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Morning Briefing Krugman rechnet mit Trump ab

02.01.2020 - 06:07 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die schwarzen Lackschuhe sind wieder hinten im Schrank, die Silvesterkleider weggehängt, alle Vorsätze gemacht, alle Ansprachen gehört. Zeit für den Alltag, zu dem bei Ihnen erfreulicherweise auch dieser Weckdienst gehört. Auf drei Personen müssen Sie sich aus meiner Sicht für 2020 einstellen, sie sind sozusagen unvermeidlich: Donald Trump, der Kandidat mit seiner bizarren Botschaft, dass Amerika bei der Amerikanisierung der Welt betrogen wurde. Elon Musk, der Disruptor mit seinem sagenhaften „Gigafactory“-Bau nahe dem noch sagenhafteren Großflughafen BER. Und schließlich – „da-da-da-daaa“ – der musikalische Großmeister Ludwig van Beethoven in seinem 250. Geburtsjahr. Irgendwie merkwürdig, dass Antipode Mozart in Kino und Pop schon groß abgefeiert wurde, der Bonn-Wiener Komponist mit den Allüren eines Rockstars jedoch nicht.

Quelle: Reuters
Paul Krugman sieht die amerikanische Demokratie in Gefahr.

Wir vom Handelsblatt beginnen das neue Jahr mit einem langen, schönen Interview, das meine US-Kollegen Astrid Dörner und Jens Münchrath mit Paul Krugman geführt haben. Der bekannte amerikanische Ökonom diagnostiziert, dass Trumps Handelskriege „nicht nur der Weltwirtschaft schaden, sondern zunehmend auch der heimischen Wirtschaft“. Den auch in Wirtschaftskreisen gar nicht so seltenen Lobeshymnen für den US-Präsidenten setzt Krugman seine wissenschaftliche Wahrheit entgegen: „Die Investitionen der Unternehmen sinken, trotz Steuersenkungen. Die Industrieproduktion schrumpft, trotz all der Strafzölle, die sie schützen sollen.“ Trumps Ziel sei es, „eine Art kapitalistische Vetternwirtschaft einzurichten“. Die Arbeiter im „Rust Belt“, die ihn wählen, lesen Krugman allerdings meist nicht.

Die politische Farbkombination Schwarz-Grün oder auch Grün-Schwarz kennen Sie bereits aus Baden-Württemberg, Hessen oder Hamburg. Gut möglich, dass in einer Zeit nach dem GroKo-Gewürge eine solche Machtkonstellation auch in Deutschland ansteht. In Österreich jedenfalls ist es passiert, jenem Land, das Haider erlebte und HC Strache, den Helden aus der Videoproduktion „Ibiza“. In unserem Nachbarland verabredeten die konservative ÖVP unter Sebastian Kurz und die Grünen unter Werner Kogler jetzt eine Koalition. Eine Premiere, heute wird der Vertrag vorgestellt. Klar ist, dass die Grünen ein Superministerium (Umwelt, Verkehr/Infrastruktur, Energie, Technologie, Innovation) erhalten und die Kurz-Vertraute Susanne Raab ein neues Integrationsministerium übernimmt. Die neuen Regierenden werden hoffentlich ihren Landsmann Alfred Polgar Lügen strafen: „Schade, dass die meisten sofort aufhören zu rudern, wenn sie ans Ruder gekommen sind.“

Der einstige Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen ist dagegen eher da zuhause, wo man in Österreich die FPÖ findet. In Thüringen war sein Name zuletzt wieder groß im Gespräch, mit angeblichen Überlegungen, sich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten küren zu lassen. Die „Thüringer Allgemeine“ hatte Christian Sitter, den Landesvorsitzenden der CDU-nahen „Werteunion“, zitiert: „Es ist Maaßens Idee, die im Gespräch mit mir geboren wurde.“ Maaßen bestritt inzwischen eigene Ambitionen, betont aber, die CDU müsse den Ministerpräsidenten stellen, „damit die Sozialisten das Land nicht ruinieren“. Er sei bereit, daran mitzuarbeiten. So bringt man in die Welt, was man eigentlich dementiert.

Richard Gutjahr ist einer der bekanntesten Blogger im Land, und immer assoziierte man ihn mit dem Bayerischen Rundfunk (BR), für den er 22 Jahre arbeitete. Diese Beziehung endet mit ungeahnten Einblicken. Der BR habe seine Familie und ihn „mit dem Hass und der Hetze“ von rechten Gruppen nach Berichten für die ARD alleingelassen, Intendant Ulrich Wilhelm und Mitarbeiter hätten versucht, das BR-Kontrollgremium „zu täuschen und hinter verschlossenen Türen immer wieder die Wahrheit zu verbiegen“, wettert der freie Journalist. Anders als behauptet habe seine eigene Rechtsschutzversicherung und nicht der BR Gutjahrs Prozesskosten beglichen. Der Sender weist die Vorwürfe strikt zurück, man habe sich intern mit allen Facetten des Falls intensiv beschäftigt. Bereits im März 2019 sei es zum Aufhebungsvertrag in gegenseitigem Einvernehmen gekommen.

Die Datenschutz-Grundverordnung mit dem unübertrefflichen Kürzel DSGVO ist einerseits zum Markenzeichen für Datenschutz geworden, andererseits stiftet sie in der deutschen Wirtschaft knapp zwei Jahre nach Einführung anscheinend immer noch reichlich Verwirrung. Immerhin 185 Mal wurden 2019 Bußgelder aufgrund von Verstößen verhängt, wie wir recherchiert haben. Am meisten musste demnach Deutsche Wohnen mit 14,5 Millionen Euro zahlen, gefolgt vom Telefonkonzern 1&1 Drillisch mit 9,6 Millionen.

Zwei interessante Meldungen kommen aus China. Da ist zum einen der Tech-Konzern Tencent, der begleitet von anderen chinesischen Investoren der französischen Vivendi-Gruppe zehn Prozent an der Universal Music Group abkauft, der Heimstatt von Taylor Swift. Das soll Tencents Streamingdienst verbessern. Und schließlich hat die People’s Bank of China, die Zentralbank des Landes, beschlossen, neue Liquidität in die erschlaffende Wirtschaft zu pumpen. Die Banken müssen jetzt weniger Reserven halten. Der Zentralbanker Yi Gang spricht von möglichen unvorhersehbaren Risiken („Black Swan“) und höchstwahrscheinlichen Ereignissen („Grey Rhino“), die man resolut bekämpft habe.

Quelle: AP
Carlos Ghosn hat sein Hausarrest in Tokio verlassen und ist in den Libanon geflohen.
(Foto: AP)

Und dann ist da noch Carlos Ghosn, einst als Chef von Renault und Nissan ein Welt-CEO, dem jetzt offenbar mit tüchtiger Hilfe aus dem Libanon ein James-Bond-Kunststück gelang. Er floh vor der japanischen Justiz aus seiner Wohnung in Tokio, wo er nach Haftentlassung auf Kaution unter Auflagen lebte. Dort hatte ihn eine Pseudo-Weihnachtskapelle besucht, die in Wirklichkeit eine „paramilitärische Truppe“ war – und ihn im hölzernen Instrumentenkasten herausschmuggelte und zum Flughafen brachte. Ghosn, der einen libanesischen Pass hat, weilt nun in Beirut. Sofort begann er mit der Selbstverteidigung gegen Vorwürfe, er habe Firmengelder veruntreut und gegen Finanzmarktgesetze verstoßen. Ghosn erklärt, „nicht länger eine Geisel des manipulierten Justizsystems“ von Japan zu sein. Wir enden folglich mit einem Spruch aus der Feder von Bond-Schöpfer Ian Fleming: „Der Unterschied zwischen Wahnsinn und Genialität liegt einzig und allein im Erfolg.“

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in dieses Jahr, natürlich nur mit genialischen Momenten, den Wahnsinn vergessen wir. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing: Krugman rechnet mit Trump ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zum Titelthema Ihrer heutigen Ausgabe "Weltwirtschaft in Gefahr" lässt sich nur sagen:

    Wenn die Bürger der Welt sich mit vereinten Kräften dafür einsetzen würden, dass sie ihre faschistoiden „politischen Vertreter“ (Trump, Xi, Bolsonaro, MBS, Modi, Putin, Erdogan, und wie sie alle heißen), die sich gerade überall auf diesem Planeten immer mehr breitmachen loswerden, statt sich von ihnen gegeneinander ausspielen und so vor deren Karren spannen zu lassen, wäre die (die Weltwirtschaft) garantiert nicht in Gefahr.

    Ganz im Gegenteil: Dann wären endlich die nötigen Voraussetzungen dafür geschaffen, damit die Produktionsfaktoren „Boden“ (respektive Umwelt und Naturressourcen) und „Arbeit“ ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Und zugleich die gemeinsame Existenzgrundlage aller – ein ökologisches Gleichgewicht (welches nicht nur Grundvoraussetzung für die zukünftige auskömmliche Verfügbarkeit des Produktionsfaktors Boden, sondern für ein lebenswertes Lebensumfeld der Menschheit überhaupt ist), bewahrt werden kann.

    Der wirtschaftliche Umgang mit knappen Ressourcen ist keine Quadratur des Kreises, sondern schlicht vernünftiges Wirtschaften. Klar fällt Geld nicht vom Himmel, sondern muss erwirtschaftet werden. Aber da die gesamte Weltbevölkerung von diesen Ressourcen leben muss, eben auch von ALLEN. D.h. auf demokratische Art und Weise.

    Geld ist ein reines dynamisches Wirtschaftssteuerungsinstrument, das ausnahmslos allen zur Verfügung steht bzw. stehen müsste und dessen Menge bzw. deren "Wachstum" nicht auf irgendeine statische Weise vorgegeben ist, sondern allein davon abhängt, wie gut dieses vernünftige Wirtschaften der gesamten Weltgemeinschaft gelingt. Es ist also weder ein Machtinstrument, das es zu „verteilen“ gilt, noch "Wertaufbewahrungsmittel". Denn echte Werte wie Naturressourcen und menschliche Kompetenzen lassen sich nicht "einlagern" und bei Bedarf abrufen. Und ein auf Gerechtigkeit beruhendes Wirtschaftssystem braucht keine "Grenzen", sondern Kompromisse.

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