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Morning Briefing Johnsons doppelte Niederlage

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein Foto hat die Niederlagen des Boris Johnson frühzeitig symbolisiert. Es zeigt seinen konservativen Gefolgsmann Jacob Rees-Mogg, ein Lümmel von der ersten Bank, der während der Parlamentsdebatte am Dienstagnachmittag ein Nickerchen machte und mit seiner Körperhaltung den Verlauf der abstürzenden Pfund-Kurve gut wiedergab, wie es sofort in Blogs hieß. Premier Johnson verlor dann alle Abstimmungen – die über einen möglichen Brexit ohne Vertrag mit der EU genauso wie die über Neuwahlen am 15. Oktober. Die Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlte er glatt. Der Regierungschef ist der erste Premier seit 1894, der die erste Wahl im Unterhaus verloren hat. Aus „Magic Johnson“ wurde „Tragic Johnson“.

Das Positive tritt in einem Land zutage, das noch vor kurzem als Ausbund des Negativen verschrien war: Italien. Nun aber steigen in Rom mit der neuen linkspopulistischen Regierung etliche Minister mit Kompetenz auf: Für den lautsprecherischen Innenminister Matteo Salvini kommt Luciana Lamorgese, einst Präfektin von Mailand. Und vor allem nimmt der im Europaparlament sehr geschätzte Sozialdemokrat Roberto Gualtieri den wichtigen Job als Schatz- und Finanzminister wahr. Schließlich: Der alte und neue Premier Giuseppe Conte kann ohne Stellvertreter freier aufspielen und sich mit Aristoteles motivieren: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“

Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
Im Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) warnt Blackrock-Chef Larry Fink vor Negativzinsen.
(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Der Banken-Gipfel des Handelsblatts ist eine traditionelle Frankfurter Runde. Ungewöhnlich, dass sie zu einer Art Tribunal wird – aber diesmal war es soweit. Die breite Kritik galt der Europäischen Zentralbank (EZB), die nächste Woche wohl noch negativere Zinsen beschließen wird. „Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem“, warnt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Und Larry Fink, als Chef und Gründer des weltgrößten Asset-Managers Blackrock der ungewählte Präsident der Finanzgemeinde, hat eine enorme Angst: dass via Geldpolitik die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer wird. Der Mann fordert mehr staatliche Investitionen in Deutschland. Den Gipfel der Finanz-CEOs dokumentieren wir auf acht Zeitungsseiten.

Nach vielen Jahren widersprüchlicher Strategiekonzepte macht Thyssen-Krupp jetzt einfach das, was der renitente Gesellschafter Cevian schon immer gefordert hat: die rentable Aufzugsparte verkaufen. CEO Guido Kerkhoff holt Angebote potenzieller Käufer ein. Der bislang propagierte Börsengang wird immer unwahrscheinlicher. Experten schätzen den Wert des eigenen Aufzugsgeschäfts auf 17 Milliarden Euro – das ist doppelt so viel wie der aktuelle Börsenwert des gesamten Essener Konzerns, der jetzt aus dem Dax fliegt und dort Platz für MTU Aero Engines macht. Mal sehen, ob der von Cevian favorisierte finnische Konzern Kone auch den Zuschlag in Essen erhält.

365 Tage hat das Jahr und genau 365 Euro für diese Zeit soll das neue Wunder-Papier der SPD kosten – ein Jahresticket mit Flatrate für den öffentlichen Nahverkehr. Die Kundenkosten für Bus und Bahn sollen rapide fallen, alle sollen „flächendeckend zu bezahlbaren Preisen, egal ob in der Großstadt oder auf dem Land unterwegs sein können“, steht in einer Klimaschutz-Vorlage der SPD-Bundestagsfraktion. Ein solches Sorglos-Ticket hat Wien 2012 erfolgreich eingeführt – der Nahverkehr ist dort neben moderaten Mietpreisen und dem großen Kulturangebot Hauptgrund für viele Wertschätzungen. Der renommierte „Economist“ hat die Donau-Metropole sogar erneut als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet.

Quelle: Bloomberg
Für China prophezeit der Historiker eine Ein-Parteien-Diktatur – und eine politische Krise.
(Foto: Bloomberg)

Noch mehr Konflikte sieht Star-Historiker Niall Ferguson im Verhältnis zwischen den USA und China heraufziehen. Er glaube, „dass wir uns auf einen langen Kalten Krieg auf vielen Ebenen einrichten müssen“, heißt es im Handelsblatt-Interview. Er befürworte das sogar, „damit die USA sich wirtschaftlich aufraffen, investieren und dann bei der 6G-Technologie wieder führend sind“. Ferguson sieht im Übrigen schwarz für China: Es sei nicht plausibel, „dass ein Einparteienstaat, der sich auf kommunistische Institutionen aus dem 20. Jahrhundert stützt, in der vernetzten Welt von heute dauerhaft überleben kann.“

Ferguson redet von 6G, Deutschland noch von 5G. Die neue Mobilfunkgeneration soll die Digitalisierung beschleunigen, etwa für Industrie 4.0. Über den aktuellen Stand von 5G, über Anwendungen, Pilotprojekte und Innovation, reden wir am 27. September in Berlin mit Minister Andreas Scheuer (CSU) und vielen Top-Entscheidern. Chefredakteur Sven Afhüppe eröffnet die Veranstaltung, meine Kollegen Ina Karabasz und Stephan Scheuer moderieren. Ich habe eine Handvoll Karten für Sie reserviert: [email protected]. Das Los entscheidet.

Wenn bayerische Ministerpräsidenten Großes vorhaben, ruft der Berg. Dann fahren sie auf Deutschlands bekannteste Erhebung, die Zugspitze. Schon 2006 zeigte sich Edmund Stoiber hier – anläßlich des ersten „Klimagipfels“ – im Trachtenanzug vor damals schon schmelzendem Gletscher. Die CSU hat immer weiterregiert, aber umwelttechnisch passierte wenig. Nun war gestern Markus Söder wieder auf dem Gipfel, um für Klimaschutz zu werben und für ein 20-Seiten-Papier, das der Parteivorstand am Wochenende verabschiedet. Der gereifte Söder spricht von einer „Jahrhundertaufgabe“. Denn aus dem Eis, über das er sich 2008 als Umweltminister bewegte, ist längst eine Gerölllandschaft geworden.

Und dann ist da noch Thomas Röttgermann, seit Mitte April Chef von Fortuna Düsseldorf, der mit einigen Nebentätigkeiten auffällt. Interne Unterlagen zeigen, dass er in den ersten Wochen ziemlich klandestin den Start einer Fußball-App („MySport“) förderte, über die Fans direkt zu Bewegtbildern in TV und Internet gelangen. Es gab intensive Gespräche mit ProSiebenSat.1. Noch merkwürdiger ist, dass zwei Top-Vertreter rivalisierender Bundesliga-Klubs mit von der Partie sind: Ingo Schiller, Finanzchef von Hertha BSC, sowie Felix Welling, Entwicklungschef bei VfL Wolfsburg. Röttgermann dementiert Interessenkonflikte – und hat sich für 2020 die Dienste des Wolfsburgers Welling gesichert.

Ich wünsche Ihnen einen durch und durch produktiven Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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