Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Pekings Ärgernis Hongkong

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn man mit chinesischen Delegationen, die unser Land besuchen, über Freiheit und Demokratie diskutiert, ist oft zu hören: „Eine schlechte Ordnung ist besser als gar keine Ordnung.“ Die Vorkommnisse in der Sonderverwaltungszone Hongkong müssen den Machthabern in Peking als ordnungsfreier Zustand vorkommen. Gestern legten Demonstranten in ihrem Protest gegen die chinesische Zentralregierung erneut den Flughafen lahm. Die Polizei reagierte mit Prügel und Pfefferspray. China wiederum lässt Panzer an der Grenze auffahren und verweigert zwei US-Kriegsschiffen die Einfahrt in den Hafen von Hongkong. Die Bitte der US-Administration an alle Seiten, ruhig und friedlich zu bleiben, beweist vor allem eines: dass genau dies nicht der Fall sein wird.

Quelle: Reuters
Der Infineon-Chef warnt vor einem weltweiten Tech-Konflikt.

Für die Volksrepublik China, die sich als politische und ökonomische Supermacht sieht, ist die Rebellion von Hongkong ein Angriff aufs kollektive Selbstwertgefühl. Der regionale Konflikt kontrastiert mit dem globalen Anspruch, die Führungsrolle der USA zu negieren. „Die USA versuchen, China auf Abstand zu halten“, analysiert Reinhard Ploss, CEO des Dax-Konzerns Infineon, im Handelsblatt-Interview: „Damit ist der Handelskonflikt eigentlich ein Technologiekonflikt.“ Europa müsse aufpassen, nicht zerrieben zu werden. Immerhin verschiebt der US-Präsident die avisierten Strafzölle von zehn Prozent auf Handys, Laptops, Spielzeuge und Textilien um dreieinhalb Monate auf Mitte Dezember. Diesen Schritt kommentieren die Börsen mit einem Jauchzer in Form leichter Kursanstiege.

Einen Premierminister zu stürzen, fällt auch dem Capitano-Kraftpolitiker Matteo Salvini schwerer als eine Sandburg zu bauen. Gestern scheiterte der Innenminister und Chef der rechtsextremen Partei Lega mit einem Misstrauensvotum gegen Regierungschef Giuseppe Conte. Der Aushilfspolitiker, der der „Fünf-Sterne“-Bewegung nahesteht, muss jetzt am nächsten Dienstag Bericht über die Regierungskrise erstatten. Salvini überrascht mit seiner Idee, das Parlament radikal zu verkleinern – was den Druck auf die Strategen von „Fünf Sterne“ erhöht, die einen solchen Vorschlag schon gemacht haben. An Neuwahlen ist in Italien jedenfalls nicht vor Ende 2020 zu denken. Und zu Salvinis Machtvorstößen fällt einem der Schriftsteller Alberto Moravia ein: „Der Unwissende hat Mut, der Wissende hat Furcht.“

„Rechnen wir mit dem Schlimmsten und hoffen auf das Beste“, sagt Hubertus Heil zur ökonomischen Lage. Darauf bereitet sich der SPD-Arbeitsminister mit einem „Arbeit-von-morgen“-Gesetz vor, das ihm einen Platz in der „Minister-von-morgen“-Riege sichern soll. Es sieht eine „Perspektivqualifizierung“ für Mitarbeiter auf freiwilliger Basis vor sowie längeres Kurzarbeitergeld für Menschen in einer Transfergesellschaft und mehr staatliche Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen. Das Manöver Heils ist als Prophylaxe zu loben: Heute könnte das Statistische Bundesamt verkünden, dass die Wirtschaft zwischen April und Juni leicht geschrumpft ist und das Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal sinken wird. Spätestens dann wird ein Horrorwort durch die Lande geistern: Rezession.

Seit langem hegt die Medienunternehmerin Friede Springer den Wunsch, ihren Verlag nach 34 Jahren wieder von der Börse zu nehmen. Wie weit sie damit gekommen ist, kommt heute bei der Vorlage der Halbjahreszahlen zur Sprache. Als Helfer und Guide beim geplanten „Delisting“ ist die New Yorker Private-Equity-Firma KKR eingeplant, die nach einem Übernahmeangebot knapp 30 Prozent der Springer-Aktien hält. Aus dem einst weltumspannenden Presse-Imperium sind nur noch „Bild“ und „Welt“ übrig geblieben, über deren Zukunft KKR mitbestimmt. Der wachsenden Unruhe im Haus begegnet der CEO Mathias Döpfner mit der Offerte eines Beteiligungsprogramms für Mitarbeiter, natürlich alles streng unabhängig und überparteilich.

Quelle: dpa
In Österreich ist es zu einer Hausdurchsuchung beim ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gekommen.

Die FPÖ, politische Skandalnudel Österreichs, meldet sich zurück. Es geht um die Zeit, als sie noch in der Regierung saß – und das Parteimitglied Peter Sidlo im Staatsbetrieb Casinos Austria AG einen sagenhaften Aufstieg zum Vorstand schaffte. Dabei hatte ein zuständiger Personalberater ihm die Eignung hierfür abgesprochen. Als Verbündeter erwies sich die Firma Novomatic, die eine Online-Gaming-Lizenz erhalten haben soll. Trotz der Dementi aller Beteiligten interessiert sich die Staatsanwaltschaft sehr intensiv für erhobene Korruptionsvorwürfe. Am Montag gab es Razzien, unter anderem bei Sidlo und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Vorsicht, Glücksspiel kann süchtig machen, nähere Infos zur Parteienfinanzierung bei Strache persönlich („Ibiza-Video“): „Novomatic zahlt alle.“

Und dann ist da noch die Freiheitsstatue auf Ellis Island vor New York, einst ganzer Stolz der amerikanischen Nation. Eine Inschrift lobt dort Einwanderer: „Gebt mir Eure Müden, Eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren...“ In einem Radiointerview dichtete nun der Leiter der US-Ausländerbehörde Ken Cuccinelli den Auszug aus dem Poem „The New Colossus“ von Emma Lazarus politisch genehm um: „Gebt mir Eure Müden, Eure Armen, die auf eigenen Füßen stehen können und nicht zur Belastung für die Öffentlichkeit werden.“ Der Mann fasst in Worte, was die US-Regierung plant: Wer auf Wohngelder oder Lebensmittelhilfen angewiesen ist, erhält keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Bei Donald Trump wird die Green Card zur schwarzen Liste.

Ich wünsche Ihnen – in aller Freiheit – einen erfolgreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing: Pekings Ärgernis Hongkong"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.