Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Randale gegen den Rechtsstaat in Stuttgart

22.06.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Gesellschaft lebt von ein paar Spielregeln. Zum Beispiel, dass der Staat ein Gewaltmonopol hat sowie Eigentum schätzens- und schützenswert ist. All dies galt in der Nacht auf Sonntag in Stuttgart nicht, weshalb die Stadt nun in vielen internationalen Medien eine traurige Berühmtheit erlangt hat.

Nach einer Drogenkontrolle bei einem 17-Jährigen im Schlossgarten lieferten sich bis zu 500 Personen, meist aus der Party-Szene, stundenlange Kämpfe mit der Polizei. Geschäfte wurden geplündert. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) sieht eine Herausforderung des Rechtsstaats: „Wir werden diese Randalierer verfolgen und sie zur Rechenschaft ziehen.“ Ein neues Sicherheitskonzept von Polizei und Stadt soll verhindern, dass sich solche Stuttgarter Sommernächte wiederholen.

Quelle: dpa
Lufthansa-CEO Carsten Spohr versucht die Staatshilfe auf einem Krisengipfel zu retten.

Für die Deutsche Lufthansa ist dieser Montag ein denkwürdiger Tag, Auftakt einer Schicksalswoche. Grund eins: Man fliegt nach 32 Jahren aus dem Deutschen Aktien-Index (Dax). Die Pandemie stoppte das Geschäft. Grund zwei: CEO Carsten Spohr, die Minister Olaf Scholz und Peter Altmaier sowie der renitente Großaktionär Heinz Hermann Thiele absolvieren einen Krisengipfel zum geplanten Staatseinstieg. Eine Insolvenz ist aufgrund der divergierenden Meinungen nicht unwahrscheinlicher geworden. Grund drei: Angesichts all dieser Unsicherheiten zieht die Lufthansa die Zahlung der Juni-Gehälter auf den heutigen Montag vor. Man wolle „einen ungestörten Gehaltszahlungsverlauf gewährleisten“. Wenigstens die Moral soll nicht am Boden bleiben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Eine Art Abschiedsinterview gab uns Siemens-Chef Joe Kaeser, der de facto am 1. Oktober von Roland Busch beerbt wird. Zur Causa Corona sagt er, man müsse aus den vorhandenen Daten schnell die richtigen Schlüsse für die künftige Politik ziehen: „Es wäre fatal zu glauben, dass wir das Schlimmste bereits hinter uns haben. Alarmstufe Rot gilt weiter.“ Zur Bewältigung der nächsten Krise empfiehlt der 62-Jährige für Unternehmen, was für Banken längst Usus ist: „Wir brauchen eine Art Mindestreserve für Eigenkapital.“ Das gelte insbesondere im Falle hoher Dividenden oder gewaltiger Aktienrückkäufe.

    Zum Schluss scherzt Kaeser noch über seine Fehler („So dick kann das Handelsblatt gar nicht sein, dass man die alle aufschreibt“). Konkret bereut er, die im Öl- und Gasgeschäft aktive US-Firma Dresser-Rand für sechs Milliarden Euro gekauft zu haben. Der Ehrliche ist hier ausnahmsweise mal nicht der Dumme.

    Die Frage dieser Tage ist: Kann man Clemens Tönnies noch trauen? Dem 64-jährigen Großschlachter, der mit Subunternehmen und Werkverträgen arbeitet, und der 1331 positive Corona-Tests verkraften muss. Die Behörden, viele Politiker und auch ein Teil der eigenen Familie verlieren die Geduld mit dem Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück, der durch seine Rolle als Chefaufseher von Schalke 04 überaus prominent im Land ist. Tönnies spricht von einer „existenziellen Krise“, kann dabei aber nicht darauf setzen, dass bald eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird. Immerhin sieht NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) von einem Lockdown im Landkreis Gütersloh ab, trotz eines „enormen Pandemierisikos“. Die alte Wilhelm-Busch-Gewissheit „Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang“ ist im Fall Tönnies erst mal ausgesetzt.

    Quelle: dpa
    Die von Wirecard vermissten knapp zwei Milliarden Euro sollen nie das philippinische Geldsystem erreicht haben.

    Im Wirecard-Krimi kommt nun heraus, dass der Dax-Konzern auf den Philippinen just auf einen Treuhänder setzte, der wegen „fragwürdiger Geschäfte“ als Abteilungsleiter aus dem Verkehrsministerium geflogen war. Dieser Mark Tolentino also soll für die Deutschen bei zwei Banken sechs Konten mit fast 1,94 Milliarden Euro geführt haben – Geld, das das philippinische Geldsystem jedoch „nie“ erreicht habe, wie die Zentralbank des Landes jetzt mitteilte. Bankbelege waren gefälscht. Für den neuen CEO James Freis, der den zurückgetretenen Markus Braun ersetzt hat, ist die Suche nach dem verlorenen Geld ein Himmelfahrtskommando. Am frühen Montagmorgen gab der Vorstand jetzt bekannt, dass das verschwundene Bankguthaben „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ nicht existiert. In vielen Gerichtssälen dieser Welt wird noch zu klären sein, wie es zu diesem Rififi der digitalen Zeit kommen konnte.

    Seit mehr als sechs Jahren verhandelt die EU-Kommission mit China über ein Investitionsschutzabkommen. Es soll europäischen Firmen mehr Schutz und einen besseren Marktzugang in der Volksrepublik ermöglichen. Heute wollen Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel mit Chinas Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang per Videokonferenz über diese Sache reden, die auf einem EU-China-Gipfel in Leipzig im September zur Vollendung hätte reifen sollen. Leipzig ist wegen Corona abgesagt, und auch der Deal leidet an fehlender Dynamik. Brüssel will nun zur Lage in Hongkong kritische Anmerkungen machen, was den chinesischen Kommunisten um einiges weniger gefallen dürfte als ihrem Rivalen USA.

    Quelle: dpa
    US-Präsident Donald Trump hatte für seine erste Wahlkampfveranstaltung als gigantischer Event mit 19.000 Zuschauern angekündigt. Es erwies als lahmer Showact.

    Und dann ist da noch der große Kommunikator Donald Trump, der in der Vergangenheit dank Social Media weit gekommen ist, nun aber übers Netz regelrecht vorgeführt wurde. Sein als gigantisches Event angekündigter Wahlkampfauftakt in Tulsa im US-Staat Oklahoma erwies sich jedenfalls als lahme Show. Viele Plätze in der Arena, vor allem in den oberen Rängen, blieben unbesetzt. Offenbar hatten Jugendliche zuhauf über die in China entstandene Videoplattform TikTok Trump-Tickets geordert, die sie dann nicht nutzten. „Ihr wurdet von Teenagern auf TikTok auf die Schippe genommen“, spaßt die Abgeordnete der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez. Trump hat mit dem Schaden den Spott – und muss zudem verkraften, dass sechs Mitarbeiter seines Wahlkampfteams positiv auf Covid-19 getestet wurden.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche vor viel Publikum, das Ihnen hoffentlich wohlgesonnen ist.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Randale gegen den Rechtsstaat in Stuttgart"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich bin immer wieder dankbar, dass sich unsere Polizisten trotz übelster medialer Hetze und frustrierender Gerichtsurteile tagtäglich in den Kampf gegen "Jugendliche" und die "Partyszene" begeben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%