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Morning Briefing Quarantäne vor Weihnachten

23.11.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

üblicherweise lautet eine beliebte Frage kurz vor dem ersten Advent: „Gibt es weiße Weihnachten?“ In diesem Corona-Jahr besorgt die Menschen etwas anderes: „Können wir als Familie zusammen feiern?“ Heute reden die Chefs der Länder-Staatskanzleien über neue Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie, am Mittwoch entscheiden dann Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten. Die Beschlussvorlage vom Sonntag aus der Stube von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller signalisiert: Es reicht nicht. Es gibt zu viele Neuinfektionen, auch wenn die Deutschen die Zahl ihrer Kontakte um 40 Prozent reduziert haben. Die neue Formel zur Vorweihnachtszeit lautet deshalb: „Gemeinsame Kraftanstrengung“.

  • Der „Lockdown light“ (Kultur- und Gaststätten sowie Sport- und Nagelstudios geschlossen) wird bis zum 20. Dezember verlängert. Weitere Prolongationen bei unveränderter Problemlage um jeweils 14 Tage.
  • Schärfere Maßnahmen bis zum 17. Januar: Private Treffen nur mit dem eigenen und einem weiteren Haushalt mit insgesamt maximal fünf Personen erlaubt. Maskenpflicht in Arbeits- und Betriebsstätten.
  • Feuerwerk zu Silvester verboten, die Feier am Brandenburger Tor ist schon abgesagt.
  • In Covid-Problemzonen ist für Schüler ab der 7. Klasse Mund- und Nasenschutz obligatorisch.

Schon Jean-Paul Sartre befand: „Weihnachten – ein Fest der Freude. Leider wird dabei zu wenig gelacht.“

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    Quelle: dpa
    Die Beschlussvorlage aus der Stube von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller signalisiert: Es reicht nicht.

    Unsere Infektionsschutz-Regierung versucht, mit einer kleinen Modifikation doch noch Christkindl-Stimmung aufkommen zu lassen: Vom 21. bis zum 27. Dezember dürfen sich demnach auch mehrere Haushalte treffen, aber nur bis zu einer bestimmten Personenzahl.

    Von fünf oder zehn Menschen ist die Rede, was kinderreiche Familien in Bredouille bringen dürfte. Mit dieser Regelung soll „Weihnachten auch in diesem besonderen Jahr als Fest im Kreise von Familie und Freunden, wenn auch im kleineren Rahmen, möglich sein“, steht in der Beschlussvorlage.

    Empfohlen wird „möglichst mehrtägige häusliche Selbstquarantäne“. Zur Einordnung des Ganzen wird sich mancher am CDU-Politiker Friedrich Merz orientieren: „Es geht den Staat nichts an, wie ich mit meiner Familie Weihnachten feiere.“

    In dem Papier aus Müllers Büro ist auch die Rede von mehr finanziellen Hilfen für Betriebe und Notleidende. Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Kanzlerkandidat und Big Spender von der SPD, plant deshalb mit erheblich mehr Verbindlichkeiten für 2021, wie unsere Redaktion erfahren hat.

    Er will rund 160 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen statt der bisher geplanten 96 Milliarden. Mit 40 Milliarden können allein Unternehmer rechnen, zwei Milliarden sind für Krankenhäuser reserviert, 2,5 Milliarden für die vergünstigte Abgabe von Schutzmasken und 2,7 Milliarden für Impfstoffe.

    Fazit: Bei so viel Noteinsatz ist das Bremsgummi der sogenannten „Schuldenbremse“ inzwischen heiß gelaufen.

    Quelle: Reuters
    Der Gang der Ereignisse rund um die Frau, die mal „Kohls Mädchen“, dann wieder „Mutti“ war, ist bekannt.


    Viel Zeit dürfte Angela Merkel nicht darauf verwendet haben, all die aktuellen Lobhudeleien zum Ehrentag „15 Jahre Bundeskanzlerin“ zu studieren. Am Wahlabend 2005 war ihr bekanntlich von Gerhard Schröder im TV-Studio bescheinigt worden, seine SPD werde kaum auf ein Gesprächsangebot von Merkel eingehen, wenn sie Kanzlerin werden wolle: „Nun wollen wir doch die Kirche auch mal im Dorf lassen.“

    Der Gang der Ereignisse rund um die Frau, die mal „Kohls Mädchen“, dann wieder „Mutti“ war, ist bekannt. Heute lobt Christine Lagarde, oberste Zentralbankerin Europas, Merkel sei „heute eine der angesehensten politischen Führungspersönlichkeiten weltweit.“ Frankreichs Ex-Premier Jean-Marc Ayrault aber hat entdeckt, dass die deutsche Regierungschefin auch nervig sein kann, „denn sie ist manchmal sehr langsam, nicht super funky“. Aber was ist schon „super funky“? Vielleicht Michael Jackson: „Don't Stop 'Til You Get Enough“.

    Für die europäische Chipindustrie gilt: Wirtschaftlicher Erfolg resultiert aus Produkten, Misserfolg aus der Politik. Die großen Hersteller auf dem Kontinent fürchten, sie könnten die zuletzt guten Geschäfte nicht wiederholen, weil sie in den Streit zwischen den USA und China um die globale Technologiehoheit hineingezogen werden – wie ein Nachbar in den schmutzigen Ehestreit in der Wohnung nebenan.

    Die europäischen Hersteller brauchen China als größten Halbleitermarkt, müssen aber den Anweisungen der sanktionsmanischen Amerikaner Folge leisten, zeigt unser Report. So verbieten die USA bekanntlich Lieferungen an Huawei – der Konzern ST Microelectronics muss deshalb die florierenden Geschäfte mit dem Elektronikkonzern aus Shenzhen stoppen. CEO Jean-Marc Chery klagt: „Wir brauchen einen globalen Markt. Die Politik sollte alles unternehmen, dass das so bleibt.“

    Der Lesen-Hören-Sehen-Tipp des Tages weist auf eine „Reunion“, die im Jazz schon immer eine große Rolle gespielt hat. Diesmal fanden der Saxophonist Joshua Redman, Pianist Brad Mehldau, Bassist Christian McBride und Schlagzeuger Brian Blade 26 Jahre nach ihrem einzigen Album „Mood Swing“ wieder zusammen. „Round Again“ heißt logischerweise die handwerklich perfekte Produktion der vier Jazzer, die einst als „Young Lions“ gefeiert wurden.

    Das Quartett treibt in wechselnden Tempi Höhepunkten entgegen. Bis auf den Drummer hat jeder eine Eigenkomposition abgeliefert. Die eingängigsten Stücke kommen von Redman, etwa „Silly Little Love Song“. Dessen Kommentar zur Lage: „Der Jazz verträgt keine Abstandsregeln.“

    Quelle: dpa
    Michael Brecht, seit Amtsantritt 2014 insgesamt recht friedfertiger Betriebsrat von Daimler, wechselt nunmehr die Tonart.

    Und dann ist da noch Michael Brecht von Daimler, seit seinem Amtsantritt 2014 insgesamt recht friedfertiger Betriebsratschef. Der 55-Jährige wechselt nunmehr jedoch die Tonart: „Der Vorstand schießt über das Ziel hinaus. Die Belegschaft ist doch nicht der Feind“, sagt er meinen Kollegen Franz Hubik und Martin Murphy.

    Brecht ärgert sich, in wichtigen Fragen vom Management unter CEO Ola Källenius nicht eingebunden worden zu sein: bei der angekündigten Verlagerung der Produktion von Vierzylinder-Benzinmotoren nach China sowie der drohenden Abwicklung von Standorten im schwächelnden Lastwagengeschäft.

    Ohne Not habe man hier Tausenden Sachbearbeitern die 40-Stunden-Verträge gekündigt, klagt Brecht: „Das Management agiert hier absolut beratungsresistent.“ In dieser Woche lassen er und die Daimler-Betriebsräte der Truck-Standorte Protest-Postkarten ans Management schreiben. Die Mär vom „guten Stern auf allen Straßen“ ist in Stuttgart offenbar entsorgt worden.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Quarantäne vor Weihnachten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie lange wollen wir denn noch das gleiche falsche Konzept verfolgen?
      Testen, Kontakte nachvollziehen, Quarantäne? Überforderung!

      Wir müssen ein Vorwärts Strategie ergreifen. Mit dem Einsatz von viel viel mehr Schnelltests, die zwar eine etwas geringere Genauigkeit haben aber erheblich billiger sind, sollten wir die HOCHinfektiösen erkennen und Ihnen dabei helfen zu Hause zu bleiben und keine weiteren Menschen zu infizieren.

      Weg von Durchschnittsbetrachtungen ex Post, hin zur Vermeidung einzelner Epidemologisch schwerweigender Ereignisse.

      Mathematisches Beispiel: 100 Menschen mit einem Durchschnittseinkommen von 30.000€ sind einer schlecht belüfteten Gastwirtschaft, reden, singen, trinken, aber sind gesund. Jetzt tritt Bill Gates ein und schon sind alle Milliardäre. => Wäre mein (Gates)Beispiel ein hochinfektiöser Mensch (=Superspreader) würden alle infiziert.
      Der Zutritt des Superspreaders, des hochinfektiösen Menschen muss vermieden werden. Derjenige der irgendwo ins seiner Nase noch ein Viruspartikelchen hat ist vollkommen irrelevant!

      Die rückwärtsgewandte Methode ist bewiesenermaßen nicht wirksam!

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