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Morning Briefing Rechter Terror in Deutschland

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

einen Tag nach dem tödlichen Attentat in Halle wird das ganze Ausmaß des Anschlags sichtbar. „Was wir gestern erlebt haben, war Terror“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Der am Mittwoch festgenommene Tatverdächtige Stephan B. habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge „ein Massaker anzurichten“. Neben mehreren selbst gebauten Waffen seien allein in seinem Pkw etwa vier Kilogramm Sprengstoff sichergestellt worden. Man muss von Glück sprechen, dass es in Halle nicht mehr Opfer gegeben hat.

Quelle: dpa
Merkel hat Netanjahu ihre tiefe Betroffenheit über den antisemitischen Anschlag in Halle am Mittwoch ausgedrückt.

Kanzlerin Angela Merkel sagte, sie sei „schockiert und bedrückt von dem Verbrechen“. Im Laufe des Tages sprach sie mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. In dem Telefonat habe sie deutlich gemacht, so die Information des Bundespresseamts, „dass Deutschland fest zu seiner historischen Verantwortung stehe, jüdisches Leben zu retten“. Dass sich in Deutschland eine fremdenfeindliche, gewaltbereite Szene entwickelt hat, ist nicht erst seit dem Anschlag in Halle bekannt. Merkels Sicherheitsversprechen für jüdische Mitbürger sind so überfällig wie selbstverständlich.

Rassismus ist nicht nur gesellschaftlicher Sprengstoff, er gefährdet zudem die Grundlagen unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung. Wie kein anderes Land lebt das Exportland Deutschland von offenen Märkten und einer liberalen Gesellschaft. Widerstand gegen jede Form von Antisemitismus ist auch vor diesem Hintergrund erste Bürgerpflicht.

Führungswechsel bei SAP: Vorstandschef Bill McDermott ist völlig überraschend zurückgetreten, wie der Softwarekonzern in der Nacht zu Freitag mitteilte. Demnach hat McDermott entschieden, seinen bis 2021 laufenden Vertrag nicht zu verlängern und seine Position mit sofortiger Wirkung zu verlassen. Als gemeinsame Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat die Vorstandsmitglieder Christian Klein und Jennifer Morgan. Unter dem Amerikaner McDermott ist SAP zum wertvollsten Konzern Deutschlands aufgestiegen. Sein plötzlicher Rückzug wirft viele Fragen auf.

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gerät an ihre Grenzen. Denn mit der Neuauflage des Kaufprogramms für Staatsanleihen trocknet der Bondmarkt sukzessive aus. Die Folge: Die Zinsen für Staatspapiere fallen, für die meisten Bundespapiere sind sie bereits negativ. Gut für den Bund, schlecht für den Anleger. Experten warnen, dass Investoren bald die Lust auf Bundesanleihen verlieren könnten. Es gilt das Prinzip kluger Geldanlage: Sicherheit ja, aber nicht um jeden Preis.

Das umstrittene Bondprogramm setzt EZB-Präsident Mario Draghi auch von anderer Seite unter Druck. Nach einem Bericht der „Financial Times“ hat sich Draghi über die Empfehlung des geldpolitischen Ausschusses der Notenbank, das Kaufprogramm nicht neu aufzulegen, hinweggesetzt. Beratungsresistenz war noch nie ein guter Ratgeber. Man kann nur hoffen, dass sich die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde wenigstens in diesem Punkt von ihrem Vorgänger unterscheidet.

Quelle: action press [M]
Thyssen-Krupp versinkt derzeit im Chaos.
(Foto: action press [M])

Unsere heutige Titelgeschichte „Ausgebrannt beschreibt den Abstieg der deutschen Industrie-Ikone Thyssen-Krupp. Wie kaum ein anderes Unternehmen lieferte der Ruhrkonzern den Rohstoff für den industriellen Aufstieg Deutschlands: Kohle und Stahl. Die Familien Krupp und Thyssen waren Wirtschaftsdynastien. Heute ist Thyssen-Krupp nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit mehr als 161.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 43 Milliarden Euro erzielt der Konzern nur noch einen homöopathischen Gewinn von 60 Millionen Euro. Zu wenig, um als zukunftsfest zu gelten.

Rettungsversuche hat es bei Thyssen-Krupp reichlich gegeben. In 18 Monaten haben drei Chefs drei Umbaupläne angeschoben. Der aktuelle Masterplan bedeutet einen historischen Schnitt für den Traditionskonzern. Mit dem geplanten Verkauf der Aufzugssparte schrumpft der Konzern auf die Bereiche Stahl und Werkstoffhandel zusammen. Der jüngste Strategiewechsel ist nicht nur risikoreich, er ist vor allem erklärungsbedürftig. „Es ist nicht gelungen, eine konsistente und nachhaltige Unternehmensstrategie zu entwickeln“, kritisiert IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im Handelsblatt-Interview. Es ist nicht die einzige Klage gegen die neue Strategie.

Das Handelsblatt Magazin feiert mit der aktuellen Oktober-Ausgabe seinen fünften Geburtstag. „Seit wir Wirtschaft derart persönlich nehmen, macht sie vielen Handelsblatt-Kollegen noch mehr Spaß“, sagt mein Chefredaktions-Kollege Thomas Tuma, der auch das Magazin steuert. In dieser Ausgabe unter anderem zu finden: ein großer Report über Dior und die erste Frau an der Spitze des Hauses, Maria Grazia Chiuri, sowie ein Porträt über die norditalienische Familienfirma Minotti.

Die Mischung aus Hochglanz und Tiefgang, Business, Lifestyle und Eleganz hat viele Freunde gefunden. Das wollen wir feiern, am kommenden Donnerstagabend in München. Wenn Sie bei der kleinen Party mit Freunden und Förderern des Magazins dabei sein wollen, schreiben Sie mir. Eine Handvoll Karten habe ich für die Morning-Briefing-Leserinnen und -Leser reserviert: [email protected].

Und dann ist da noch Sylvie Goulard. Die französische Kandidatin für die EU-Kommission ist mit großer Mehrheit vom Europäischen Parlament abgelehnt worden. Die Abstimmungsniederlage ist ein Affront für Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, der von der künftigen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nun wissen will, wie es zu diesem Debakel kommen konnte. Wir lernen zweierlei: Der neue Sonnenkönig in Paris hasst Niederlagen. Und das deutsch-französische Verhältnis bleibt verspannt.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes und sonniges Wochenende.
Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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