Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Markus Söder als „Märchenkanzler“

14.07.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Geschichte wird gemacht, es geht voran, und zwar mit Bildern. An diesem Dienstag wird Armin Laschet Motive liefern, die es normalerweise auf Seite eins schaffen würden. Der CDU-Chef-Aspirant sitzt in Paris am französischen Nationalfeiertag auf der Ehrentribüne in Paris, ganz in der Nähe von Emmanuel Macron. Doch rund 800 Kilometer entfernt spielt sich für die Korona der Fotografen und Kameraleute noch viel Größeres ab. In Schloss Herrenchiemsee, einst von Bayerns „Märchenkönig“ Ludwig II. als Klon von Schloss Versailles erbaut, tagt Ministerpräsident Markus Söder plus Kabinett zusammen mit Angela Merkel. Das verheißt, woran manche Politprofis allzu gerne glauben: Kanzlerfähigkeit. Die gemeinsame Kutschfahrt des vorgeblichen Prinzregenten mit der Regierungschefin aus Preußen ist inklusive.

Quelle: Reuters
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Ehefrau Karin im Kostüm

Es gibt nichts, was die Fantasie von Journalisten in diesem Sommer mehr anheizt als die mögliche Promotion des CSU-Chefs – „Märchenkanzler“ Söder. Jedes Mal, wenn er erklärt: „Mein Platz ist in Bayern“, steigt für die Allianz der Medien die Wahrscheinlichkeit, dass er‘s doch wird. Dass man in seiner Entourage „Gumo“ (für „Guten Morgen“) sagt und er aus lustig bedruckten Tassen trinkt, ist auf wundersame Weise so relevant wie seine Faschingshistorie. Jüngst widmete der „Spiegel“ Söder eine Fernanalyse als „Erbschleicher“. Die einst bei Martin Schulz („Sankt Martin“) positiv grundierte Utopie erscheint hier als eine Art „gothic novel“. Natürlich korreliert der Circus Maximus mit den Schwächen der CDU-Prätendenten: Laschet zu sprunghaft, Friedrich Merz honorig-gestrig, Norbert Röttgen eher akademisch. Vielleicht klärt Jens Spahn beim Tegernsee-Urlaub mit seinem Freund, dem CSU-Ehrenpräsidenten Edmund Stoiber, wie es in Sachen „Märchenkanzler“ weitergeht.

Den gängigen Klagen über hohe Kosten durch Umweltschutz steht eine ganz andere Perspektive gegenüber: die neuer Geschäftschancen. Dies belegen aktuelle, noch unveröffentlichte Studien, die uns vorliegen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    • So könnte der Maschinen- und Anlagenbau bis 2050 global zusätzlich zehn Billionen Euro mit klimaschonenden Technologien erwirtschaften, ermittelten der Verband VDMA und die Boston Consulting Group. Ihre Ausarbeitung wird am morgigen Mittwoch auf den „Digital Days“ der Hannover Messe vorgestellt.
    • Die Beratungsfirma Oliver Wyman kommt zu ähnlichen Resultaten. Demnach müssten die Unternehmen in den nächsten drei Dekaden jährlich 120 Milliarden Euro in neue Technologien stecken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.
    • Das größte Geschäftspotenzial böten bessere Elektromotoren, Recycling-Anlagen, Windräder und Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff, heißt es. Vor allem deutsche Hersteller dürften von dem Trend profitieren – gemessen an der Einwohnerzahl ist die Bundesrepublik weltweiter Branchenprimus.

    Es geht aber nicht nur um Hardware, sondern auch um Know-how. So hat Bosch eine neue Einheit gegründet, die produzierende Firmen bei der Reduktion ihrer CO2-Emissionen berät.

    Zu den Merkwürdigkeiten der Ökonomie gehört, dass Vorstandsmitglieder in börsennotierten Firmen weder Mutterschutz noch Elternzeit nehmen können. Sie geben dann einfach ihren Job auf, so wie die 36-jährige Delia Lachance bei Westwing. Die Initiative „Stayonboard“ einflussreicher Wirtschaftsgrößen will das ändern, wie in einem Handelsblatt-Doppelinterview deutlich wird.

    Die Gründerin Verena Pausder war geschockt, als sie vom Fall Lachance erfuhr: „Es ist an der Zeit, das aus Haltung Handlung wird. Auch Vorstände müssen Auszeiten von bis zu sechs Monaten nehmen können.“

    Multi-Aufsichtsrätin und Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner betont den sozialen Wandel: „Wenn wir mehr Frauen und mehr jüngere Menschen in Verantwortung haben wollen, brauchen wir den rechtlichen Rahmen für solche Auszeiten.“

    Pausder wiederum verweist auf eine Schar von Experten, die pro bono für die Initiative arbeiten: „Wir erarbeiten nun einen Gesetzesentwurf. Wir wollen das gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen machen – parteiübergreifend.“

    Jenseits der hierzulande geführten anti-chinesischen Kampagnen gibt es in praktischen Fragen „business as usual“. So wie beim renommierten, pleite gegangenen Küchenhersteller Poggenpohl. Überraschend wird der Sanitär- und Küchenarmaturenhersteller Jomoo aus Xiamen nun neuer Eigentümer des Traditionsbetriebs aus Herford. Ein Großteil der 270 Mitarbeiter werde übernommen, sagt der Insolvenzverwalter. Der zuvor angedachte Deal mit der britischen Lux Group und der deutschen Unternehmerfamilie Wolf hatte sich zerschlagen. Poggenpohl hofft dank chinesischer Hilfe auf internationales Projektgeschäft – also auf jene Globalisierung, die angeblich ein Auslaufmodell sei.

    Der Nutzer „Lilalaunebaer“ wusste auf einem Onlineforum genau, was bei der Finanzfirma Wirecard des CEO Markus Braun acht Tage später passieren würde – der Crash. So thematisierte er nach unseren Informationen fehlende Nachweise über den Ursprung großer Summen auf Treuhandkonten. Und postete: „Ich möchte hier wertfrei und neutral darauf aufmerksam machen, dass E & Y nicht uneingeschränkt testieren wird.“ Das Orakel „Lilalaunebaer“ ist nur ein Indiz, dass im Vorfeld der Insolvenz einige Spekulanten ordentlich Kasse gemacht haben könnten. Bei der Aufsichtsbehörde Bafin gingen Anzeigen ein. Sie hat die Staatsanwaltschaft München informiert. „Wir haben insgesamt sehr umfangreiche Ermittlungen gegen den Beschuldigten Dr. Braun und mögliche weitere Mittäter eingeleitet“, sagt eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde Bafin.

    Die Rassismus-Debatte in den USA hat im Sportgeschäft konkrete Folgen. Das Footballteam Washington Redskins legt seinen Namen ab. Schon in den vergangenen Jahren hatten Ureinwohner gegen den Traditionsnamen „Redskins“ (Rothäute) protestiert. Zuletzt war die Causa durch die Rassismus-Demonstrationen nach dem Tod von George Floyd wesentlich brisanter geworden. Noch 2013 hatte Teambesitzer Dan Snyder erklärt: „Wir werden den Namen niemals ändern. NIE – ihr könnt ruhig Großbuchstaben verwenden.“ So schnell kann sich ein „niemals“ in Luft auflösen.

    Quelle: ullstein bild - Gawrisch/WELT
    Verena Pausder setzt sich für die rechtliche Möglichkeit ein, dass Vorstände auch Elternzeit und weitere Auszeiten nehmen können.
    (Foto: ullstein bild - Gawrisch/WELT)

    Und dann ist da noch Frank-Jürgen Weise, einst Chef der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamts für Migration, der nun im Geschäft der Beteiligungsfonds auftaucht. Dabei hat er ganz besondere Auftraggeber – Kapitalisten, die keine Kapitalisten sind. Der 68-jähige Diplom-Betriebswirt leitet zusammen mit einem Ex-Bosch-Manager die neue Fondsgesellschaft Best Owner Consulting (BOG), die von Gewerkschaften mit angeschoben wird. Sie soll mit Kapital die Bedürftigen unter den vielen tausend kleinen Autozulieferern stützen. Das Geld dazu soll neben den Gewerkschaften auch von Vermögensverwaltern, Fonds und der Industrie selbst kommen, für die der Erhalt von Lieferketten wichtig ist. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann informierte den „Tagesspiegel“ über die eigene Rolle: „Wir sind Geburtshelfer.“

    Ich wünsche Ihnen einen Tag mit originellen Einfällen.

    Es grüßt Sie herzlich
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Markus Söder als „Märchenkanzler“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Also noch eine Inszenierung von Söder - und die Medien fallen wieder darauf herein. Regiert der Mann eigentlich auch noch? Oder muss man zur Aufarbeitung von Söderns katastrophaler Corona-Politik warten, bis sein Nachfolger da ist?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%