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Morning Briefing Insel der Glückseligen

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


die Deutschen können zufrieden auf das Jahr 2018 zurückblicken, es gibt viele Gründe zu feiern: Die Zahl der Arbeitslosen ist mit etwas mehr als zwei Millionen so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, mit 45 Millionen haben so viele Menschen wie noch nie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und obendrein schrumpft der Schuldenberg um 45 Milliarden Euro. Im Vergleich zu anderen Industrienationen – Italien, Frankreich, Großbritannien – wirkt Deutschland wie eine Insel der Glückseligen.

Das Ausland beneidet uns, doch hierzulande ist von Stolz und Zuversicht wenig zu spüren. In öffentlichen Debatten regieren Frust, Verzagtheit und Zukunftsangst. Dieselgate, Fahrverbote, Handelskrieg, Flüchtlingskrise und Altersarmut sind nur einige Stichworte, die die Diskussionen in diesem Jahr bestimmt haben. Die Nachricht, dass das US-Magazin „Forbes“ Angela Merkel zum achten Mal in Folge zur mächtigsten Frau der Welt gekürt hat, fand so gut wie keine Beachtung. Deutschland zelebriert den Selbstzweifel.

Quelle: dpa
SPD und CDU: Die Große Koalition hat das Selbstgespräch zum Markenkern ihrer Regierungsarbeit gemacht.

Das Ergebnis ist eine große Verunsicherung. Viele Menschen haben das Gefühl in einem Zeitalter der Überforderung zu leben. Globalisierung und Digitalisierung ändern die Regeln, nach denen wir leben und arbeiten – in einer Geschwindigkeit, bei der vielen schwindelig wird. Doch statt den Bürgern Halt und Orientierung zu geben, beschäftigt sich die Politik mit sich selbst. Die Große Koalition hat das Selbstgespräch zum Markenkern der Regierungsarbeit gemacht.

Das Umfragetief von Union und SPD kann die Verantwortlichen in den Parteizentralen nicht überraschen. Es ist dramatisch, aber irgendwie logisch. Vielleicht sollten Angela Merkel und Andrea Nahles in den freien Tagen um Weihnachten bei Willy Brandt nachschlagen: „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

Der Frage, wer in diesem Jahr überrascht und überzeugt hat, sind Hans-Jürgen Jakobs und ich in einem Podcast-Spezial nachgegangen. Im dritten und letzten Teil unseres Jahresrückblicks erfahren Sie die Antwort.

Überraschend ist auch das Interview, das meine Kollegen Peter Brors und Jürgen Flauger mit dem Multi-Aufsichtsrat Karl-Ludwig Kley geführt haben. In dem Gespräch zum Thema gute Unternehmensführung beklagt der frühere Merck-Chef, dass sich die meisten Manager gesellschaftspolitischen Debatten entziehen. „Der Vorstand eines Unternehmens hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich zu wesentlichen gesellschaftlichen Fragen zu äußern. Wer das nicht tut, füllt seinen Job nicht vollständig aus“, mahnt Kley. Pflichtlektüre für alle Unternehmenslenker, die nicht nur Geld verdienen, sondern auch Haltung zeigen wollen.

Quelle: Wieslaw Smetek
Deutsche Bahn: Der massive Geldschwund bei dem Staatskonzern lässt nichts Gutes ahnen.

Sollten Sie sich in den nächsten Tagen über unpünktliche und verspätete Züge ärgern, lesen Sie die aktuelle Handelsblatt-Titelgeschichte. Darin erfahren Sie, wie der Staatskonzern Bahn durch Missmanagement und politische Fehlplanung zu einem Sanierungsfall werden konnte. Die Recherche meines Kollegen Dieter Fockenbrock ist hochgradig präzise, aber wenig ermutigend: In den kommenden Jahren wird die Deutsche Bahn gut drei Milliarden Euro weniger Gewinn erzielen als geplant. Der massive Geldschwund lässt nichts Gutes ahnen.

Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass die Probleme von heute im neuen Jahr kleiner werden oder gar verschwinden. Was wir aber ändern können, ist unsere Haltung, unsere Sicht auf die Welt. Deutschland braucht nicht nur eine Kultur des Mutes, sondern auch eine Kultur der Zuversicht. Optimismus hat keinen abnehmenden Grenznutzen. Mark Twain wusste das: „Ich habe in meinem Leben schon unzählige Katastrophen durchlebt – die wenigsten davon sind eingetreten.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und für das neue Jahr viel Kraft, Gesundheit und Zuversicht. Am 2. Januar melden wir uns wieder zurück.

Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur


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