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Morning Briefing Neue Chance für Giffey

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

angenommen, die SPD würde sich erst jetzt auf die Suche nach einem neuen Chef oder einer neuen Chefin machen, dann könnte sie sich eine aufwendige Castingshow – wie sie jüngst zu erleben war – sparen. Eine natürliche Kandidatin würde sich aufdrängen: Franziska Giffey, Politikerin des zupackenden, dünkelfreien Typs. Der Doktortitel werde der Bundesfamilienministerin nicht aberkannt, teilte jetzt die Freie Universität Berlin nach langer Prüfung mit. Das Universitätspräsidium habe einstimmig entschieden, ihr für die Dissertation über „Europas Weg zum Bürger“ eine Rüge zu erteilen: Es gebe zwar Zitier-Mängel, aber das Gesamtbild rechtfertige nicht die Streichung des Doktortitels. In diesem Fall wäre Giffey zurückgetreten. Nun wäre sie zumindest eine adäquate Co-Chefin neben Olaf Scholz oder Norbert Walter-Borjans.

Es sieht ganz so aus, als würden PSA (Peugeot-Citroën) und FCA (Fiat Chrysler) heute den Beweis für den anhaltenden Zug zur Größe in der Autoindustrie liefern. Gestern habe laut Berichten zunächst der Verwaltungsrat von PSA einer Fusion zugestimmt, später soll der Aufsichtsrat der Firma FCA gefolgt sein. Es gebe laufend Diskussionen, die darauf abzielen, eine Konsolidierung zu erreichen, teilt FCA offiziell mit. Der französische Staat als PSA-Aktionär preist diese Form der Anpassung. Nach der Eheschließung rücken die Vermählten mit einem Absatz von knapp neun Millionen Fahrzeugen auf Platz vier der Welt (hinter VW, Renault-Nissan und Toyota). Offenbar will PSA seinen Anteil am Zulieferer Faurecia abspalten, Fiat denkt an fünf Milliarden Sonderdividende.

Quelle: AP
Twitter wird weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung verbreiten.
(Foto: AP)

Wer viel verdient, will naturgemäß, dass sich nichts ändert. Erfolg macht strukturkonservativ. Und ein Nettogewinn von 6,1 Milliarden Dollar im Quartal kann ganz schön strukturkonservativ machen. So erklärt sich, dass Mark Zuckerberg bei Facebook – wie gehabt – politische Werbung zeigen will, selbst wenn sie sachlich falsch ist, wie jüngst eine von US-Präsident Donald Trump bezahlte Abträglichkeit gegen seinen mutmaßlichen Gegenkandidaten Joe Biden. Ganz anders macht es Jack Dorsey, Co-Gründer und CEO des Kurznachrichtendiensts Twitter: Er lässt generell keine politischen Anzeigen mehr zu. Online-Werbung berge in der Politik „erhebliche Risiken“, so Dorsey, weil sie die Wahlen beeinflussen.

Unter dem permanenten Druck von US-Präsident Donald Trump nähert sich die US-Notenbank Fed immer stärker der Leicht-Geldpolitik der Europäischen Zentralbank an. Jetzt senkte sie den Leitzins um 0,25 Punkte auf eine Spanne zwischen 1,5 und 1,75 Prozent ab. Dabei bemühte sich Fed-Chef Jerome Powell, den von Trump geschürten Erwartungen zu entsprechen und noch mehr „easy money“ zu ermöglichen: Die Geldpolitik sei 2019 gut positioniert. Das kann man wohl sagen, denn die US-Wirtschaft hat mit 1,9 Prozent Wachstum zwischen Anfang Juli und Ende September mehr Dampf als die wichtigen europäischen Industrieländer.

Die Garantie auf Schlagzeilen ist eine Eigenheit der Deutschen Bank. Jetzt geht die Angst der Kunden vor dem Negativzins um, den ursächlich Finanzinstitute bei der Europäischen Zentralbank (derzeit minus 0,5 Prozent) für Einlagen zahlen müssen. „Wir erwägen über alle unsere Geschäftsbereiche hinweg, negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben“, lautet das dazugehörige Zitat von Finanzchef James von Moltke bei Bloomberg TV. Das dazu passende ökonomische Event liefert die P&L-Aufstellung: 942 Millionen Euro Quartalsverlust. Das Haus steht vor dem fünften Minusjahr in Folge. Betroffen vom Minuszins sind zuerst institutionelle Kunden sowie Konzerne.

Quelle: dpa
Proteste in Chile

Chile fällt für Veranstaltungen größerer Art erstmal aus. Das Land, das unter dem von 1974 bis 1990 regierenden General Augusto Pinochet einen eisenharten „Chicago-Boys-Kapitalismus“ praktizierte und sich danach mühsam zur sozialen Demokratie befreite, leidet unter heftigen Unruhen. Deshalb hat Präsident Sebastián Piñera nun überraschend den UN-Klimagipfel (2.-13. Dezember) in der Hauptstadt Santiago abgesagt – als Ersatz bietet Nordrhein-Westfalen die Stadt Bonn an. Auch der Asien-Pazifik-Gipfel im November muss ausfallen. Die Regierung will sich ganz der Befriedung im Land und nötigen Reformen widmen, mit steigenden Löhnen und Renten. Wir erinnern uns an den großen Nationaldichter Pablo Neruda: „Du kannst so viele Blumen ausreißen, wie du willst, doch den Frühling wirst du nicht aufhalten.“

Einen traurigen Rekord fährt Porsche ein. Das Modell „Cayenne S Diesel“ mit 4,2-Liter-Motor übertrifft den zulässigen Stickoxid-Grenzwert um fast zwölf Mal – 2146 Milligramm pro Kilometer gegen 180 Milligramm. Dieser Porsche sei „neuer Negativ-Spitzenreiter“, erklärt die Deutsche Umwelthilfe, Erzfeind der deutschen Autoindustrie. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks hat das Kraftfahrzeug-Bundesamt den Cayenne-Sünder bereits vor 14 Monaten zurückgerufen, alle „unzulässigen Abschalteinrichtungen“ seien zu entfernen. Ein Software-Update für rund 5000 betroffene Fahrzeuge liegt allerdings bis heute nicht vor.

Souveränität“ ist ein großes Wort, ein Schlüsselwort für Europa im Kampf der Blöcke. Die EU habe heute die Aufgabe, Europas Souveränität zu verteidigen, „sonst werden wir zur Käsescheibe auf einem amerikanisch-chinesischen Sandwich“, mahnte Clément Beaune, Top-Berater von Staatspräsident Emmanuel Macron, beim French-German Business Forum, das wir zusammen mit „Les Echos“ zum sechsten Mal begleiteten. Wenn Macron in einigen Tagen als erster europäischer Spitzenpolitiker eine Handels-Propagandamesse in Schanghai besucht, werde er in Abstimmung mit Berlin Europas Interessen vertreten, so Beaune: „Wir dürfen keine widersprüchlichen Signale in Richtung China senden.“ Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) reist mit.

Wer nach einem Fallbeispiel sucht, wie sich ein 120 Jahre altes deutsches Familienunternehmen in digitalen Zeiten neu erfindet und es dabei wie in einer Wäscheschleuder rumpelt, sollte unsere Geschichte über Miele lesen. McKinsey lieferte Ideen für das Programm, das jährliche Einsparungen von 190 Millionen Euro, Kürzungen von 1070 Stellen sowie die Aufteilung in acht völlig autarke Einheiten vorsieht, die an die fünf Geschäftsführer berichten. Die Kommandostelle für Digitalkompetenz in Marketing und Vertrieb sitzt künftig in Amsterdam, nicht mehr in Gütersloh. Dass Miele nun mehr Waschmaschinen im polnischen Ksawerow herstellt, sieht IG-Metall-Geschäftsführer Thomas Wamsler kritisch: „Man muss sehen, was Miele aufs Spiel setzt, da wird ja auch ein Image zerstört.“

Und dann ist da noch die faszinierende Stadt New York, die für Essensfreunde traditioneller Art etwas gänzlich Unfaszinierendes tut: Sie verbietet Foie gras. Der Verkauf der angefetteten Leber von Gänsen oder Enten in Restaurants oder Feinkostläden wird vom Stadtparlament untersagt, da die Tiere leiden würden – was die Produzenten bestreiten. Das beschlossene Gesetz sieht ab 2022 zwischen 500 und 2000 Dollar Strafe und bis zu einem Jahr Gefängnis vor. Aus Tierschutz wird künftig auch der Einsatz von Pferden eingeschränkt, die Kutschen mit Touristen rund um den Central Park ziehen. Wer sich New York, die Stadt, die ethisch niemals schläft, noch leisten kann, wird künftig auf einiges verzichten müssen.

Ich wünsche Ihnen einen genussvollen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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