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Morning Briefing Merkels Angst um Europa

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

je näher wichtige Wahlen kommen, desto wahrscheinlicher ist ein großes Angela-Merkel-Interview. In den Europawahlkampf will die in der politischen Abendsonne stehende Kanzlerin ja nicht ziehen, aber der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte sie ausführlich, Europa müsse sich im Kampf gegen die drei globalen Rivalen China, USA und Russland neu aufstellen. Mehr Eintracht sei nötig, die politische Kraft halte mit der ökonomischen nicht mit: „Viele machen sich Sorgen um Europa, auch ich.“ Ein Eindruck bleibt: Die deutsche Regierungschefin ist in der Analyse der Krise wesentlich besser als im politischen Kampf dagegen.

Wie Europa vorankommt, wie die Renationalisierung zu stoppen ist und Liberalität trotz Orbanismus gesichert werden kann, wollen wir am nächsten Montagabend in Düsseldorf bei einem Club-Gespräch („Embrace Europe“) in unserem Verlagshaus erörtern. Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Claudia Nemat, Deutsche-Telekom-Vorstandsfrau für Technologie und Innovation, diskutieren mit dem Schülersprecher eines Düsseldorfer Gymnasiums und einer Vertreterin der Initiative „Pearls of Europe“. Für die Veranstaltung, die Chefredakteur Sven Afhüppe moderiert, habe ich drei Karten zurückgelegt ( [email protected]). Bitte melden, das Los entscheidet.

Quelle: dpa
Die beiden Großkoalitionäre versuchten bei der Diskussion jeden Anschein von Konflikt zu vermeiden.

Die NRW-Landesregierung hat jetzt von der Polizei untersuchen lassen, wie sehr kriminelle Clans in einer Parallelwelt leben. Dass die Große Koalition auch in einer großen Gegenwelt lebt, zumindest wenn Öffentlichkeit dabei ist, war gestern Abend bei einer Diskussion im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin zu spüren. Die Fraktionschefs Ralph Brinkhaus (Union) und Andrea Nahles (SPD) hatten sich 90 Minuten Zwangskuscheln verordnet. Konflikte? Alles eine Erfindung. „Es läuft, es läuft, es läuft“, textete Nahles, als denke sie an den VW Käfer ihrer Jugend. „Wir kriegen mehr hin, als allgemein erzählt wird“, assistierte Brinkhaus. Nur bei der Grundsteuer platzte die PR-Harmonie auf. Der Kommentar zu dieser Show kommt von Honoré de Balzac: „Wer viel redet, glaubt am Ende, was er sagt.“

Durchaus mutig kann die Commerzbank sein. Das ist zu spüren bei einem aktuellen TV-Werbefilm für die Fußball-Nationalelf der Frauen, die das Geldinstitut seit Langem unterstützt. „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“, heißt es da. Wie es mit den „cojones“ der Bank selbst aussieht, und wann sie nach dem Fusionsflirtflop mit der Deutschen Bank einen Partner (Unicredit, ING) braucht, soll am nächsten Dienstag eine Sondersitzung des Aufsichtsrats klären. CEO Martin Zielke ist unter Druck. Chefaufseher Stefan Schmittmann hat sich angeblich gegen die Extrarunde mit harschen Worten gewehrt – doch Arbeitnehmer und Bund (Aktienanteil: 15 Prozent) konterten ihn aus.

Bonusmeilen sind die neue Währung der jettenden Gesellschaft. Aber sind sie deswegen „elektronisches Geld“? Das glaubt der Berliner Verbraucheranwalt Istvan Cocron. Er reicht mit seiner Kanzlei CLLB heute Klage gegen „Miles and More“ von Lufthansa ein, wie wir exklusiv berichten: Bonusmeilen sollen in Euro rückerstattet werden können. Im konkreten Fall fordert ein Vielflieger mehr als 21.000 Euro für 715.000 Prämienmeilen. Die Causa ist so diffizil, dass sich vorerst weiter Flugbuchungen und Produktkäufe per Meilen empfehlen – bevor sie endgültig verfallen.

Zu den Standard-Nummern des amtierenden ARD-Chefs Ulrich Wilhelm gehört die Klage über zu viele Talkshows. In der Realität sieht das so aus, dass der öffentlich-rechtliche Verbund im Herbst eine klaffende Dienstagslücke schließt und dann wieder von Sonntag bis Mittwoch einen bunt gemusterten Talk-Teppich offeriert. Am späteren Dienstagabend sollen Plauderkreise der Landesrundfunkanstalten („NDR Talk Show“, „Kölner Treff“, „3nach9“) im Ersten laufen. Und für den RBB sollen Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer sogar einen neuen Talk aus der Hauptstadt starten. Es gilt das ökonomische Gesetz: Reden kostet nichts und bringt Quote. Das lässt den ganzen Schwurbel-Overkill vergessen und verschmerzen.

Quelle: Reuters
Der Finanzprofessor aus Chicago rechnet mit der Übermacht einiger weniger „Superstar-Unternehmen“ ab.

Ein besonderes Lesestück entdecke ich auf unserer letzten Seite. Raghuram Rajan, Finanzprofessor aus Chicago, rechnet mit der Übermacht einiger weniger „Superstar-Unternehmen“ ab. Sie täten sich unweigerlich mit den Instrumenten staatlicher Kontrolle zusammen und bildeten „so eine unheilige Allianz“ zwischen Eliten des privaten und des öffentlichen Sektors. Was hier fehlt, ist der raue Wind des Wettbewerbs. Der Rat des Experten, der etwa den deutschen Finanzstaatssekretär Jörg Kukies ausgebildet hat: Reformen von oben nach unten (neue Kartellgesetze). Und die Kritik der kleinen Leute („Populisten“) beachten.

Und dann sind da noch unsere europäischen Freunde in Großbritannien, die nach einer groß angelegten Studie viel häufiger betrunken sind als die Menschen in den anderen untersuchten mehr als 30 Staaten. In einem Jahr ist man auf der Insel demnach 51 Mal alkoholisiert (genereller Durchschnitt 33). Die Global Drug Survey fand auch heraus, dass England die höchste Rate von Kokain-Konsumenten in der Welt aufweist. Eine Empfehlung läuft darauf hinaus, Richtlinien für Alkoholnutzer zu erarbeiten. Vielleicht hilft ein Zitat des Schriftstellers Robert Musil, der keinen Sinn darin sah, Sorgen in Alkohol ertränken zu wollen – „denn Sorgen sind gute Schwimmer“.

Ich wünsche Ihnen einen sorgenfreien Tag mit der richtigen Dosis Genuss. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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