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Morning Briefing Habecks digitale Überforderung

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Tech-Guru Jaron Lanier hat 2018 mit einem Büchlein gegen die Datenkraken aus den USA Aufsehen erregt: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst.“ Robert Habeck, populärer Chef der Grünen, brauchte jetzt für seinen persönlichen Löschtag nur zwei Gründe: Er konnte weder seine privaten Accounts noch seine eigene Sprache professionell sichern („Thüringen muss ein demokratisches Land werden.“). Da er über Bayern bereits ein ähnlich trübes Gebräu verzapft hat, schaltet er nun sich selbst in einem Akt fundamentaler Selbstkritik bei Twitter und Facebook ab. Vielleicht hat die offenkundige Überforderung auch damit zu tun, dass den Grünen Teams mit geeigneten Pikören fehlen, um Social Media wirklich zu beherrschen.

Die Prime Time des Fernsehens ist die persönliche Prime Time des Donald Trump. Das Metier kennt er aus seiner Showmaster-Lehrlingszeit bei „The Apprentice“. Folgerichtig hat der US-Präsident, nach Tagen innenpolitischer Gefechte, für heute Abend eine TV-Rede zur mexikanischen Mauer und zum Einfrieren des Staatshaushalts (Shutdown) angekündigt. CNN, sein Lieblingsfeind-Sender, hat bereits eingewilligt, die Ansprache zu übertragen. Die großen Kanäle ABC, CBS, Fox und NBC jedoch prüfen das teure Ansinnen erst einmal intensiv, schließlich werden Werbeeinnahmen ausfallen. Im Kapitalismus ist das Gesetz des Geldes nun einmal noch wichtiger als die Waffe Wort.

Quelle: dpa
Jim Yong Kim: Der amtierende Weltbank-Präsident tritt drei Jahre von Auslaufen seiner zweiten Amtszeit zurück.

Freuen wird sich Trump, dass er demnächst die Spitze der Weltbank neu besetzen kann – über dieses Privileg verfügen noch immer, zum Leidwesen von China und anderen Ländern, die Vereinigten Staaten. Der amtierende Weltbank-Präsident Jim Yong Kim, 59, tritt drei Jahre vor Auslaufen seiner zweiten Amtszeit zurück. Er wechselt in die Privatwirtschaft, zu einem Unternehmen, das sich um Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern kümmert. Unter anderem ist der scheidende Weltbanker kritisiert worden, weil eigene Projekte zu oft Natur und Mensch geschadet hätten.

Wenn man in einigen Jahren die Leistung der aktuellen Bundesregierung beurteilen will, die bekanntlich per Zangengeburt in die Welt kam, wird man sich fragen, was die Gewählten eigentlich gegen den Pflegenotstand getan haben. Womöglich wird man es „Skandal“ nennen, dass 2018 knapp 40.000 Pflegestellen in Deutschland unbesetzt blieben, wie neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, die uns exklusiv vorliegen. Fast 24.000 Vakanzen entfallen auf die Altenpflegedienste. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigt nun bei uns an, im Kampf gegen Pflegefachkräftemangel Mitte des Jahres nachzulegen: „Der Bedarf unserer älter werdenden Gesellschaft steigt stärker als die Zahl der Pflegekräfte.“

Ganz Frankreich schaut auf einen Prozess in Lyon, der gestern begann und morgen enden wird. Angeklagt sind mehrere Kirchenvertreter, darunter der Erzbischof der Rhone-Stadt. Sie hätten von Fällen sexuellen Missbrauchs gewusst und doch nichts dagegen unternommen. Die Opfer erwarten sich Bekenntnisse von Kardinal Philippe Barbarin, man wolle die Wahrheit über den „Mechanismus des Schweigens“ wissen, sagte ein Betroffener. Barbarins Anwälte sprechen von einem Schauprozess. „Die Wahrheit ist das Kind der Zeit, nicht der Autorität“, wusste Bertolt Brecht.

Quelle: dpa
Carsten Breitfeld: Der ehemalige BMW-Manager greift mit seinem Unternehmen Byton den Elektroautopionier Tesla an.

Sein Know-How erwarb er in München bei BMW, den späten Ruhm aber in China: Carsten Breitfeld verkündet in diesen Tagen nichts weniger als den Angriff auf Tesla und den US-Elektropionier Elon Musk. Die neuen Modelle seiner Byton-Autos, zum Beispiel „M-Byte“, sollen zu mieten und zu teilen sein. „Wir werden Kilometer verkaufen, keine Autos“, kündigt er im Handelsblatt an. Er sieht seine Firma als „Tor zu unseren Kunden, so wie der App-Store von Apple.“ Der Plan könnte aufgehen, immerhin sind die chinesischen Internetriesen Baidu und Tencent sowie Apple-Zulieferer Foxconn im Aktionärskreis.

Und dann ist da noch Oda Jaune, 39, Künstlerin und Witwe des Deutschland-Malers Jörg Immendorff, die um 70 Affen-Skulpturen ihres verstorbenen Mannes kämpft. Die Werke gehörten ihr und einer Schweizer Galerie, argumentiert sie vor dem Düsseldorfer Landgericht. 2015 war die Kohorte aus der Insolvenzmasse des Kunstberaters Helge Achenbach für rund 1,6 Millionen Euro verkauft worden. Diesen Verkaufserlös beanspruchen nun die Frau mit dem Künstlernamen „Gelb“ und die Galerie vom Insolvenzverwalter, den sie verklagt haben. Das Urteil soll heute kommen und könnte ein altes Immendorff-Zitat beinhalten: „Etwas ist schön, wenn es ehrlich ist.“

Ich wünsche Ihnen beides: einen ehrlichen und einen schönen Tag, weil im wirklichen Leben jenseits der Ateliers das nicht immer zusammenfällt. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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