Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Reisewarnung für Hongkong

Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Entdeckungsreise Hongkong – der Slogan ist himmelhoch jauchzend, die Wirklichkeit eher infernalisch. Der „neue Glanz in alten Gassen“, von dem ein Reisebüroschaufenster in Hamburg kündet, hat sich jedenfalls unter dem wochenlangen Clash zwischen jungen Anti-China-Demonstranten und der Polizei verflüchtigt. Und aus dem flotten Werbespruch „Hongkong – live it, love it“ wird eine Reisewarnung von Außenminister Heiko Maas: „Wir betrachten das besorgt.“ Die Gewalt in den Straßen sei „in weiten Teilen nicht nachvollziehbar“. Die Wirtschaft wiederum sorgt sich um den Brückenkopf zum Hotspot Perlflussdelta. Love it? Leave it.

Zu den großen Illusionen der Jetztzeit gehört, dass sich unter dem Regime der Geldzinszerstörer in den Zentralbanken die bisher bekannten Konjunkturzyklen in eine sanft ansteigende Gerade verwandeln. Dass aus dem Wechsel von Hausse und Baisse also eine permanente Harmonie der Mittellage wird. Nun aber zeichnet sich, elf Jahre nach der Finanzkrise, das Ende dieser Voodoo-Ökonomie ab, was unsere Titelgeschichte analysiert. Deutschland schlittert in eine „technische Rezession“: minus 0,1 Prozent im zweiten Quartal, womöglich ein richtiger Einbruch im laufenden Quartal. Es herrscht Alarmstimmung, aber vor Panikherzen wird mit William Shakespeare gewarnt: „Schöne Blumen wachsen langsam, nur das Unkraut hat es eilig.“

Kurzfristig senken die Börsianer die Daumen. An der Wall Street sackten alle drei großen Indizes gestern um rund drei Prozent ab, der größte Rückgang des Dow Jones in diesem Jahr. Der amerikanisch-chinesische Zollzwist und die Auswirkungen auf den Handel drücken die Stimmung vollends. Ein Partycrasher ist auch das Phänomen der „inversen Zinskurve“: Erstmals seit 2007 liegt in den USA die Rendite kurzfristiger Anleihen (zwei Jahre) über derjenigen der langfristigen (zehn Jahre). Und die chinesischen Geschäfte entwickeln sich so schlecht wie seit 17 Jahren nicht mehr. Anders ausgedrückt: Es läuft so ziemlich alles verkehrt, aber das sehr konsequent.

Quelle: Reuters
Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank wolle seine bis 2022 laufende Amtszeit erfüllen, hieß es in Finanzkreisen.

Die Vorstände kamen und gingen, der Aufsichtsratschef blieb: So war zuletzt der Eindruck von vielen Freunden und noch mehr Feinden der Deutschen Bank. Jetzt aber zeichnet sich für den seit 2012 tätigen Chefaufseher Paul Achleitner, 62, eine Option ab: ein dankensreicher Abgang mit Zapfenstreich, spätestens mit Ende der Vertragslaufzeit im Frühling 2022. Seine beiden Hauptunterstützer im Aktionariat – der US-Fonds Cerberus und die Scheichs aus Katar – drängen dem Vernehmen nach auf einen Wechsel. Zuletzt wurde der beharrliche Österreicher auf der Hauptversammlung nur von 72 Prozent entlastet. Wir denken an Mark Twain: „Man kann die Welt oder sich selbst ändern. Das Zweite ist schwieriger.“

Dem liberalen Westen gehen allmählich die Führungsfiguren aus. Nun leidet auch Kanadas Premier Justin Trudeau: Er soll Einfluss auf Ermittlungen genommen haben, um das Aufkommen von News aus einer schwelenden Korruptionsaffäre zu verhindern. Im Zentrum steht der Baukonzern SNC-Lavalin aus Montreal – er hatte die Familie des einstigen libyschen Machthabers Gaddafi augenscheinlich mit umgerechnet mehr als 30 Millionen Euro finanziert. Zwei Monate vor der Parlamentswahl wurde der Premier nun von der Ethikkommission gerügt. Bis zur Wahl im Oktober muss Trudeau seine alte Form wiedergefunden haben.

SPD: Schwan und Stegner kandidieren für den Parteivorsitz Quelle: imago images / IPON, dpa - Bildfunk ( Montage )
Gesine Schwan, Chefin der SPD-Grundwertekommission, und Vizechef Ralf Stegner bewerben sich für den SPD-Vorsitz.
(Foto: imago images / IPON, dpa - Bildfunk ( Montage ))

Die Castingshow der SPD für die Besetzung des Chefpostens dürfte in den verbleibenden 15 Tagen noch für einige Höhepunkte sorgen. Deutschlands Traditionspartei betreibt Headhunting als quälende Selbsttherapie, Hoffnung und Verzweiflung wechseln munter ab. Vermisst wurde bisher eine sozialdemokratische Koryphäe, die sich auf Willy Brandts Spuren macht. Nun aber treten Gesine Schwan, Leiterin der Grundwertekommission, und Vizechef Ralf Stegner gemeinsam an, was zumindest auf neue Spannung schließen lässt. Schließlich hat Schwan erkannt: „Wir sind so schrecklich mutlos.“

Und dann ist da noch Woodstock, Symbol für die singende Gegenkultur der 1960er-Jahre. Heute vor genau 50 Jahren begann das Musikfestival auf den Wiesen und Äckern des Farmers Max Yasgur in Bethel im US-Staat New York. 500.000 wohnten dem Spektakel bei. Man weiß alle möglichen Kleinigkeiten in dieser Sache, weil sich drei Tage Musik & Peace (im Schlamm) zur weltweiten Marke ausweiteten, Filme und Platten inklusive. Santana, Ten Years After oder Joe Cocker hatten hier ihre erste große Stunde. Dem Initiator Michael Lang, 74, blieb jedoch im Chaos größerer Reichtum versagt, er musste vor lauter Schulden sogar Medienrechte verkaufen. Den Mythos Woodstock hielt der ewige Impresario durch Nachfolgefestivals, ein Buch und ein geplantes Broadway-Musical im Gespräch. Er genieße noch heute, versichert Lang, „jede Minute“ der Veranstaltung.

Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa
Startseite

0 Kommentare zu "Morning Briefing: Reisewarnung für Hongkong"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.