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Morning Briefing Kahlschlag bei Airbus

01.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

heute beginnt das zweite Halbjahr. Wenn Sie ein paar sichere Voraussagen wollen, bitte sehr: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird deutlich anziehen, was nach dem Corona-Schock logisch ist. Donald Trump wird die Frequenz seiner Beleidigungen noch erheblich steigern, um die Präsidentschaftswahlen im November zu gewinnen – wobei er nach Informationen aus dem Weißen Haus sogar schon die neue EU-Ratspräsidentin Angela Merkel am Telefon als „dumm“ bezeichnet und sie beschuldigt haben soll, „unter dem Einfluss der Russen zu stehen“. Der neue Held der Transformation ist der Insolvenzverwalter. Und wir werden entdecken, dass Homeoffice und Slack und Zoom nicht alles sind, und uns fragen, wie wir uns wenigstens ab und an wieder im Büro stimulieren können. Inspirieren geht vor transpirieren.

Quelle: Reuters
Airbus-CEO Guillaume Faury verteidigt den umfangreichsten Jobabbau in der Geschichte des Unternehmens.

Wie ein Torero fühlt sich Guillaume Faury bei Airbus: „Wir packen den Stier bei den Hörnern und sehen Unterstützung für unser Vorgehen seitens der europäischen Regierungen.“ So verteidigt der CEO den größten Jobabbau in der Geschichte des Flugzeugbauers: minus 15.000 Stellen, davon allein 5100 in Deutschland und 5000 in Frankreich. Das um 40 Prozent eingebrochene Geschäft reicht nicht mehr aus, um die bisherigen 90.000 Stellen zu finanzieren. Präsident Emmanuel Macron hatte zuletzt noch ein 15-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die Branche avisiert – nun kritisiert sein Wirtschaftsministerium den Kahlschlag von Torero Faury als „exzessiv“. Wir erinnern uns, dass der Schriftsteller Paul Ingendaay einen Stierkampf als Metapher für das Leben bezeichnet hat: „Jeden kann es erwischen, doch Stil kann dabei nicht schaden.“

Alles schien so schön ausgehandelt: Aus für die Braun- und Steinkohle in Deutschland, zu beschließen morgen im Bundestag und am Freitag im Bundesrat, dann Vertrag mit den betroffenen Energiefirmen. Eine aber stellt sich schon jetzt quer: EnBW aus Karlsruhe. Man wolle den Kontrakt nicht unterzeichnen, teilt der Konzern mit, da ein Rechtsrisiko bestehe. EnBW stört sich daran, dass mögliche Entschädigungsansprüche von Lieferanten – wie von Mibrag bei Braunkohle – gesetzlich nicht ausgeschlossen werden. Diese komplizierte Geschichte, das steht fest, geht in die Verlängerung.

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    Corona hat viele Macher und Märkte blockiert, nicht aber die Dynamisierung des Mindestlohns. Bis zum 1. Juli 2022, also in genau zwei Jahren, steigt er in vier Stufen von jetzt 9,35 Euro auf 10,45 Euro. Das beschloss die zuständige Kommission aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Wissenschaftlern. Es ist ein klassischer Kompromiss: Die Firmenvertreter haben vor zu hohen Kosten, die Arbeitnehmer-Vertreter vor zu viel Laxheit in der Lohnfindung gewarnt. Die große Katastrophe jedenfalls, die einige Ökonomen mit dem Mindestlohn aufziehen sahen, wird sich auch mit 1,10 Euro mehr in der Stunde nicht einstellen.

    Quelle: Reuters
    Clemens Tönnies hört nach 19 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats von Schalke 04 auf.

    Im gestrigen Weckdienst wurden Sie schon darauf eingestimmt, jetzt ist das vorher schier Undenkbare passiert: Nach 19 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats von Schalke 04 hört Schlachtunternehmer Clemens Tönnies dort tatsächlich auf. Vorwürfe wegen Rassismus sowie der Covid-19-Ausbruch im heimischen ostwestfälischen Schlachthof bedeuteten: Es war genau ein Skandal zu viel. Auf Schalke steht nun eine Revolution an, die Fußball-Abteilung soll in eine Genossenschaft umgewandelt werden, ganz Malocher- und Kumpelklub. Tönnies’ Sponsorbeitrag („Böklunder Wurst“) ist bis 2022 vertraglich gesichert und soll vorerst bestehen bleiben, ebenso wie die Liaison mit Gazprom aus Russland, wohin Tönnies exquisite Beziehungen hat. Der eigentliche Clou aber ist eine nordrhein-westfälische Landesbürgschaft über knapp 40 Millionen Euro – erst mit dieser Sicherheit auf Papier und mit Armin Laschet im Rücken sind zwei Banken bereit, dem bisherigen Finanzabenteuerspielplatz Schalke Geld zu leihen.

    Schon im Jahr 2017 war Wirecard nach eigenem Selbstverständnis eine ganz fabelhafte Nummer. Man diene mit der Abwicklung digitaler Zahlungen 33.000 großen und mittleren Firmen sowie 170.000 kleinen Geschäften, trommelte die hauseigene Propaganda. Eine interne „Customer List“ aus dieser Zeit, die die „Financial Times“ einsehen konnte, spricht jedoch eine andere Sprache: Danach sorgten gerade mal 100 Kunden für mehr als 50 Prozent der Umsätze. Rund 40 Prozent der Klienten dagegen zahlten weniger als einen Euro. In dieser Firma hatte die Zukunftsstrategie einen einprägsamen Namen: „Fata Morgana“, inzwischen auch „Data Morgana“ genannt.

    Aufbruch nach Ausbruch: Welche Perspektiven bieten sich Unternehmen aktuell? Welche Lehren aus der Finanzkrise 2008 helfen jetzt? Diskutieren Sie in unserem Live-Streaming-Event „Mit Schwung aus der Krise“ heute um 17.30 Uhr unter anderem mit KfW-Vorständin Ingrid Hengster, Staatssekretär Jörg Kukies aus dem Bundesfinanzministerium, Sanierungs-Ass Arndt Geiwitz und Alexander Sixt, Mitglied des Vorstands der Sixt SE. Wenn Sie auf der von meiner Kollegin Kirsten Ludowig moderierten Veranstaltung Fragen stellen wollen, lassen Sie es mich wissen.

    Quelle: Adidas Group
    Karen Parkin soll Rassismus bei Adidas als unbedeutend und die Debatte darum als „Lärm“ bezeichnet haben.

    Und dann ist da noch Karen Parkin, als Frau in einem Dax-Vorstand eine Rarität – und doch nicht mehr tragbar. Nach fast 25 Jahren im Dienst von Adidas muss die Personalchefin gehen, weil sie einem beschleunigten Wandel im Wege stehe, wie es offiziell heißt. Es gehe jetzt darum, den Sportartikelanbieter „zu einem noch vielfältigeren und inklusiveren Unternehmen weiterzuentwickeln“, stanzt CEO Kasper Rorsted. Der Vielseitigkeitsmanager macht den Job von Parkin erst mal einfach mit. Im Zuge der George-Floyd-Proteste war das maskulin und weiß geprägte Adidas-Management gedrängt worden, sich klarer zu positionieren. Parkin soll früher Rassismus bei Adidas als unbedeutend und die Debatte darum als „Lärm“ klassifiziert haben. Nun befindet sie in stalinistischer Büßer-Manie: „Um das Unternehmen zu einen, ist es besser, wenn ich mich zurückziehe.“

    Ich wünsche Ihnen Eintracht und Harmonie an diesem Sommertag. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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