Dieses Berliner Trio also erklärte den Kompromiss zur Grundrente, wonach man jetzt mit dem Prüfen des Einkommens (nicht der Bedürftigkeit) zurande kommt. Ärmere Rentner mit 35 Beitragsjahren sollen einen Aufschlag erhalten – wenn alles glatt läuft, zufälligerweise mit Beginn des Wahljahres 2021.

Quelle: dpa
Ralph Brinkhaus: „Noch mehr von diesen Belastungsproben wünsche ich mir in dieser Koalition nicht.“

Was die Regierung jetzt noch stoppen könnte, ist ein negatives Votum der Unionsfraktion in ihrer heutigen Sitzung (die Mittelständler sind genervt) sowie eine spezielle Bedürftigkeitsprüfung der „Groko“ durch die SPD-Mitglieder, die bei der anstehenden Vorsitzendenwahl ausgerechnet Vizekanzler Olaf Scholz durchfallen lassen könnten. Eine Art letzte Warnung kommt vom Leid geprüften Union-Fraktionschef Ralph Brinkhaus: „Noch mehr von diesen Belastungsproben wünsche ich mir in dieser Koalition nicht.“

Kapital gegen Arbeit, da geht es in modernen Zeiten nicht mehr um monetären Mehrwert, sondern um ein Ding wie „eATS“, einen elektrischen Antriebsstrang für die E-Daimler-Autos der Zukunft. Michael Häberle, Betriebsratschef im ältesten Daimler-Werk in Untertürkheim und Aufsichtsrat, kämpft darum, dass „eATS“ am Standort gefertigt wird – doch Zulieferer locken längst mit niedrigen Preisen. Und sie wissen: Für den neuen Konzernchef Ola Källenius zählen Euro-Beträge. Diesen Verteilungskampf der neuen Art droht Häberle zu verlieren und so warnt er im Handelsblatt: „Es wäre ein fatales Signal, wenn der elektrische Antriebsstrang fremdvergeben würde, nur um kurzfristig Kosten zu sparen.“ Streik scheint nicht unwahrscheinlich. „Die Kunst des Lebens besteht mehr im Ringen als im Tanzen“ (Marc Aurel).

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    Es gab am Sonntagabend einige wichtige außenpolitische Markierungen. In Spanien bleiben die politischen Verhältnisse kompliziert, daran haben die Parlamentswahlen nichts geändert. Zwar liegen Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine Sozialisten mit gut 28 Prozent vorn, doch die Hauptgegner von der konservativen Partido Popular verbesserten sich um rund drei Punkte auf 20 Prozent. Den stärksten Zulauf hatten die Rechtspopulisten von Vox (15 Prozent), während das Linksbündnis Unidas Podemos (13 Prozent) leicht verlor. Fazit: Weder das linke noch das rechte Lager hat eine absolute Mehrheit. Für die vierte Wahl in vier Jahren ist das verdammt wenig Klarheit.

    Das sieht in Bolivien anders aus, wo der linksgerichtete Präsident Evo Morales zurücktrat. Freiwillig geschah das nicht, die Chefs der Streitkräfte und der Polizei hatten ihn dazu aufgefordert. Zu unruhig war die Lage in dem südamerikanischen Land geworden, nachdem erhebliche Manipulationen an der Wahl vor drei Wochen deutlich wurden. Die Vorwürfe werden jetzt genauer untersucht, die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitglieder des Wahltribunals. Für den 60-jährigen Morales, der Bolivien 13 Jahre lang regiert hat, ist das ein Abschied in Schande.

    In Rumänien wiederum liegt bei der Präsidentenwahl der deutschstämmige Amtsinhaber Klaus Johannis (knapp 39 Prozent) vorn und muss nun gegen die Sozialdemokratin Viorica Dancila (22 Prozent) in die Stichwahl. Der zweite Wahlgang am 24. November wird damit zur Abstimmung über Rechtsstaat und Vetternwirtschaft. Denn Dancila war von Anfang 2018 bis vor einer Woche Ministerpräsidentin des Landes, ehe sie vom Parlament via Misstrauensvotum gestürzt wurde. Streitpunkt war ihre Justizpolitik, die nach der Meinung von Johannis und der EU nicht mit der Korruption im Land Schluss machte.

    Er ist der erste Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund in einer Landeshauptstadt. Und er ist der erste Nicht-Genosse nach mehr als 70 Jahren SPD-Herrschaft. Das alles macht die Karriere des türkischstämmigen Belit Onay bemerkenswert. In Hannover gewann er die Stichwahl gegen den früheren VW-Manager Eckhard Scholz mit 52,9 Prozent. Die Weisheit eines Menschen bemisst sich auch hier, frei nach George Bernard Shaw, nicht nach seinen Erfahrungen, sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen.

    Quelle: dpa
    Hans Magnus Enzensberger wird 90.

    Neunzig Jahre wird heute ein Lyriker und Essayist, der schon früh, Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre, das Wesen der Medien sezierte, damals „Bewusstseinsindustrie“ genannt. Er schrieb mehr als 50 Bücher, gründete „Kursbuch“, die Zeitschrift „Transatlantik“, die „Andere Bibliothek“ – ein Großintellektueller der Republik. Zuletzt publizierte Hans Magnus Enzensberger, zu dem die Granden der Feuilletons in die Münchener Werneckstraße wallfahren, etwas zur „Dämonie der Arbeitsteilung“, getitelt „Eine Experten-Revue in 89 Nummern“. Wir laben uns an der früheren Erkenntnis, dass Heiterkeit eine moralische Frage sei: „Mürrische Leute, die anderen mit ihrem Problem behelligen, die halte ich für rücksichtslos.“

    Und dann ist da noch Start-up-Finanzier Frank Thelen, der Knall auf Fall seinen Ausstieg aus der einschlägig bekannten Gründershow „Die Höhle der Löwen“ auf Vox verkündet: „Ich kriege beides nicht unter einen Hut“, sagt er im Handelsblatt-Interview mit Verweis auf seine Technologie-Investmentfirma. Für jede Staffel sei er 30 bis 40 Tage eingespannt – zu viel für jemanden, der sich mit KI, 6G und dergleichen beschäftigt. Und Thelen macht auch keinen Hehl daraus, dass er mit Vox-Knüllern wie Schnuller-Spendern für Babys oder Rattenfallen für Jachten wenig anfangen kann. Als Vorbild für seine avisierten Tech-Höhenflüge nennt er Elon Musk, der just von Siemens-Chef Joe Kaeser nun als „kiffender Kollege“ sozusagen dem Rauschgiftdezernat zugeführt wurde.

    Ich wünsche Ihnen einen furiosen Start in die Woche, „es gibt immer etwas zu lieben“, schreibt Gabriel García Márquez. Es grüßt Sie wie immer herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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