Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Merkel vor dem Corona-Machtwort

13.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in den Kanon der gesetzlichen Fehlproduktionen gehört aktuell die Überlegung, Reisenden aus Corona-Risikogebieten das nächtliche Ruhelager in der Hotellerie eines vom Virus weniger befallenen Territoriums vorzuenthalten. Als Problemverursacher sind vielmehr private Treffen in Großbesetzung und in engen, ungelüfteten Räumen bekannt. Vor Gericht dürfte deshalb ein Übernachtungsverbot wenig Bestand haben, zumal es der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bereits im Juli als unverhältnismäßig bezeichnet hat. Bundesländer wie Bremen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz rücken denn auch demonstrativ vom „Beherbergungsverbot“ ab. In dieser Lage wird von Kanzlerin Angela Merkel in der morgigen Konferenz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten nichts weniger als ein Machtwort erwartet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt:

  • Wenn es um Mobilität geht und keine einheitlichen Regeln da sind, untergräbt das massiv die Akzeptanz.
Quelle: dpa
Auch im Vatikan haben sich vier Leibwächter des Papstes mit Corona infiziert.

Die Corona-Spitzenrunde hat ohnehin einiges mehr zu tun, als die Herbergsfrage zu klären. Überall weisen die Zahlen auf ein sich vergrößerndes Problem:

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    • Die Zahl der deutschen Regionen, die den kritischen Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner übersteigen, ist auf 32 gestiegen. Eine Großstadt nach der anderen, zuletzt Düsseldorf, meldet Alarm. Messen wie die Expo Real Hybrid Summit in München werden kurzfristig abgesagt.
    • In vielen europäischen Ländern greifen eiserne Maßnahmen. Tschechien beispielsweise schließt Restaurants, Bars und Clubs, Versammlungen mit mehr als sechs Personen sind untersagt. Großbritannien entschließt sich zu einem dreistufigen Alarmsystem mit den Risikograden mittel, hoch und sehr hoch. Frankreichs Premier mahnt, zu viele Bürger würden ignorieren, dass die zweite Pandemie-Welle da sei. Im Vatikan sind sogar vier Leibwächter des Papstes infiziert.
    • Die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt schließlich, die Zahl neuer Covid-Fälle sei weltweit so hoch wie zuletzt beim Start der Pandemie. Eine „Durchseuchung“ zuzulassen, um Herdenimmunität herzustellen, sei „wissenschaftlich und ethisch problematisch“.

    Die Schlagzeilen über seine Verbrechen waren riesig, die Berichte über seinen sehr frühen Abschied aus dem englischen Gefängnis klein: Das ist die jüngste Asymmetrie im Leben des Christian Bittar. Der 48-Jährige war einer der am besten bezahlten Händler der Deutschen Bank, im Finanzkrisenjahr 2008 schaffte er 80 Millionen Euro Bonus. Die Gewinnmaximierung à la „Wolf of Wall Street“ endete jäh, als eine Manipulation des Zinses Libor ruchbar wurde. Bonus-Baron Bittar hatte, stets auf Französisch parlierend, mit einer Trader-Gang zugeschlagen. Dafür wurde er in London zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Nach nicht einmal zwei Jahren Gefängnis wurde er im Februar vorzeitig entlassen und weilt nun bei seiner Familie in Frankreich. Anders als Bittar hatte sein Kumpel Philippe Moryoussef von der Barclays Bank nicht gestanden, sondern war geflohen und wurde in Abwesenheit zu acht Jahren Haft verurteilt. Er kämpft vor einem Pariser Gericht gegen die Auslieferung nach Großbritannien.

    Ein Geschäft mit 65-facher Rendite gelang dem Wagniskapitalgeber Eventures. Die Firma aus Los Angeles, einst im Bertelsmann-Reich entstanden, hatte dank einer Spezialsoftware die Werthaltigkeit eines Start-ups namens Segment erkannt, das Kundendaten analysiert. Der Algorithmus macht’s möglich. „Die Suche nach Einhörnern wird zur Datenjagd“, schreibt Larissa Holzki in ihrem Report. Als Käufer des Eventures-Objekts tritt nun Börsenkomet Twilio auf, der Unternehmen die Kundenkommunikation über immer mehr Kanäle erleichtert – und Cloud-Plattformen zum Einsatz bringt. In dem Goldrausch, der alle erfasst, die das Wort „Cloud“ nur buchstabieren können, ist Twilio inzwischen stolze 45 Milliarden Dollar wert.

    Quelle: dpa
    Michael Lohscheller sagt, er habe bewusst auf klimafreundlichere Auto-Typen gesetzt.

    Man hatte zuletzt nicht den Eindruck, dass sich die Deutschen nach Opel-Autos gieren. Die Idee vom „Umparken“, mit der die Rüsselsheimer eine Zeit lang auf alle Werbeflächen drängten, hat sich aufgelöst. Klares Indiz: Die Verkäufe haben sich zur Jahresmitte auf 266.000 Vehikel um mehr als halbiert. Eine überraschende Begründung hierfür liefert Ober-Opelianer Michael Lohscheller im Handelsblatt-Interview. Er habe bewusst auf klimafreundlichere Typen gesetzt und einen Rückgang des Absatzes in Kauf genommen. Sein Credo:

    • In unserer Industrie ist eine neue Währung entstanden – und die heißt CO2.

    Im französischen PSA-Konzern, zu dem Opel inzwischen gehört, gelten strikte Umweltvorgaben nach EU-Standard. So sollen Strafzahlungen an Brüssel vermieden werden. Doch in nicht allzu ferner Zukunft muss Lohscheller auch mal wieder steigende Absatzzahlen melden – sonst muss er jene Kündigungen aussprechen, die er aktuell „nicht kategorisch ausschließen“ mag.

    Noch 2018 ließ Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die absolute Redefreiheit hochleben, auch für den größten und gefährlichsten Unsinn. Er sei jüdisch und fände Holocaust-Leugnungen „extrem abstoßend“, erklärte er damals. Trotzdem glaube er nicht, dass „unsere Plattform das löschen sollte“. Die Zeiten haben sich geändert, auch weil sich dank Facebook übelste Verschwörungstheorien und Braunstichiges verbreiten konnten. Nun erweitert Zuckerberg die eigenen Richtlinien: „Wir verbieten künftig sämtliche Inhalte, die den Holocaust leugnen oder verharmlosen“. Er habe Daten über zunehmende antisemitische Gewalt gesehen und deshalb seine Meinung geändert, sagt Zuckerberg.

    Quelle: dpa
    Die US-Ökonomen Milgrom und Wilson teilen sich den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

    Und dann sind da noch die Ökonomen Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson von der amerikanischen Stanford University, die etliche Regierungen auf der ganzen Welt glücklich gemacht haben. Die beiden Forscher beschäftigen sich intensiv mit dem Wesen von Auktionen. Diese haben längst die Sphäre von Christie‘s und Sotheby‘s verlassen und kommen bei der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen, Emissionszertifikaten oder regionalen Lizenzen für Energieversorgen zum Tragen, nicht zuletzt dank der Hinweise der beiden Professoren. Der offenkundige gesellschaftliche Nutzen, in höherer Milliarden-Kategorie angesiedelt, war der Jury die Verleihung des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften wert. Der 72-jährige Milgrom und der 83-jährige Wilson teilen sich ein Preisgeld von knapp einer Million Euro. Eine kleine Laudatio kommt vom Kölner Professor Axel Ockenfels:

    • Die beiden gehen hinaus aus dem Elfenbeinturm und arbeiten gewissermaßen als ökonomische Ingenieure, getrieben vom Wunsch, auch schwierige Probleme ganz pragmatisch zu lösen.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, inner- und außerhalb des Elfenbeinturms.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Merkel vor dem Corona-Machtwort"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%