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Morning Briefing Metropole unter Quarantäne

23.01.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

kann man eine Elf-Millionen-City einfach so unter Quarantäne stellen? Man kann. In China. Dort sollen die Einwohner von Wuhan daran gehindert werden, die Stadt zu verlassen. Die Behörden kappten heute Morgen Flug- und Zugverbindungen. Auch der Betrieb von Bussen und U-Bahnen wird eingestellt, geplante Olympia-Qualifikationen im Frauenfußball und Boxen finden nicht statt. Grund für den radikalen Stopp ist das Coronavirus, das zunächst in Wuhan festgestellt worden war. An der neuen Lungenkrankheit sind bis dato 17 Chinesen gestorben. Da am kommenden Samstag Hunderte Millionen Chinesen anlässlich des Neujahrsfests in ihre Heimatorte fahren, könnte sich das Virus rasch weiter ausbreiten – und Peking muss unkonventionell handeln. Alles wie bei Chairman Mao: „Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen.“

Vor nicht allzu langer Zeit erklangen schönste Lobeshymnen auf Daimler. Die Marke strahlte wie der Planet Venus und fast war man geneigt, ein Buch über „The Daimler Way“ zu schreiben, über einen Königsweg, so wie 1998 in Zeiten des unbarmherzigen Jack Welch „The GE Way“ erschienen war. General Electric ist heute in die B-Liga abgestiegen und auch Daimler geht es nicht besonders gut – der Konzern „schlittert tiefer in die Krise“, schreiben wir. Die Stuttgarter melden für 2019 eine Gewinnhalbierung (Ebit) auf voraussichtlich 5,6 Milliarden Euro. Da wirken die möglichen US-Zölle von 25 Prozent auf deutsche Autoimporte wie Zucker im Benzintank. CEO Ola Källenius, erst seit Ende Mai im Cockpit, musste bereits zwei Gewinnwarnungen verkünden – und therapiert nun irritierte Anleger. Mit einem Mal wirkt es, als seien die Sneaker von Vorgänger Dieter Zetsche gar nicht mehr weiß, sondern allenfalls grau.

Quelle: Dietmar Gust, Euroforum
Frank Thelen sieht Tesla klar im Vorteil gegenüber den deutschen Autoherstellern.
(Foto: Dietmar Gust, Euroforum)

Es ist ein historisches Datum: Tesla ist an der Börse erstmals mehr als 100 Milliarden Dollar wert und übertrifft damit auch Volkswagen, die Nummer eins gemäß der Marktkapitalisierung in Deutschland. Diesen Anlass nutzt Start-up-Investor und Tesla-Fahrer Frank Thelen für eine Rieseneloge auf Elon Musk im Handelsblatt. Der Mann, der als Juror bei „Die Höhle der Löwen“ auffiel, stellt in einer Löwenanalyse fest, dass Tesla der deutschen Autoindustrie in Sachen E-Mobilität „meilenweit“ voraus sei: Das Model S habe doppelt so viel Reichweite wie der Porsche Taycan. Es handele sich bei Musks Motorenshow, so Thelen, in erster Linie um eine Softwarefirma, die vor Wochen ein Motor-Upgrade für bessere Beschleunigung angeboten habe – als In-App-Kauf für 2000 Dollar. Des Investors letzte Worte: „Als Deutscher sehe ich schwarz für die deutsche Autoindustrie.“

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    Wenn wir schon beim Thema Börse sind: Die schier unendliche Serie neuer Höchststände (Dax: 13.640) – bedingt durch Nullzinsen und den allgemeinen Anlagenotstand – treibt immer neue, überraschende Kandidaten aufs Handelsparkett. Nun plant auch die Geschäftsführung von Lufthansa Technik den Teilbörsengang. Mutter Lufthansa würde als Aktionär dabeibleiben. Davon erhoffen sich alle Akteure das Abheben des Aktienkurses von Lufthansa. Ihre börsenreife Technik-Tochterfirma hat schon heute nach Analystenmeinung einen Börsenwert von 7,5 Milliarden Euro – und liegt damit über dem Börsenwert des Mutterkonzerns von nur rund 6,9 Milliarden Euro. Wie heißt es so schön? Das Börsengeheimnis liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.

    40 Gesetze in 20 Monaten, das sei doch wirklich etwas, und natürlich müsse die Regierung in Rom mit seiner Partei „Fünf Sterne„ weitermachen bis zum Ende der Legislaturperiode. Das klang wie ein Vermächtnis – ein sehr großes zumal, denn Luigi Di Maio ist erst 33 Jahre alt. Der Mann mit dem zackigen Auftritt trat gestern Abend als Parteichef zurück, will aber Außenminister bleiben. Aber auch in dieser Funktion dürfte es ihn erwischen, wenn seine „Cinque-Stelle“-Formation bei der Regionalwahl am Sonntag in der Emilia-Romagna und in Kalabrien wohl weniger als zehn Prozent bekommen wird – nach fast 33 Prozent in 2018. „Fünf Sterne“ ist mittlerweile eine Komikertruppe ohne Komik.

    Das Schicksal der 42.000 Flüchtlinge auf den griechischen Mittelmeerinseln Lesbos, Samos und Chios schafft es in die „Tagesschau“ – aber nicht in einen EU-Hilfsplan. Und so klagen die 210.000 Bewohner zurecht über die Überforderung der Infrastruktur durch die Migranten, über zu wenige Schlafplätze, überfüllte Krankenhäuser, hohe Müllberge. Die Einheimischen, alleine gelassen von der Politik in Athen und Brüssel, haben nun mit Protesten und einem Generalstreik gegen die aus ihrer Sicht unerträgliche Situation begonnen. Der Slogan: „Wir wollen unsere Inseln zurück, wir wollen unser Leben zurück.“

    In Davos hatte Allianz-Chef Oliver Bäte persönlichen Kontakt mit Klimaaktivistin Greta Thunberg – und verabredete sich mit ihr für München. Er könne verstehen, so der Manager bei „n-tv“, „dass Greta und ihre Generation wirklich sauer sind, dass so wenig und so langsam etwas passiert – ich habe selber zwei Kinder“. Ihn störe der viele Müll im Land genauso wie die Debatte um Autoraser. Wenn er Fachleute frage, ob die E-Autos demnächst komplett ohne Tempolimit fahren dürften, höre er: „Nein, wir wollen, dass alle gleich schnell fahren.“ Das sei eine total verrückte Diskussion, so Bäte, und im Übrigen verstehe er nicht, warum in Davos beim Weltwirtschaftsforum nicht nur Hybridautos und Elektroautos fahren dürften. Gute Frage. Vielleicht, weil es sich zum Wandel leichter reden als handeln lässt.

    Quelle: Reuters
    Im Spionagefall rund um Amazon-Gründer Jeff Bezos und das saudische Königshaus fordert nun Experten der UN eine sofortige Untersuchung.

    Im Spionagefall rund um Amazon-Gründer Jeff Bezos und das saudische Königshaus greift jetzt die UN ein. Experten der Weltorganisation fordern eine sofortige Untersuchung, wie über den WhatsApp-Account von Kronprinz Mohammed bin Salman („MBS“) große Datenpakete aus Bezos‘ Handy abgesaugt werden konnten. Zwei UN-Fachleute erklärten in einem Statement, sie seien „schwer betroffen“ von den Indizien und dem Versuch, die Berichterstattung von Bezos‘ Zeitung „Washington Post“ über Saudi-Arabien „zu beeinflussen, wenn nicht zum Schweigen zu bringen“. Danach habe MBS vertrauliche Informationen über Bezos Privatleben an jenen geschickt – zwei Monate später wurde die außereheliche Beziehung des Unternehmers bekannt.

    Und dann ist da noch Luftschiffpionier-Urenkel Albrecht von Brandenstein-Zeppelin, der an diesem Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen einen großen Prozess beginnt. Der 69-Jährige will wieder Einfluss auf die Stiftung seines Urgroßvaters bekommen, die Großaktionär beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen ist: Dabei bezieht er sich auf frühere Satzungsversionen. Sein Gegner ist die Stadt Friedrichshafen als Verwalterin der Zeppelin-Stiftung, die 2018 knapp 200 Millionen Euro Dividende kassiert hat. „Wenn ich eine Eiche pflanze, dann können meine Nachfahren sie in 200 Jahren verwerten“, deklamiert Zeppelin. Er will, dass die Stiftungsgelder nicht für kommunale Zwecke verwendet werden, sondern nur für mildtätige Zwecke sowie für die gemeinnützige Forschung in der Luftfahrt. Die Stadt hat sich mit teuren Rechtsgutachten munitioniert. Sie hält Zeppelins Aktion für eine Medienkampagne, sprich für einen ziemlich dickbauchigen PR-Höhenflug.

    Ich wünsche Ihnen einen produktiven Tag mit vielen Ideen, die sich weiter verpflanzen. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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