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Morning Briefing Geldschöpfung mit 5G

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Zeit der Ausflüchte, warum das alles so schwierig ist mit der Digitalisierung in Deutschland, geht langsam zu Ende. Wir, die auf rinnende Sanduhren starren, hoffen auf den Topmobilfunkstandard 5G. Gestern vergab die Bundesnetzagentur die begehrten Frequenzen hierfür und erlöste die Rekordsumme von 6,5 Milliarden Euro. Als Überraschungsgast fungiert Ralph Dommermuth, der ebenfalls Frequenzen erwerben darf und mit seinem United-Internet-Konzern zum vierten Netzbetreiber aufsteigt. Während sich Telefónica zufrieden zeigt, üben sich Deutsche Telekom und Vodafone in Mäkelarbeiten – wegen der Geldschöpfung, die für sie Geldschröpfung ist. Tatsächlich ist jetzt Milliardensammler Staat aufgerufen, in Sachen Digitalisierung voranzugehen.

Bei Abschiebungen heißt die Devise „Große Kollision“, nicht „Große Koalition“. Das zeigt sich aktuell bei der Frühjahrskonferenz der Innenminister von Bund und Ländern. Einerseits überbieten sich die Unionsvertreter mit Forderungen, alle abgelehnten Asylbewerber auch ja nach Afghanistan auszufliegen, andererseits lehnen die SPD-Emissäre genau das ab, solange keine akzeptable Sicherheitslage zu erkennen sei. Vor allem Bayern und Sachsen gehen bislang in ihrer Abschiebepolitik sehr weit. Die Grünen dagegen fordern ein Moratorium – für Afghanistan, Sudan und Syrien. Manchmal sehnt man sich danach, den Zankapfel zur verbotenen Frucht zu erklären.

Quelle: Bloomberg
Axel-Springer-Hauptgebäude
(Foto: Bloomberg)

Erst der Kauf von Film- und Fernsehproduktionen, nun der Einstieg bei Axel Springer – die US-Beteiligungsgesellschaft KKR taucht an vielen Stellen im heimischen Medienmarkt auf. Sie baut sich als Helfer im Kampf gegen die digitalen Großmächte Google & Co auf. Mit Philipp Freise, der für Medien zuständig ist, habe ich mich lange unterhalten. Er sieht die Rolle von KKR als jene, die Jogi Löw bei der Nationalmannschaft ausfüllt: „Wir sind Ideengeber, die Tore müssen die anderen schießen.“ Alles klar, schönes Bild, nur in der WM-Vorrunde sollte man nicht gerade ausscheiden.

Einmal im Jahr ist Wolfsburg die Weihestätte für 500 VW-Manager aus der gesamten Welt. Heute ist es wieder soweit: Vorstandschef Herbert Diess schwört auf einen gemeinsamen Kurs ein und macht mit Neuerungen vertraut, zum Beispiel bei Elektromobilität. Und es dürfte bei der Global-Top-Management-Konferenz diesmal auch um mögliche Verkäufe von Randbereichen gehen. Hier ist Bentley nach einem Jahresverlust von offiziell 288 Millionen Euro ins Prüflicht gerückt. Zum 100. Geburtstag muss die Luxusmarke kämpfen. Fans trösten sich mit Oscar Wilde: „Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten.“

E-Mails sind die aktuell größte Bedrohung für Facebook – E-Mails, die offenbar nahelegen, dass Gründer Mark Zuckerberg genau wusste, dass sein Laden die gemachten Versprechungen zum Datenschutz nicht einhält. Der Konzern selbst hat der Federal Trade Commission (FTC) das Material expediert, nachdem der Skandal um den Missbrauch von Millionen von Nutzerdaten im US-Wahlkampf 2016 durch die Firma Cambridge Analytica hochgekocht war. Jetzt hat Facebook einen doppelten Schaden: Fünf Milliarden Dollar an die FTC sind wohl fällig und der Ruf von „The Zuck“ ist noch mehr beeinträchtigt.

In Hongkong fehlt noch, was die Demonstranten in Moskau mit der Freilassung des kritischen Journalisten Iwan Golunow erreicht haben: die Rücknahme einer umstrittenen Regierungsmaßnahme. Noch aber ist das Auslieferungsgesetz nicht gestoppt, nur die Debatte im Parlament ist abgesagt. Und so protestieren die Menschen in Hongkong weiter, was die Regierungschefin Carrie Lam erst so richtig in die Bredouille bringt. Bleibt sie hart, wie es die kommunistische Zentralregierung in Peking erwartet, droht die Lage außer Kontrolle zu geraten. Gibt sie nach, gibt sie auf. 28 Jahre, bevor Hongkong endgültig voll in der Volksrepublik China aufgehen soll, zuckt die Demokratie in der einstigen Kronkolonie wie ein Muskel, der bewegt sein will.

Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Anastassia Lauterbach hat schon viele Unternehmen beraten. Die Krisen ihres Klienten Wirecard aber stellen sie vor eine besondere Aufgabe.
(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Eine besondere Geschichte habe ich noch beim Flanieren durch unsere aktuelle Ausgabe entdeckt. Es ist ein Porträt der Multiaufsichtsrätin Anastassia Lauterbach, 46, einer Expertin für Künstliche Intelligenz, die etwa beim ins Gerede gekommenen DAX-Konzern Wirecard nach dem Rechten sieht. Sie sei „eine der wenigen Deutschen, deren Kompetenz auch im Ausland gefragt ist“, schreibt meine Kollegin Andrea Rexer. Lauterbach kontrolliert beispielsweise Easyjet sowie Dun&Bradstreet. Statt für eine Konzernlaufbahn entschied sich die Fachfrau aus Familiengründen für eine „Portfolio-Karriere“, wie sie das nennt: ein Mix aus selbstständiger Beratung und mehreren Aufsichtsratsmandaten.

Und dann ist da noch der vegane Burger-Produzent Beyond Meat, der jüngst als Börsennovize in New York so große Erfolge gefeiert hat: plus 500 Prozent in fünf Wochen. Doch nun weicht der Saft aus allen Poren, den Anlegern ist der Hunger vergangen. Jüngst verkokelte der Wert sogar an der Wall Street, zwei Milliarden Dollar Börsenwert verbrannten an einem Tag. Es wirkt, als erkenne die Branche mit einem Mal das ganze Ausmaß ihrer eigenen Übertreibung; in Europa wird zum Beispiel die erste Fabrik erst 2020 eröffnen. Statt „Beyond Meat“ müsste es vielleicht „Beyond Heat“ heißen.

Ich wünsche Ihnen einen durch und durch angenehmen Tag. Es grüßt Sie herzlich
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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