Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Joe Bidens rote Linien für Putin

16.06.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

den Höhepunkt seiner Europa-Reise erlebt US-Präsident Joe Biden heute in Genf: Er trifft auf Russlands Potentaten Wladimir Putin. Ein tendenzielles „Abkumpeln“ wie mit Bidens Vorgänger wird es nicht geben, darauf deuten die aggressiven Töne aus beiden Lagern in den vorigen Monaten hin. Biden hielt seinen Gesprächspartner sogar für einen „Killer“. Nun will er „rote Linien“ aufzeigen: „Wir werden antworten, wenn Russland seine schädlichen Aktivitäten fortsetzt.“

Putin wiederum hat mit seiner staubtrockenen Analyse sicher recht, wonach die bilaterale Beziehung in den letzten Jahren ihren Tiefpunkt erreicht hat. Wer Alexander Puschkin liest, könnte trotzdem Hoffnung haben: „Es ist besser, tausend Träume geträumt zu haben, die nie Wirklichkeit wurden, als nie geträumt zu haben.“

Grafik

Doch jenseits von „Joe Time“ bauen sich längst neue Konflikte auf. So macht der US-Lobbyverband „Computer & Communications Industry Association“ (CCIA) – in dem Facebook, Google und Amazon organisiert sind – aufgekratzt Stimmung gegen die EU. Man warnt im Kolonialisten-Stil vor „neuen Handelsspannungen“, wenn Brüssel weiter macht mit dem „Digital Markets Act“, der kleine Firmen auf den Plattformen der US-Giganten schützen will.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In einem CCIA-Papier, das uns vorliegt, ist sogar von Sorgen über „erzwungenen Technologietransfer“ nach dem Vorbild Chinas die Rede. Vielleicht sollten die Lobbyisten einfach vor der eigenen Haustür nachschauen: Ausgerechnet die Big-Tech-Kritikerin Lina Khan wird künftig die US-Wettbewerbsbehörde FTC leiten.

    Der Wirecard-Skandal drückt den als Papiertigern aufgefallenen Wirtschaftsprüfern von EY aufs Gemüt. Zum Imageschaden gesellen sich hier handfeste Geschäftseinbußen. Nach unseren Berechnungen drohen bis zu 100 Millionen Euro Erlöse verlustig zu gehen – weil Kunden fest verabredete Aufträge wieder stornieren oder überdenken. Hinzu kommen hohe Justizkosten im deutlich zweistelligen Millionenbereich. Bei der Staatsanwaltschaft München sind inzwischen jede Menge Anzeigen gegen Abschlussprüfer und Mitglieder der EY-Geschäftsführung eingegangen, stellt unser Titelkomplex heraus.

    EY weist alle Vorwürfe zu Prüfungsfehlern strikt zurück, zeigt sich aber selbstkritisch. „Der schmutzige Fleck wird Jahrzehnte auf EY lasten“, glaubt Hansrudi Lenz, Professor der Wirtschaftsprüfung an der Würzburger Universität.

    Quelle: Imago, M
    Ottmar Edenhofer ist Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der TU Berlin.
    (Foto: Imago, M)

    In der CO2-Debatte geht es zwischen den Parteien im Bundestagswahlkampf hoch her. Es sei eine „Debatte der falschen Alternativen“, findet Ottmar Edenhofer. Der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung führt im Handelsblatt-Gastkommentar – aus seiner Sicht – einige Irrtümer an.

    • Irrtum eins: Autos sind effizienter und emittieren weniger Schadstoff. Edenhofer führt an, sie seien aber zugleich auch schwerer geworden, außerdem seien die Menschen mehr mit dem Pkw unterwegs gewesen.
    • Irrtum zwei: Ein hoher CO2-Preis vertieft die soziale Spaltung. Durch eine flankierende Entlastung der Bürgerinnen und Bürger ließe sich das vermeiden, lautet die Antwort des Klimaforschers.
    • Irrtum drei: Die Statistik muss nicht beachtet werden. Die Empirie habe in der öffentlichen Debatte „einen schweren Stand gegenüber der anekdotischen Evidenz“, spöttelt der Autor dagegen – schließlich würden viele Abgeordnete in ihren Wahlkreisen Ölheizungsbesitzer, Pendler und Menschen aus schlecht gedämmten Häusern kennen.
    • Irrtum vier: Eine Klimadividende bevorteilt die obere Mittelschicht. Tatsächlich zeige eine eigene Analyse, so Edenhofer, dass die einkommensschwächsten Haushalte am stärksten von einer Pro-Kopf-Rückerstattung profitieren würden.
    • Irrtum fünf: Die EEG-Umlage bringt nichts. Der Institutsdirektor schreibt dagegen, man müsse sie nur mit den Erlösen aus der CO2-Bepreisung finanzieren und den Strompreis entsprechend senken.
    • Irrtum sechs: Eine Umlage auf Vermieter im Gebäudesektor sorgt für eine sozial ausgewogene Energiewende. Laut Edenhofer ist das verteilungspolitisch ineffizient, bewirke aber viel Streit.
    • Irrtum sieben: Die Anhebung der Pendlerpauschale hilft Einkommensschwachen auf dem Land. Tatsächlich seien am ehesten Mittel- und Vielverdiener die Profiteure, da sie öfter Fernpendler sind, schreibt der Klimaforscher.

    Das Fazit des streitbaren Wissenschaftlers: „Die Wähler haben bessere Argumente verdient, als jene, die in den letzten Wochen zum CO2-Preis zu hören waren.

    Ende März hatte die Vereinigung der Intensivmediziner (DIVI), ein großes Publikum: die ganze Nation. Verängstigt hörten die Deutschen, dass es für die Behandlung von Covid-Kranken auf Intensivstationen an Betten fehle, man renne „sehenden Auges ins Verderben“. Eilig beschloss das Parlament die „Bundes-Notbremse“. Nun stellt sich heraus, dass die Krankenhäuser aus kommerziellen Gründen einfach zu wenige Intensivbetten gemeldet hatten – das Robert-Koch-Institut warnte die Regierung schon im Januar deswegen.

    Nordrhein-Westfalen und Hessen ermitteln inzwischen, ob Betrug vorliegt. Die Düsseldorfer Landesregierung erklärte gegenüber „Bild“, man führe eine „Überprüfung auffälliger Meldewerte“ durch, um „systematisches Fehlverhalten“ einzelner Krankenhäuser aufzudecken.

    Quelle: AP
    MacKenzie Scott, die Ex-Frau von Amazon-Gründer Jeff Bezos, hat 2,7 Milliarden Dollar gespendet.
    (Foto: AP)

    Man kann lange Reden über Moral halten, in Davos zur Weltrettung aufrufen oder sich einfach zum Gemeinwohl von einem Überfluss an Geld trennen. Nach eigenen Angaben hat MacKenzie Scott, superreich geworden durch die Scheidung von Amazon-Gründer Jeff Bezos, jetzt 2,7 Milliarden Dollar an 286 gemeinnützige Organisationen gespendet. Darunter seien einige, „die in der Vergangenheit unterfinanziert und übersehen wurden“, sagt die 51-Jährige. Sie hatte im Dezember bereits 4,2 Milliarden an soziale Organisationen gegeben.

    Offenbar fühlt sich MacKenzie Scott, inzwischen mit einem Lehrer verheiratet, durch das Loslassen von Geldscheinen so frei, dass sie ihren „Peers“ Rat gibt: „Hören Sie auf, jedes Wochenende zu arbeiten. Und schlafen Sie ein bisschen.“

    So ganz ist das World Wide Web nicht geworden, was sich sein Erfinder Tim Berners-Lee darunter vorgestellt hat. Statt einer urdemokratischen Aufklärungs-Infrastruktur wurde es zur globalen Spielwiese von Tech-Giganten, die Gewinne wie im Drogenhandel machen. Der von dem Briten erfundene Code ist längst öffentlicher Standard, aber nun gibt es seine Originalzeilen mit der Grundsprache des Internets bei Sotheby’s zu ersteigern. Der Käufer kann sich zusätzlich zum Code über einen Brief von Berners-Lee sowie über ein digitales Poster mit der Unterschrift von „Mister Web“ freuen.

    Und dann ist da noch der Fußballer Mats Hummels, der bei seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft ein spektakuläres Eigentor fabrizierte. So gewann das haushoch überlegene französische Team bei der Europameisterschaft mit 1:0. Hummels hatte noch Glück, dass es für sein Foul am Wunderstürmer Mbappé im eigenen Strafraum keinen Elfmeter gab. Die Abschiedsvorstellung des scheidenden, zuletzt erfolglosen Trainers Joachim Löw könnte für alle bitter enden, die an einen Turniererfolg glauben.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren:

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    Mehr zu: Morning Briefing - Joe Bidens rote Linien für Putin
    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Joe Bidens rote Linien für Putin"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es nervt schon langsam mit den "roten Linien". Der Präsident einer Militärdiktatur sieht die Vorherrschaft seines Landes schwinden und versucht nun mit Gewalt, daran festzuhalten. Natürlich hat Russland schon längst begriffen, dass der Westen keine Annäherung, sondern einen "Regimechange" mit allen Mitteln (Hybrider Krieg, inkl. Wirtschafts- und Medienkriege) und die Zerschlagung des Riesenlandes will. Aus der Gewissheit heraus kann Russland nun ungehemmt agieren.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%