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Morning Briefing Papst kontra Matteo Salvini

2 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vier von fünf Italienern sind katholisch, doch bei Europas wichtiger Flüchtlingsfrage folgen sie nicht Papst Franziskus, ihrem Oberhaupt. Ihnen bedeutet es ziemlich wenig, dass der Pontifex schon seit Langem mehr Solidarität mit verzweifelten Flüchtlingen einfordert und am Sonntag im Petersdom eine Messe für 250 Geflüchtete und ehrenamtliche Betreuer las. Der aktuelle Held der Katholiken heißt Matteo Salvini, ist Innenminister der rechts-konservativen Partei Lega und will heute im Justiz- und Verfassungsausschuss die Arbeit an neuen Sicherheitsgesetzen abschließen. Seenot-Rettern drohen dann drastische Strafen, das jeweilige Schiff soll sofort beschlagnahmt werden. Salvini verabsolutiere die Angst der Leute vor Migration, „um das zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist, nämlich unmenschliche Gesetze“, resümiert Jesuitenpater Bartolomeo Sorge, ein enger Freund des Papstes. Bei Anton Tschechow klingt es eleganter: „Das Übel ist nicht, ein paar Feinde zu hassen, sondern unsere Nächsten nicht genug zu lieben.“

Quelle: dpa
BASF-Chef Martin Brudermüller musste eine Gewinnwarnung für seinen Konzern herausgeben.

Die Wette auf eine Erholung des Automarktes, vor allem in China, geht nicht auf für einen Mann, der bis vor Kurzem als glorreicher Newcomer in der Szene der Dax-Chefs galt. Jetzt aber muss Martin Brudermüller von BASF eine herbe Gewinnwarnung herausgeben: Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde 2019 um bis zu 30 Prozent unter dem Niveau von 2018 liegen. Auch werde der Umsatz leicht sinken. Im zweiten Quartal brach er um vier Prozent ein. Die globalen Wirtschaftskonflikte, also der handelsübliche Trumpismus im Rohzustand, setzt auch dem Vorzeigekonzern aus Ludwigshafen zu.

Zum eskalierenden Atomstreit mit dem Iran macht unser International Correspondent Mathias Brüggmann einen kernigen Vorschlag, den ich Ihnen nicht vorenthalten will. „Europäer, kauft iranisches Öl!“, fordert er im Leitartikel. Teheran könnte dann die nun verkündete Verletzung des Atomabkommens (Stichwort Urananreicherung) wieder korrigieren und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Es sei schon bemerkenswert, schreibt er, wie groß bei den Deutschen die Lücken zwischen den Appellen zum Multilateralismus und dem „Zu-Kreuze-Kriechen vor Trumps Iran-Politik“ sei. Hätten Willy Brandt und Helmut Schmidt die gleiche Unentschlossenheit gezeigt wie ihre heutigen Nachfolger, das Erdgasröhrengeschäft der Deutschen mit Moskau würde es wohl bis heute nicht geben.

Gewaltig ist der Umbau, den sich die Deutsche Bank vorgenommen hat. CEO Christian Sewing wirkt wie ein Terminator im Haus des Geldes. Doch die Börsianer glaubten gestern nicht an die Neuerfindung der Frankfurter, die Aktie gab teilweise um mehr als sieben Prozent nach. Viele werden den Kopf abwenden, wenn Sewing nicht wirklich wie avisiert bis 2022 Vorsteuergewinne in der neuen Firmenkundenbank, in der Privatkundenbank und im geschrumpften Investmentbanking von je zwei Milliarden Euro schafft, analysieren wir im Titelkomplex. Sorgen machen sich breit, dass das Eigenkapital für die Rosskur nicht reicht.

Quelle: dpa
In der estnischen Hauptstadt Tallinn ist Bus- und Bahnfahren für die Einwohner gratis.

Wie ein neuer Superstar der digitalen Zeit trat Estland auf: landesweit Gratis-WLAN, Busse und Bahnen umsonst in der Hauptstadt Tallinn, E-Government. Doch inzwischen tauchen Zweifel auf, ob der Musterschüler von einst noch so vorbildlich ist. Emissären des Internationalen Währungsfonds missfielen jetzt bei einer Visite stark steigende Löhne, grundsätzlich aber müssten die Esten mehr Geld in Bildung stecken. Auch könnte der versprochene ausgeglichene Staatshaushalt nicht erreicht werden und die Inflation pendelte sich bei stolzen 3,2 Prozent ein. Die Mitte-Rechts-Koalition hat im IWF einen starken Gegner gefunden.

Wenn er Parteichef der britischen Konservativen und Premier werden sollte, will Boris Johnson Zollfreilager wie in Singapur oder Genf schaffen. Das sind triste Orte hinter dicken Betonmauern, in denen Superreiche ihre Kunstwerke vor Steuerbehörden schützen. Sechs Orte hat der Ex-Außenminister bereits in Großbritannien geplant. Was es damit auf sich hat, kann Johnson heute Abend in einer TV-Debatte mit dem aktuellen Außenminister Jeremy Hunt erklären. Das Duell dürfte Eindruck bei den 160.000 Tories machen, die bis zum 23. Juli den Nachfolger von Theresa May bestimmen.

Das Bankgeheimnis in der Schweiz fiel, warum soll dann die Steuererklärung des Donald Trump geheim bleiben? New Yorks demokratischer Gouverneur hat jetzt den Weg frei gemacht. Er unterzeichnete einen Zusatz im Steuergesetz, wonach die Finanzbehörden bestimmte Details auf Antrag zugänglich machen dürfen. Der Kongress dürfte dies bald nutzen. Trump hatte sich, anders als seine präsidentiellen Vorgänger, sehr gehemmt gezeigt, seine Finanzen offenzulegen. Es könnte sich daraus zum Beispiel ergeben, dass der Polit-Unternehmer der Deutschen Bank mindestens 130 Millionen Dollar aus Immobilienprojekten schuldet.

Der Schauspieler hat bereits vor einigen Jahren die russische Staatsbürgerschaft angenommen. Quelle: AFP
Gérard Depardieu

Der Schauspieler hat bereits vor einigen Jahren die russische Staatsbürgerschaft angenommen.

(Foto: AFP)

Und dann ist da noch der Schauspieler Gérard Depardieu, 70, der sein Feinschmeckerlokal „La Fontaine Gaillon“ im Herzen von Paris verkauft hat. An diesem Donnerstag wird das Inventar versteigert, inklusive Weinkeller. Ebenfalls abstoßen will der Mime („Cyrano de Bergerac“) einige Weingüter und Pariser Feinkostläden. Depardieu hat sich, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen, so sehr von seinem Heimatland Frankreich entfernt, dass er die von Präsident Wladimir Putin persönlich angebotene russische Staatsbürgerschaft gerne akzeptierte. Wir denken, inspiriert von Monsieurs Pauillac- und Margaux-Flaschen, an den Bühnen-Altmeister Pierre Corneille: „Ich, ich, ich sag‘ ich, und das genügt.“

Ich wünsche Ihnen einen genussreichen Tag, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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2 Kommentare zu "Morning Briefing: Papst kontra Matteo Salvini"

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  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Es geht nicht um die Seenotrettung, das weiß auch Papst Franziskus. Jeder Christ und jeder halbwegs humane Mensch würde in Seenot Geratene zu retten versuchen.
    Es geht darum, dass diese Seenotretter die Geretteten nicht dorthin zurückbringen, von wo sie aufgebrochen sind! Und sie sind NICHT von einem europäischen Hafen aufgebrochen. Das weiß auch Papst Franziskus. Er ist zudem nicht nur Kirchenoberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch STAATS-Oberhaupt des Vatikanstaates. Er könnte sich also jederzeit dazu bereit erklären, ALLE geretteten Flüchtlinge in seinem Staat aufzunehmen und ihren Unterhalt zu bestreiten - absolut FREIWILLIG.