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Morning Briefing Homeoffice, diesmal wegen Schnee

08.02.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn der Woche wird mehr über das Wetter geredet als über Corona. Für die Mitte Deutschlands sind Temperaturen von minus zehn Grad angesagt. Hier gab es am Sonntag 30 Zentimeter Neuschnee und meterhohe Verwehungen. Bahn- und Busverkehr kamen in vielen Regionen zum Stillstand, Straßen in Sachsen-Anhalt wurden gesperrt. Starke Einschränkungen sind auch für heute zu erwarten. Verkehrsminister Andreas Scheuer rät den vom Schneechaos Betroffenen kurzerhand, lieber zu Hause zu bleiben. Homeoffice wegen zu vieler Schneeflocken statt wegen zu vieler Coronaviren – eine ganz neue Perspektive für die Lockdown-Republik. >> Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn auch am Montag eingeschränkt

Quelle: ZB
In der Mitte Deutschlands gab es am Sonntag 30 Zentimeter Neuschnee und meterhohe Verwehungen.
(Foto: ZB)

In zwei Tagen, am nächsten Mittwoch, wird sich das Ritual der Covid-19-Konferenz von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten wiederholen. Diesmal mit ziemlicher Sicherheit ohne Teilnehmer, die am Handy daddeln. Im Vorfeld gibt es zwei Überbietungswettbewerbe: Die eine Fraktion will eine möglichst lange, taffe Viren-Eindämmungspolitik – wie gewohnt mit CSU-Chef Markus Söder an der Spitze, dem nun offenbar sogar einige Mitglieder seiner bayerischen Landtagsfraktion caesarenhaftes Verhalten attestieren.

Die andere Fraktion wird von Wirtschaftsverbänden angeführt, von der Möbelindustrie über die Gastronomie bis zum vereinigten Pkw-Wesen, die um Absatz und Arbeitsplätze fürchten. Den nötigen Realismus in diese Debatte führt Ludwig Veltmann ein, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandverbunds ZGV: „Ohne klare Öffnungsperspektive droht vielen Unternehmen jetzt das Ende. Denn die Reserven sind verbraucht, die Hilfsgelder fließen nur schleppend, und die Motivation ist am Boden.“

Sicher ist: Erst einmal geht es offiziell bis Mitte Februar weiter mit den Restriktionen, auch wenn Städte wie München unter die Inzidenzgrenze von 50 gerutscht sind. Ebenso sicher ist, dass einzelne Länder Öffnungskonzepte und Schlupflöcher finden werden. „Null Covid“ ist eine Parole für Interviews, keine für's Leben.

Dass es bald besser wird, fühlt immerhin der Bierbrauer Carlsberg. Die Nummer drei im Hopfen-und-Malz-Gott-erhalt’s-Geschäft geht von einem starken Boom im Sommer aus: einem Nachfrage-Anstieg wie im „Jazz Age“ der 1920er-Jahre. Jazz-Age-Apologet Francis Scott Fitzgerald konnte damals optimistisch sein: „Neue Freunde haben oft eine bessere Zeit zusammen als alte Freunde.“

Quelle: AUDI AG
Audi-Chef Duesmann will nicht, „dass der Verkauf unserer Fahrzeuge am Mangel an Ladestationen scheitert“.
(Foto: AUDI AG)

Ein kritischer Punkt aller Visionen für die Elektroauto-Republik Deutschland ist ein Netz von Ladestationen. Nachdem mehrere Autokonzerne als Gesellschafter von Ionity rund um Autobahnen aktiv geworden sind, will Audi jetzt im Verbund mit VW-Konzernschwester Porsche im größeren Maßstab loslegen. „Wir prüfen, ob wir eine eigene Premium-Ladeinfrastruktur in großen Städten aufbauen“, sagt CEO Markus Duesmann im Handelsblatt-Gespräch (Hier im Podcast): „Wir wollen nicht, dass der Verkauf unserer Fahrzeuge am Mangel an Ladestationen scheitert.“

Mehr als eine Milliarde Euro kostet das geplante Audi-Netz mit bis zu 300 Ladestationen. Das Geld steht bereit. Bei seinem vormaligen Arbeitgeber BMW hat Duesmann erlebt, wie eine hoffnungsvolle E-Offensive schnell an der nötigen Energie – gemessen in Euro – verlieren kann.

In der nächsten Woche will das Umweltbundesamt erklären, wie sauber die Luft in Deutschlands Großstädten geworden ist. Ein Ergebnis vorab: In weniger als zehn Städten wird inzwischen der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, beispielsweise in München, Hamburg und Stuttgart. 2018 waren 57 Großkommunen als Sünder aufgetreten, 2019 immerhin noch 25.

„Die NO2-Konzentrationen zeigen weiterhin einen Rückgang“, sagt uns eine Sprecherin des Umweltbundesamts. Das liegt für die Behörden weitgehend an emissionsärmeren neuen Automodellen und an Software-Updates bei Dieselkarossen – weniger an Modellversuchen mit einem kostenlosen Nahverkehr. In mehreren Städten haben wir nachgefragt, was aus solchen Projekten wurde.

Markige Sprüche wie „auf Sieg setzen“ sind eine Sache. Eine ganz andere Sache ist, auch wirklich den Sieg zu holen. Vor allem als politische Organisation, die einst „Volkspartei“ war und inzwischen nur noch von jedem sechsten Deutschen goutiert wird. Es handelt sich also um einen einbeinigen Seiltanz, über den die SPD heute auf ihrer Klausurtagung zum Superwahljahr 2021 redet. Das Tagungsmotto „Zukunft für Dich. Sozial. Digital. Klimaneutral.“ lässt nichts aus, was Olaf Scholz an aktuellen Stichworten einbringen kann. Als Kanzlerkandidat liegt er freilich in der Gewichtsklasse zwischen Peer Steinbrück und Martin Schulz.

Drei Dinge braucht der Wähler, das wusste die Partei schon in der Vergangenheit: einen charismatischen Marktplatzhelden (Brandt, Schmidt, Schröder), ein Modernitätsprogramm der Mitte und eine „Kampa“, die alles fixt. Noch fehlt es an allem.

Der Reichtum des Großherzogtums Luxemburg ist auch weiterhin der Reichtum einer florierenden Steueroase. Das legen Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, „Le Monde“ und anderen Medienpartnern nahe. Diese Folgerung ergibt sich aus dem eigentlich unter Verschluss gehaltenen Transparenzregister, das die involvierten Medien nun erst transparent gemacht haben. Die Bilanz: 250 Milliardäre führen Firmen in Luxemburg, 15.000 Investmentfonds sind dort registriert, mindestens 4600 Firmeneigentümer stammen aus Deutschland.

„OpenLux“ ist die Fortsetzung von „LuxLeaks“ und zeigt, wie Unternehmen über interne Kredite ihre Gewinne erst in das EU-Gründerland und dann in andere Off-Shore-Paradiese verschieben. Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament: Im Grunde macht Luxemburg so weiter, als hätte es keine Steuerskandale gegeben. Es tritt den europäischen Geist mit Füßen, wenn es andere EU-Länder um ihre Steuereinnahmen bringt.

Quelle: dpa
Die privaten Anwälte von Königin Elizabeth II. sollen vor mehr als 45 Jahren Einfluss auf die Gesetzgebung genommen haben.

Und dann ist da noch die weithin geachtete Queen Elizabeth II., gegen die die Zeitung „Guardian“ nach einem Gang ins Archiv schwere Vorwürfe erhebt. Es geht um die britische Einrichtung des „Queen‘s Consent“, wonach die Königin vorab Entwürfe zu einer bestimmten Art von Gesetzen erhält und diese für gut befinden soll. Dies sollen ihre privaten Anwälte vor mehr als 45 Jahren genutzt haben, um Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen – sodass ihr Besitz in Höhe von Hunderten Millionen Pfund unentdeckt blieb. Offenbar wurde in der Regierungszeit des konservativen Premiers Edward Heath ein Passus ins Gesetz über die Transparenz von Firmen eingefügt, wonach es eine Befreiung für solche Unternehmen gibt, die „heads of state“, also Staatsoberhäuptern, gehören. Ungeachtet solcher Enthüllungen werden die Engländer auch weiterhin singen: „God save the Queen!“

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Homeoffice, diesmal wegen Schnee"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sitzen wir nicht wegen Corona ohnehin seit 11+Monaten im Home-Office...

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