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Morning Briefing Green Card wird zur „roten Karte“

09.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

politische Maßnahmen des US-Präsidenten Donald Trump gegen ausländische Studierende ziehen immer weitere Kreise. Nach einem Ukas seiner Einwanderungsbehörde ICE müssten diejenigen das Land verlassen, deren Universitäten im Wintersemester ausschließlich Online-Kurse anbieten – oder aber sie wechseln zu einer Alma Mater mit persönlichen Vorlesungen. Das alles erwecke den Eindruck, als wolle Trumps Regierung Druck auf Universitäten ausüben, die Lehrsäle wieder zu öffnen, sagt Lawrence Bacow, Präsident der Vorzeige-Uni Harvard. Sein Institut und das MIT in Cambridge gehen juristisch gegen den kaum verklausulierten Rauswurf des akademischen Nachwuchs vor, der auch Firmen betrifft: Viele von ihnen finden Talente über die Unis, heißt es in unserem großen Report. Die „Green Card“ ist in Trumps politischer Agonie zur Roten Karte geworden.

Quelle: Reuters
Rund 36.000 Mitarbeiter der Airline könnten von Oktober an in Zwangsurlaub geschickt werden.

Notlandung für United Airlines

Unweigerlich stellt sich die Frage, was aus Lufthansa, KLM/Air France oder Ryanair wird, wenn man die letzten News von United Airlines liest. Die US-Fluglinie hat gewarnt, dass rund 36.000 Mitarbeiter wegen des Themas „Corona“ von Oktober an in Zwangsurlaub geschickt werden könnten – so unbezahlt wie unfreiwillig. Das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft. United Airlines gehört im Übrigen zu den Firmen, die staatliche Darlehen prüfen wollen. Alles aus einem guten Grund: Nach einem Verlust von 1,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal erwartet die Airline aktuell bis zu 45 Millionen Dollar Tagesminus.

Aufräumen bei den Prüfern

Vor neun Jahren war Michel Barnier EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen und hatte ein paar gute Ideen zu Wirtschaftsprüfern. So sollten bei einem „Joint Audit“ zwei Anbieter den Jahresabschluss checken sowie untersagt werden, dass Bilanzprüfung und Beratung bei einer Prüffirma gebündelt sein dürfen. Die besten Vorschläge dieser Art scheitern naturgemäß am schnellsten – wegen des geballten Widerstands der Lobby. So war es auch hier. Die „Big Four“ mit PwC, Deloitte, EY und KPMG hatten gegen Barnier opponiert.

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    Nun beschäftigt sich die EU-Kommission nach der Prüfer-Blamage bei Wirecard erneut mit den alten Vorschlägen. Den nötigen Kommentar gibt BWL-Professor Michael Wolff in unserem Titelkomplex ab: „Der Fall Wirecard sollte Anlass dazu sein, eine noch klarere Trennung von Prüfungsaufgaben und Beratung vorzunehmen. Ich halte beide Rollen für unvereinbar.“

    Für mich steht fest: Die Politik braucht einen langen Atem und Panzerschichten gegen das Branchenkartell der „Big Four“.

    Corona-Risiko im Beruf

    Der Dank kam schnell, der versprochene bessere Lohn lässt noch auf sich warten. Schon am Anfang der Corona-Zeit hatte Kanzlerin Angela Merkel Menschen im Gesundheitswesen gelobt: „Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie.“

    Nun zeigt sich anhand von Versichertendaten der AOK, dass tatsächlich keine andere Berufsgruppe zwischen März und Mai 2020 so oft wegen einer Covid-19-Diagnose krankgeschrieben wurde, wie die Frontarbeiter der Medizin. Kordula Schulz-Asche, pflegepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, macht hierfür auch den Mangel an Schutzausrüstung verantwortlich. Besonders betroffen waren Beschäftigte in der Altenpflege. Auch Berufe in der Fleischverarbeitung oder der Lagerwirtschaft litten stark unter den Virus-Gefahren.

    Quelle: dpa
    Pharmahandel und Apothekenmarkt wollen noch in diesem Jahr ein zentrales Gesundheitsportal starten.

    Gesundheitsportal gegen Amazon

    Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch in Deutschland Online-Kolosse wie Alibaba oder Amazon in den Handel mit rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Arzneien einsteigen. Dagegen formieren sich hierzulande nun führende Firmen aus Pharmahandel und Apothekenmarkt. Noch 2020 wollen sie ein zentrales Gesundheitsportal für die Republik lancieren. Darüber werden wir auf handelsblatt.com im Laufe des Morgens berichten.

    Man werde erstmals viele Leistungserbringer im Gesundheitswesen vernetzen, unter einer Website bündeln und so „echten Mehrwert für Patienten und Nutzer schaffen“, sagt Marcus Freitag, Deutschlandchef des Pharmahändlers Phoenix. Schon bald soll ein Großteil der deutschen Apotheker, Ärzte, Pfleger und Heilberufe an die Plattform angebunden sein. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren zuständigen Kartellamtsmitarbeiter.

    Alexander Holds beste Rolle

    Seine glänzendste Rolle spielte Alexander Hold nicht als gleichnamiger Richter in einer Gerichtsshow des Privatfernsehens – sondern als Landtags-Vizepräsident im Münchener Maximilianeum. Der Mann von den Freien Wählern entzog jetzt dem AfD-Abgeordneten Stefan Löw das Rederecht.

    Der ehemalige Polizist hatte sich eine Gasmaske aufgesetzt, um die Maskenpflicht im Parlament lächerlich zu machen. Zuvor war seine Fraktion mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht gescheitert, die Verhüllungspflicht für Mund und Nase auszusetzen. Die AfD sieht darin eine „massive Einschränkung“ des freien Mandats.

    Im Fall Löw hielt Fernsehrichter Hold fest, sei zwar das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes angeordnet, „aber keiner Faschingsmaske, oder was immer das sein mag.“

    Quelle: AFP
    Brooks Brothers hat Gläubigerschutz nach „Chapter Eleven“ des US-Insolvenzgesetzes beantragt
    (Foto: AFP)

    Vom Ausstatter zum Bestatter

    Und dann ist da noch Brooks Brothers, die amerikanische Herrenausstatter-Ikone der Gordon-Gekko-Ära. Das mehr als 200 Jahre alte New Yorker Unternehmen stattete US-Politiker und Investmentbanker mit der Uniform des entfesselten Kapitalismus aus, mit Nadelstreifenanzügen, Krawatten und jenen blauen Hemden, mit denen sich auch schon mal deutsche TV-Moderatoren eindeckten. Doch der Dresscode jener Jahre entschwand, Corona gab dann den Rest: Nun hat Brooks Brothers Gläubigerschutz nach „Chapter Eleven“ des US-Insolvenzgesetzes beantragt. Besitzer Claudio Del Vecchio, Sohn des italienischen Brillen-Magnaten Leonardo Del Vecchio („Luxottica“), hofft auf einen Verkauf der Firma. „Ich sehe auch, dass die Mode mehr Kleider aufträgt als der Mensch“, kommentiert William Shakespeare.

    Ich wünsche Ihnen einen stilvollen Tag.
    Herzliche Grüße
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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