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Morning Briefing Kehrtwende in der Dieselaffäre

03.01.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das neue Jahr beginnt mit einer guten Nachricht für viele Volkswagen-Kunden. Der Wolfsburger Autokonzern hat sich mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband geeinigt, Gespräche über einen möglichen Vergleich aufzunehmen. Während Volkswagen in den Vereinigten Staaten Milliarden für die Entschädigung von Besitzern manipulierter Diesel-Fahrzeuge gezahlt hat, hatte der Konzern einen solchen Schritt in Deutschland bisher vehement abgelehnt. Offenbar gilt auch bei VW die Weisheit: „Es ist besser, auf halbem Wege umzukehren, als auf dem falschen Weg zu bleiben.“

Quelle: Reuters
Volkswagen hat sich mit der Verbraucherzentrale Bundesverband geeinigt, Gespräche über einen möglichen Vergleich aufzunehmen.

In welchem Umfang die mehr als 400.000 Diesel-Kunden, die sich einer Sammelklage angeschlossen haben, mit einer Entschädigung rechnen können, ist noch unklar. Volkswagen betonte, dass sich die Gespräche in einem sehr frühen Stadium befänden. Fakt ist, dass das neu geschaffene Instrument der Musterfeststellungsklage den nötigen Druck auf das Management in Wolfsburg entfaltet hat. Bei aller berechtigten Kritik an der Großen Koalition – dieses Gesetz steht stellvertretend für die guten Momente der Regierung.

Die Konjunktur trübt sich ein, viele Unternehmen haben Stellenstreichungen angekündigt oder bereits umgesetzt, doch der deutsche Arbeitsmarkt bleibt weiter robust. Die Zahl der Beschäftigten ist im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 45,3 Millionen gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mittlerweile hält der Anstieg der Beschäftigung seit 14 Jahren an. Auch ohne ein deutsches Amazon, Google oder Facebook ist die deutsche Wirtschaft eine verlässliche Job-Maschine.

Die Zahlen könnten sogar noch besser ausfallen, wenn nicht gleichzeitig die Zahl der Selbstständigen geschrumpft wäre. Im vergangenen Jahr zählten die Statistiker nur noch 4,15 Millionen Selbstständige – 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Große Koalition sollte sich dringend überlegen, wie sie diesen Negativtrend stoppt und die Voraussetzungen für erfolgreiches Unternehmertum in Deutschland verbessert. Weniger Bürokratie und ein besserer Zugang zu Wagniskapital wären schon mal ein Anfang.

Österreichs neues Regierungsduo, Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vize-Kanzler Werner Kogler (Grüne), haben einen eindrucksvollen Koalitionsvertrag vorgelegt. Österreich will nicht nur in Sachen Klimapolitik Vorreiter in Europa sein (bis 2030 soll der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommen, bis 2040 soll Österreich klimaneutral sein), auch die Bürger sollen über einen höheren Familienbonus und eine Steuerreform entlastet werden. Österreich ist nicht Deutschland, aber die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie im Wiener Koalitionsvertrag könnte Vorbild für eine schwarz-grüne Bundesregierung in Deutschland sein – wann auch immer.

Über den Wirtschaftsstandort Deutschland macht sich Grünen-Chef Robert Habeck bereits intensiv Gedanken. „Noch feiert sich Deutschland als Exportweltmeister mit Rekordbeschäftigung und ausgeglichenem Haushalt. Aber das Fundament, auf dem das fußt, ist rissig“, schreibt Habeck zusammen mit Danyal Bayaz, dem Chef des Wirtschaftsbeirats der Grünen, im Gastbeitrag für das Handelsblatt. Die nächste Dekade müsse im Zeichen der Modernisierung der Infrastruktur stehen. Habecks Ziel ist nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, ihm geht es auch um den politischen Erfolg der Grünen. Das muss kein Widerspruch sein.

Quelle: Reuters
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor den Folgen digitalen Zentralbankgeldes.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor den Folgen digitalen Zentralbankgeldes. „Ich halte nichts davon, immer gleich nach dem Staat zu rufen. In einer Marktwirtschaft ist es zunächst an den Unternehmen, für Kundenwünsche ein entsprechendes Angebot zu entwickeln“, sagte Weidmann im Interview mit dem Handelsblatt. Er reagierte damit auf die Diskussion, als Antwort auf private Zahlungsmittel wie Bitcoins oder die geplante Facebook-Währung Libra einen digitalen Euro zu schaffen. In die Debatte hatte sich auch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde eingeschaltet – und Offenheit für das Thema erkennen lassen. Lagarde weiß nun, was ihr Vorgänger Mario Draghi während seiner Amtszeit immer wieder erkennen musste: Jens Weidmann ist ein kluger wie unbequemer Bundesbank-Präsident.

Bevor Sie Pläne schmieden, wo und wie Sie Ihr Geld anlegen, sollten Sie den Text von Handelsblatt-Börsenexperte Ulf Sommer über die fünf häufigsten Börsenfehler lesen. Fehler 1: Das Risiko zu hoch einschätzen. Fehler 2: Im Boom kaufen, im Crash verkaufen. Fehler 3: Auf wenige Einzelwerte fokussieren. Fehler 4: Niedrige Umsätze mit düsteren Perspektiven verbinden. Fehler 5: Den Tagesnachrichten hinterherlaufen. Oder mit den Worten von Börsen-Guru André Kostolany: „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten gibt – oder umgekehrt.

Handelskrieg, Brexit, Künstliche Intelligenz, Krise der westlichen Demokratien – die Herausforderungen für das Jahr 2020 sind gewaltig. Die Handelsblatt-Titelgeschichte „Macher, Visionen, Risiken“ beschreibt auf 14 Seiten, worauf es im neuen Jahr ankommt. Wenn man den Umfragen traut, blicken viele Deutsche pessimistisch in die Zukunft. Wir beim Handelsblatt sind und bleiben Optimisten. Für uns gilt der Satz: „Zukunft ist das, was wir daraus machen.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen zuversichtlichen Start in das neue Jahr.

Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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