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Morning Briefing Reiserückkehrer werden zum Corona-Infektionsrisiko

27.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche wird deutlich werden, dass der Urlaub des Coronavirus vorbei ist. Hauptgrund sind Urlauber – genauer: Reise-Rückkehrer aus Infektionsrisikogebieten. Selbst das beschauliche St. Wolfgang am Wolfgangsee, bestens bekannt aus Helmut Kohls Strickjackenregentschaft, ist auf einmal Hotspot. Das Virusproblem ist Teil des Gepäcks.

  • Das Gesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) erwägt für Risikotouristen eine Testpflicht – und damit eine drastische Verschärfung angelaufener Maßnahmen, die sicherlich vor dem Verfassungsgericht landen würde.
  • Die Flughäfen in München, Düsseldorf, Köln, Nürnberg und Dortmund bieten bereits seit kurzem kostenlose Covid-19-Untersuchungen an. Weitere Airports dürften folgen.
  • Auch FDP-Chef Christian Lindner ist für Testpflicht bei Risikourlaubern – und zwar auf deren eigene Kosten.

Die Debatte brandet auf, weil die Zahl der Neuinfektionen hierzulande wieder deutlich steigt: am Freitag um 815, am Samstag um 781 neue Fälle. Dass sich in einem Agrarbetrieb im niederbayerischen Mamming jetzt mindestens 174 Erntehelfer infiziert haben, gilt vielen als Warnung. Und es kann noch schlimmer kommen: Großbritannien zum Beispiel erlässt eine 14-tägige Quarantänepflicht für Spanien-Heimkehrer.

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    Quelle: dpa
    Continental-Chef-Elmar Degenhart rechnet mit „einem sehr schwierigen dritten Quartal“ für die Autoindustrie.

    Das Börsenspiel dieser Tage: Je stärker die Stimmung in der Wirtschaft sinkt, desto kräftiger steigen die Aktienkurse. Der Anlage-Notstand ist offenbar größer als der Corona-Notstand. Was da draußen, jenseits des Börsenparketts, wirklich los ist, verdeutlichen Alarmverlustzahlen von Dax-Konzernen im zweiten Quartal: Covestro minus 32 Millionen Euro, BASF minus 878 Millionen, Daimler minus 1,9 Milliarden.

    Dass dies nur der Anfang einer Problemserie ist, verdeutlicht unsere Titelgeschichte. Er rechne mit „einem sehr schwierigen dritten Quartal“ für die Autoindustrie, sagt Continental-Chef Elmar Degenhart: „Wir erreichen frühestens 2025 wieder das Niveau von 2017.“ Irgendwann werden solche Lageberichte auch im „Raumschiff Börse“ ankommen.

    Als „Bilanzpolizei“ wurde die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) lange gerühmt, die im Zusammenspiel mit der Bafin im Großbetrugsfall Wirecard so jäh versagt hat. Wenn man heute die selbstbeweihräuchernde DPR-Jubiläumsbroschüre 2015 zum zehnjährigen Jubiläum liest, ist Schmunzeln garantiert.

    Da preist etwa Peter Hommelhoff, früher Rektor der Universität Heidelberg, das „deutsche Enforcement-System“ als „einzigartig und gut“. Die anderen EU-Staaten setzten dagegen „auf eine Aufsichtsbehörde und ausschließlich hoheitliche Bilanzkontrolle durch sie“. Deutschland liefere im internen Wettbewerb in der EU eine Blaupause und lasse eine bessere Bilanzkontrolle erwarten als etwa das amerikanische SEC-System, so der Professor. Nach dem – Note: ungenügend – nicht bestandenen Praxistest ist es nur zu logisch, dass die EU-Kommission künftig Firmen wie Wirecard der EU-Bankenaufsicht unterstellen und die Regeln für Wirtschaftsprüfer verschärfen will.

    Das stolze Emirat Katar, dessen Vertreter etwa die größten Aktionäre der Deutschen Bank sind, hat ein Grundproblem: Es liegt inmitten einer Krisenregion. Im Jemen tobt der Bürgerkrieg, die Beziehungen zu den arabischen Nachbarn sind „on the rocks“.

    Kein Wunder, dass man sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in besonderem Ausmaß vor Drohnenangriffen auf Stadien schützen will. Erste Wahl ist dabei Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus München, berichten meine Kollegen. Leider habe der dazu ausersehene Gepard Flak-Panzer 1A2 bei Demonstrationsübungen „Waffenabgangsfehler“ produziert, heißt es jedoch in einem internen Bericht über angefallene Fehlschüsse. Ob die deutschen Fußballer 2022 besser treffen, ist noch nicht sicher. Aber zur Gepard-Bestellung für die WM dürfte es auf jeden Fall kommen.

    Quelle: dpa
    Der Ehemaliger SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

    Es gibt zwei grundlegende Dinge, die Hans-Jochen Vogel anders hielt als die darauffolgende „Enkel-Generation“ seiner SPD. Eine Kapitalisierung persönlicher Kontakte durch Akkumulation von Aufsichtsrats- und Beraterposten war ihm ebenso fremd wie die Flucht in eine andere Partei. Der Politiker mit ethischem Gewebe, der als Bundesminister (Bau, später Justiz), Regierender Berliner Bürgermeister (für vier Monate), Partei- und Fraktionschef sowie Kanzlerkandidat bundespolitisch bekannt wurde, blieb doch immer der Metropole München zugewandt, seiner Heimat.

    Vor zwölf Jahren unterhielt ich mich mit ihm unter anderem über seine Zeit als Münchener OB mit Olympia 72, S- und U-Bahnbau und über sein „Spiegel“-Interview 1964 mit dem Bonmot von der „verborgenen Hauptstadt“. Im Münchener Rathaus blätterte der Jurist durch das alte Magazin-Heft und witzelte: „Ich darf überrascht sein“ und kommentierte sogar das Foto eines stadtbekannten Playboys („Aha, der Graser, meine Güte“).

    Umgetrieben hat den Sozialdemokraten stets das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit. Er wollte es vor allem im überhitzten Immobilienmarkt gewahrt wissen und forderte noch im vorigen Jahr in einem Buch eine bessere Bodenordnung im Sinne der Allgemeinheit sowie einen Damm gegen Spekulanten und „leistungslosen Gewinn“. Das 80-Seiten-Werk ist das Vermächtnis des Grandseigneurs der SPD, den man wegen seiner Liebe zu Klarsichtfolien ein wenig verulkte, der sich aber noch bis zum Schluss aufrecht einmischte, ein Garant von Glaubwürdigkeit. Einer, für den das vereinte Europa Pflicht war. Am Sonntag ist das politische Vorbild, dessen Bruder Bernhard in der CDU Karriere machte, im Alter von 94 Jahren verstorben.

    Quelle: Reuters
    Ex-Co-Chefin des Hedgefonds Bridgewater, Eileen Murray, verklagt ihren früheren Arbeitgeber auf Abfindungszahlungen.

    Und dann ist da noch Eileen Murray, einst als Co-Chefin des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater eine der mächtigsten Figuren der Finanzwelt. Nun ist bekannt geworden, dass sie ihren früheren Arbeitgeber verklagt, da er Abfindungszahlungen von bis zu 100 Millionen Dollar verweigere. Murray, die im April nach elf Jahren die von Ray Dalio gegründete US-Firma verließ, führt den Streit darauf zurück, dass sie sich öffentlich über Geschlechterdiskriminierung und ungleiche Bezahlung beklagt hat. Bridgewater habe ihr mitgeteilt, sie habe deshalb das Zehrgeld verwirkt. Diesen Konflikt wird Dalio, ein Anhänger der Transzendentalen Meditation, jedenfalls nicht mit Mitteln der Esoterik lösen.

    Ich wünsche Ihnen einen entspannten, diskriminierungsfreien Start in die Woche.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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