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Morning Briefing Rauer Wind bei Daimler

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vor allem in der Wirtschaft zählt ein Rilke-Wort wenig: „Sei jedem Abschied voraus!“ Das gilt bei Daimler für den lange Zeit fast glorreichen Dieter Zetsche, 65. Jetzt muss er morgen, kurz vor seinem CEO-Abgang, einen herben Ergebniseinbruch vermelden. „Der Wind wird rauer“, sagt Betriebsratschef Michael Brecht im Handelsblatt: „Wenn bei steigenden Stückzahlen die Ergebnisse schlechter werden, müssen wir die Effizienz erhöhen, keine Frage.“ Da auch Investoren wie Bert Flossbach meckern („Es geht darum, ob Daimler in zehn Jahren noch Bestand hat“) und der Handel endlich E-Trucks von Daimler für Lieferungen fordert, fühlt sich die Zetsche-Zäsur an wie ein Felssturz im Alpental.

Ära, wem Ära gebührt – heißt es dagegen beim Stuttgarter Nachbarn Porsche. Dort hört der populäre Betriebsratschef Uwe Hück, 56, nach 30 Jahren Knall auf Fall auf. „Ich gehe, wenn wir am besten sind“, sagt der einstige Thaiboxer, der auf Elektromobilität im eigenen Haus drang. Nun will das SPD-Mitglied nicht mit den Genossen, sondern mit einer eigenen Liste in seiner Heimatstadt Pforzheim in den Gemeinderat. „Wenn die SPD so weitermacht, wird sie ihr Erbe vernichten“, formuliert der Mann, der in seinem Büro zum Abschied auf eine Gelbweste zeigt und sich Sorgen um Deutschland macht.

Quelle: Reuters
Bill Gross: Der „Anleihen-König“ geht in Rente

Und weil wir beim großen Abschiednehmen sind, hat sich William H. „Bill“ Gross, 74, ein paar wärmende Worte verdient:  ein ausgebildeter Psychologe, der als Black-Jack-Spieler reüssierte und schließlich jahrzehntelang „König der Anleihen“ war. Ein Egomane des Geldes, den der Verkauf seiner kalifornischen Fondslegende Pimco an den Münchener Allianz-Konzern zum Milliardär gemacht hat. Sein Nachfolgejob bei Janus Capital endet jedoch im Fiasko. Gross widmet sich nun ganz seinem Privatvermögen und der Familienstiftung. Sein Ruf als Exzentriker gründet auf etlichen Stories, zum Beispiel jener, dass er seiner einstigen Ehefrau eine Villa übergeben habe, in deren Klimaanlage tote Fische lagen.  

Die Farewell-Geschichte Nummer vier an diesem Morgen handelt von Venezuela. Dort äußert sich der deutsche Soziologe Heinz Dieterich jetzt im Gespräch mit unserem Korrespondenten Alexander Busch. Staatspräsident Nicolás Maduro halte sich „nur noch ein paar Wochen“, sagt Dieterich, langjähriger Berater von Maduros Vorgänger Hugo Chávez, der sich im Land und bei den Sozialisten bestens auskennt. Der aktuelle Staatschef habe weder Geld noch Menschenmassen hinter sich, nur noch Propagandamedien und die Militärs, denen die USA jedoch bereits Amnestie angeboten hätten. Seine Prognose: „Maduro geht ins Exil. Niemand wird verfolgt.“

Deutschlands Jo-Jo-Aktie ist Mitglied der heiligen Dax-Familie und heißt Wirecard. Dieses Phänomen bewegt sich zwischen zwei Polen: schweren Verdächtigungen, gerne verbreitet von „Financial Times“ und begleitet von massiven Spekulationen auf Baisse („Leer-Verkäufe“), und andererseits bewegenden Appellen des Vorstands. CEO Markus Braun versichert uns, aktuelle Meldungen über eine Affäre seien eine „Non-Story“: „Die Finanzmärkte dürfen Wirecard auch in Zukunft voll vertrauen.“ Nur weswegen? Wegen 25 Prozent Kursgewinn am Tag? Es gibt auch einen juristischen Jo-Jo-Effekt: In Singapur, wo Whistleblower „Bobby“ über Verdacht auf Geldwäsche und Betrug geplaudert hat, dauern Ermittlungen an. Wirecard seinerseits erstattet Anzeige gegen unbekannt.

An diesem Dienstag stellt Peter Altmaier (CDU) seine „Nationale Industriestrategie 2030“ vor. Der Bundeswirtschaftsminister hat aus den geostrategischen Fein- und Grobarbeiten der Staaten USA und China – von der Digitalisierung über Energie bis zum Finanzwesen – den Schluss gezogen, dass Deutschland zur Industriepolitik finden muss. Nach dem Spruch „Viel Feind, viel Ehr“ sicherte sich der Saarländer damit einen Ehrenplatz in der Galerie der Gestalter. Man kann Altmaiers Enzyklika leider nicht als Förderungsaufruf für Forschung und Entwicklung und dergleichen auffassen, sondern eher als Bestands- und Entwicklungsgarantie für Siemens, VW, Thyssen-Krupp oder Deutsche Bank. Für den Jumbo-Plan gilt somit nicht, was für diese Konzerne gilt: „Too big to fail.“

Quelle: AFP
US Präsident Donald Trump: 60 Prozent seiner täglichen Agenda ist „Executive Time“.
(Foto: AFP)

Wenn Donald Trump in der Nacht zum Mittwoch endlich im US-Parlament seine Rede zur Lage der Nation halten darf, wird die „Executive Time“ keine Rolle spielen. Dieser Posten füllt 60 Prozent seiner täglichen Agenda, wie sich aus Unterlagen aus dem Weißen Haus ergibt, die die Website Axios publiziert hat. Der Begriff „Executive Time“ wurde eigens für den Präsidenten erfunden und bedeutet letztlich „Management by Zufall“ oder „Serendipity“, bestehend aus einer erratischen Abfolge von Telefonaten, Spontantreffen oder Twitter-Aktivitäten. Viel „Executive Time“ für seinen neuen Innenminister musste Trump nicht investieren: David Bernhardt, ein gestandener Öl- und Gas-Lobbyist, führt das Ministerium seit Wochen kommissarisch.  

Und dann sind da noch die Neurologen der Washington University im amerikanischen St. Louis, die bedeutsame Geschlechterunterschiede gefunden haben. Danach sind weibliche Gehirne biologisch drei Jahre jünger als männliche – jedenfalls was den Stoffwechsel angeht. Die Diskrepanz entstehe im jungen Erwachsenenalter, so die Wissenschaftler nach Analyse ihrer Scans. Das könne auch erklären, warum Frauen geistig länger fit blieben als Männer. Als Beispiel mag die von 1837 bis 1901 regierende Queen Victoria dienen: „Die Männer sind nicht immer, was sie scheinen, allerdings selten etwas Besseres.“

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Tag mit vielen Geistesblitzen und  – natürlich – echter „Executive Time“. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor


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