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Morning Briefing Iran und die Zeit der Lüge

13.01.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Iran und die USA haben in diesen dramatischen Stunden eines gemeinsam: Die Wahrheitsliebe, oder besser Lügenliebe, ihrer Regierungen steht zur Debatte. In Teheran begeben sich tausende Demonstranten in Gefahr, nachdem die Revolutionsgarden zugaben, ein ukrainisches Flugzeug versehentlich abgeschossen zu haben. 176 Menschen starben, tagelang hatte die Administration ein technisches Versagen imaginiert. Die Situation im Land ist so unerträglich, dass beispielsweise die Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh geflohen ist. Die einzige Iranerin, die bei Olympia je eine Medaille gewann, nennt sich „eine der Millionen unterdrückter Frauen“.

In den USA dementiert Verteidigungsminister Mark Esper unterdessen Donald Trumps Information, er habe Ghassem Soleimani töten lassen müssen, weil der iranische General den Angriff auf vier US-Botschaften geplant habe. Dafür, so Esper, sehe er keinen Beweis.

Public Relations ist manchmal Wahrheit auf Bestellung – und auf so etwas versteht sich Siemens-Chef Joe Kaeser. Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung gestern Abend bleibt er einerseits bei der vertraglich vereinbarten Lieferung einer Zugsignalanlage im Wert von 18 Millionen Euro für ein ökologisch bedenkliches Kohlebergwerk in Australien. Er wolle andererseits aber ein „wirksames Nachhaltigkeitsgremium“ installieren, um Umweltfragen künftig besser zu managen.

Klimaschützerin Luisa Neubauer spricht von einem „unentschuldbaren Fehler“: Sie hatte Kaesers spektakuläres Angebot, Aufsichtsrätin der neuen Siemens Energy zu werden, abgelehnt. Niemand wird dem CEO aus München vorwerfen können, er sei einfach nur an Kohle interessiert.

Quelle: dpa
Die Umstellung auf E-Autos gefährdet einer Studie zufolge rund 410.000 Jobs.

Dass Klimawandel sozial wehtut, legt ein Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) nahe, der heute vorgestellt wird und uns vorliegt. Danach sind in Deutschland durch die Umstellung auf E-Autos rund 410.000 Jobs gefährdet, allein bei Motoren und Getrieben könnten bis zu 88.000 Stellen wegfallen.

Eine NPM-Arbeitsgruppe unter IG-Metall-Chef Jörg Hofmann fordert deshalb – zwei Tage vor dem Autogipfel – eine strategische Personalplanung der Firmen sowie regionale Qualifizierungszentren. Der Verband der Automobilindustrie warnt dagegen vor Schwarzmalerei und kritisiert das Studienszenario: Es gehe irrigerweise davon aus, dass bis 2030 hierzulande kaum E-Fahrzeuge und Batteriezellen produziert würden. Es gilt Karl Jaspers: „Die Zukunft ist als Raum der Möglichkeiten der Raum unserer Freiheit.“

Bahnfahren ist besser fürs Klima, aber womöglich schlechter für Geschäftstermine. Wer von Frankfurt nach Stuttgart oder Berlin reist, muss mit Pünktlichkeitswerten zwischen 60 und 70 Prozent vorliebnehmen. Auf der Highspeed-Strecke von Köln nach Frankfurt fiel ein beschämender Wert von nur 62,7 Prozent an. Diese von uns ermittelten Angaben für beliebte Strecken kontrastieren stark mit der Deutsche-Bahn-Verbraucherlyrik, wonach nur ein Viertel der Züge unpünktlich sein soll (Gesamtquote für 2019: 75,9 Prozent). Auch Passagiere, deren Züge in Berlin, Hamburg oder München starten, können nicht aufatmen: 15 bis 20 Prozent aller Fernzüge starten zu spät. Zügig fahren und Zug fahren ist nicht immer dasselbe.

An diesem Montag soll das EU-Mitglied Malta tatsächlich die Schmäh-Kategorie eines europäischen „Bananen-Staats“ verlassen. Dann nämlich wird der Jurist Robert Abela – gestern zum Chef der regierenden Labour-Partei gewählt – auch zum neuen Ministerpräsidenten vereidigt. Es endet die Zeit des bisherigen Regierungschefs Joseph Muscat und seiner der Korruption beschuldigten Vertrauten. Dieses Syndikat war von der mit einer Autobombe in den Tod beförderten Journalistin Daphne Caruana Galizia empfindlich gestört worden. Abela muss nun das Kunststück fertigbringen, sich von Muscat zu distanzieren und seine Anhänger doch in die Regierungsarbeit einzubinden.

Frankreich macht Ernst gegen Google, Amazon, Facebook und Apple, der amerikanischen „Gafa“-Fraktion. Die Dominanz einiger weniger Tech-Giganten über die Art, wie Menschen kommunizieren, sich informieren oder interagieren, fordere die Öffentlichkeit und die Nationalstaaten heraus, erklärt Digitalminister Cédric O. Es gehe um eine adäquate Regulierung von Internet und Technologie. Auch bleibe es, so der Minister, in seinem Land garantiert bei der angekündigten Drei-Prozent-Steuer auf alle Umsätze von „Gafa“ in Frankreich. In Paris lässt man sich offenbar nicht von avisierten US-Gegenmaßnahmen einschüchtern, zu denen Zölle von bis zu 100 Prozent auf Champagner, Käse und andere Güter des täglichen Savoir-vivre gehören. Das ist die Geschichte des O.

Quelle: AP
Prinz Harry kommt mit Queen Elisabeth II. zur Krisensitzung zusammen, Herzogin Meghan schaltet sich wahrscheinlich zu
(Foto: AP)

Zur Krisensitzung bittet Queen Elizabeth II. heute auf ihren Landsitz Sandringham in der Grafschaft Norfolk. Anwesend sein wird ihr Enkel Prinz Harry, der zusammen mit Herzogin Meghan („The Sussexes“) in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verkündet hat, als „Senior Royals“ zurückzutreten und künftig in finanzieller Unabhängigkeit öfter in Nordamerika zu weilen. Dort droht auch ein TV-Interview der beiden, das mit der goldenen Regel „Never complain, never explain“ brechen würde. An dem Sandringham-Meeting nehmen auch Prinz Charles und Prinz William teil, Meghan schaltet sich womöglich aus Kanada zu. Es geht um die neue Rolle und die Sicherheit des abtrünnigen Paares, das nicht mehr mit „Königliche Hoheit“ angeredet werden darf. Die verärgerte Queen wird sich auch mit Shakespeare kaum trösten können: „Verliebte laufen stets der Uhr voraus.“

Und dann ist da noch Deutschlands größte Burger-Kette „Hans im Glück“, die alles für einen Verkauf tut, bevor sie noch zum „Hans im Unglück“ wird. Aufgrund akuter Finanzprobleme kann Gründer Thomas Hirschberger nach unseren Erkenntnissen bei einem geglückten Abschluss kaum mit viel Erlös rechnen: Er verhandelt mit den Gründern der Bäckereikette „Backwerk“. Laut dem Protokoll einer Gesellschafterversammlung aus dem September wollte Hirschberger damals einen „strukturierten M&A-Prozess“ einleiten: „Es besteht Einigkeit, dass eine Veränderung eintreten muss. Die Liquiditätssituation ist kritisch.“ Die Werbeaussage „Glück ist ein Geschenk“ darf man bei dem möglichen Deal nicht allzu wörtlich nehmen.

Ich wünsche Ihnen einen wirklich glücklichen Start in die Woche und natürlich ein gutes Händchen für Geschäfte. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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