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Morning Briefing Mister Microsoft verteilt Lob und Tadel an Merkel und Trump

27.04.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

mit Sicherheit haben Sie sich Ihre Maske für den Start in die Woche bereitgelegt. Manche lieben es in der Bedeckungsfrage modisch und lassen sich etwa aus afrikanischen Stoffen neue Modelle schneidern; andere setzen orthodox auf Filterware aus Apotheken. Und doch sind wir alle mit unserer Maskierung kein bisschen weniger verwirrt, was an Experten wie Ärztepräsident Klaus Reinhardt liegt. Nachdem er zunächst das rasche Hochfahren einer Maskenproduktion sowie das Tragen von Mund- und Nasenschutz („für gewissen Zeitraum sinnvoll“) empfahl, wies er später vermehrt darauf hin, dass die Maske feucht werde und kneife, woraufhin sich der Träger womöglich ins Gesicht fasse. Aktuell sagt er zur gesetzlich verordneten Protektion: „Masken erzeugen falsche Sicherheit.“ Manche Experten erzeugen richtige Unsicherheit.

Quelle: dpa
Versandhauskönig Michael Otto fordert von der Politik, den Klimaschutz bei den Coronavirus-Maßnahmen mit einzubeziehen.

Hauptsache raus, egal wie, weg mit der Causa Corona, denken manche in Berlin in diesen Tagen – und kämpfen beispielsweise dafür, den neuen CO2-Preis zu verschieben. Auch „Fridays for Future“ erscheint plötzlich so weit weg wie ein Eisberg in der Antarktis. Da fällt eine Allianz aus 60 Unternehmen auf, die die Politik davor warnt, beim Umweltschutz nachzulassen. „Wir appellieren an die Bundesregierung, wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bewältigung der Corona- und der Klimakrise eng zu verzahnen“, heißt es in ihrem Aufruf, der unserer Redaktion vorliegt. Klimaschutz als Modernisierungsprojekt zu begreifen, könne eine wichtige Rolle bei der Corona-Bewältigung spielen, sagt Versandhauskönig Michael Otto. Neben seinem Konzern wurden Dax-Konzerne wie Allianz, Bayer, Deutsche Telekom oder Eon sowie Familienunternehmen wie Rossmann, Vaillant oder Viessmann aktiv.

Wissenschaftliches Rüstzeug für die Koalition der Willigen kommt von Professor Ottmar Edenhofer. „Man sollte der Investitionsdynamik eine sinnvolle Richtung geben – in Richtung Nachhaltigkeit“, erklärt der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Er schlägt einen langfristigen, europäischen Investitionsfonds vor, der Staatsanleihen etwa mit einem Prozent Zins und extrem langer Laufzeit (50 Jahre) ausgibt. Und dieser Fonds soll sich an öko-gerechten Firmen beteiligen oder Kredite für grüne Projekte vergeben. Vor mehr direkten Staatsausgaben pro Klimaschutz warnt Edenhofer im Handelsblatt-Interview – mit Blick auf die anrollende Schuldenlawine. Kurt Tucholsky kam grundsätzlich zur Erkenntnis, jede Wirtschaft beruhe „auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen“.

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    Ein Lob von Mister Microsoft persönlich bekommt Angela Merkel für ihre Corona-Politik. Die Kanzlerin versuche, „eine Führungsfigur und eine klare Stimme“ in Deutschland zu sein, flötet Bill Gates bei einem Interview mit der „FAZ“ und basht im gleichen Atemzug US-Präsidenten Donald Trump. Während Merkel so Unterstützung für den deutschen Lockdown findet, stellt Parteikollege Armin Laschet ganz andere Fragen: „Welche Schäden richten wir an, wenn wir so weitermachen?“ Er ist sozusagen der Anführer der „Stockholm-Fraktion“ (in Schweden ist man bei Restriktionen sehr liberal), als deren Philosoph wiederum Wolfgang Schäuble auftritt. „Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig“, sagte der Bundestagspräsident dem „Tagesspiegel“. Die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde schließe „nicht aus, dass wir sterben müssen“. Schließt sie aber nicht ein, dass wir leben sollen?

    Quelle: Reuters
    Ein Großteil der Lufthansa-Flotte muss durch die Coronavirus-Krise am Boden bleiben.

    Sicher ist: Die unter chronischer Fluglosigkeit leidende Lufthansa braucht rund zehn Milliarden Euro vom Staat. Unsicher ist: Wie kann das viele Geld zu dem Unternehmen fließen, das der öffentlichen Hand bis 1963 ganz und bis 1997 teilweise gehört hat. SPD, Grüne und Linke wollen eine direkte Beteiligung mit Mitsprache und Jobgarantien, der Union dagegen geht das viel zu weit. „Auch bei einer stillen Beteiligung muss sich die Lufthansa an die Regeln des staatlichen Rettungsschirms halten, etwa bei der Auszahlung von Dividenden“, sagt uns CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann. Den Streithähnen könnte ein Blick auf die Rettungsmanöver nach der Finanzkrise 2008 helfen – wo die urkapitalistischen USA mit ihren Notverstaatlichungen 48 Milliarden Dollar verdienten, die Deutschen aber mit ordnungspolitisch korrekten Garantien rund 46 Milliarden Dollar verloren. Der von öffentlichen Geldern abhängige Lufthansa-CEO Carsten Spohr will im Übrigen die Flotte um 100 Jets verkleinern – und damit, rein rechnerisch, den Personalstand um 10.000 Köpfe.

    Das Phantom dieser Tage ist die berühmte Corona-Tracing-App. Wie eine Drohne kreist sie über die immergleichen Debatten, doch zu sehen ist noch nichts von ihr, obwohl Mitte April als Starttermin genannt war. Ihre Entwicklung werde noch mehrere Wochen dauern, kündigt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Er besteht jetzt nicht mehr auf Datensteuerung durch einen zentralen Speicher und hofft stattdessen, dass die dezentrale Variante über einzelne Handys – die miteinander kommunizieren – besser akzeptiert wird. Dafür hatten Grüne, FDP, Linke und Datenschützer, aber auch Apple und Google plädiert. Auf die Betriebssysteme der beiden Internet-Giganten kommt es künftig an. Das Fürstentum Liechtenstein rüstet unterdessen 2200 Freiwillige mit biometrischen Armbändern aus, die Corona-Infektionen frühzeitig anzeigen sollen.

    Über Homeoffice wurde zuletzt nicht mehr nur geredet, es wurde – gezwungenermaßen – praktiziert. Aus diesen Erfahrungen zieht der in der Ankündigungs- und Projektarbeit höchst lebendige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) den Schluss, das Recht auf Homeoffice solle für die Zeit nach der Coronakrise gesetzlich verankert werden. Motto: Wo es ein Recht auf Arbeit gibt, darf ein Recht auf Heimarbeit nicht fehlen. Viel Unheil befürchten dagegen die Deutschen Arbeitgeberverbände. „Politische Ladenhüter aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen“, sagt Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter: Deutschland brauche ein „Belastungsmoratorium“ statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränkten.

    Quelle: dpa
    Es gibt wilde Spekulationen um Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

    Und dann ist da noch Kim Jong Un, Nordkoreas Beitrag zur Schar autoritativer „Führer“ auf dem Globus. Seit zwei Wochen ist der Mittdreißiger nicht mehr aufgetreten, was prompt zu Spekulationen aller Art führt. Angeblich sei der zur Korpulenz neigende Raucher Kim am 12. April am Herzen operiert worden und erhole sich derzeit davon, heißt es. Andere wähnen ihn schon tot. Sein Privatzug wiederum soll von US-Spezialisten an der Ostküste des Landes gesichtet worden sein. Zur Eindämmung schlimmster Spekulationen verbreiten die nordkoreanischen Staatsmedien die Nachricht, Kim habe seine Wertschätzung all jenen Arbeitern übermittelt, die Häuser in einer nördlichen Grenzstadt bauen. Das alles erinnert an einen Spruch von Mark Twain: „Der Bericht über meinen Tod wurde stark übertrieben.“

    Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit beim Start in die Mundschutz-Woche.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Mister Microsoft verteilt Lob und Tadel an Merkel und Trump"

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    • Ein Konjunkturprogramm gegen die Corona-Rezession könnte uns beim Klimaschutz spürbar voranbringen und damit Milliarden an CO2-Strafzahlungen vermeiden. Also ist es sinnvoll, nur Investitionen in saubere Zukunftstechnologien zu fördern. Ein erster, schneller Schritt muss die Aufhebung des 52 Gigawatt Photovoltaikdeckel sein. Dadurch können in den nächsten Wochen Tausende Arbeitsplätze in der PV-Branche gerettet werden.

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