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Morning Briefing Reisewarnung für Spanien sorgt für Panikattacken auf Mallorca

17.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

für wen wird es die nächste Reisewarnung geben? Mitten im Sommerferien-Zyklus droht ein touristisches Land nach dem anderen auszufallen. Den Anfang machte am Wochenende ein Verdikt des Auswärtigen Amts gegen Spanien, inklusive der Balearen. Auf Mallorca ist daraufhin so etwas wie der Fremdenverkehrsnotstand mit Panikattacken ausgebrochen.

Ins Zentrum der Betrachtung rücken auch Kroatien und vor allem unser Nachbarland Frankreich, wo am Samstag 3310 neue Infektionsfälle registriert wurden. Der kritische Wert für Paris, ermittelt vom Robert-Koch-Institut, ist überschritten. Es gebe in Deutschland mehr Ansteckungen durch Reiserückkehrer, aber auch durch lokale Ausbrüche, die meist mit Feierlichkeiten zusammenhingen, warnt Gesundheitsminister Jens Spahn. Niemand wäre über neue Regeln und Grenzen für solche Events überrascht.

Quelle: dpa
Gesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU.

Den eigenen Coronatest-Flop kann das Bundesland Bayern entgegen aller Ankündigungen nur unvollständig korrigieren. Am vergangenen Mittwoch hatte die Regierung zunächst zugeben müssen, dass 44.000 Heimkehrer nach vielen Tagen immer noch kein Testergebnis erhalten hatten, darunter mehr als 900 Infizierte.

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    Nun stellt sich heraus, dass 46 der positiv Getesteten wohl nie mehr aufzufinden sein werden – es liegen hier offenbar nur leere Blätter vor, ein Identitätsnachweis fehlt. Man arbeite „unter Hochdruck“ an dem Problem, erklärt die ablösereif wirkende Gesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU. Im Zeugnis stünde: Sie hat sich „nach besten Kräften bemüht“ und ist trotzdem sitzengeblieben.

    In ihrer stupenden Autosuggestion der letzten Tage wirkte die SPD, als schrieben wir 1997 und als werde Olaf Scholz in einem Jahr der neue Gerhard Schröder sein. Die Verhältnisse rückt jetzt Robert Habeck zurecht, dessen Grüne in Umfragen mit 20 Prozent immer noch um einige Punkte vor den Sozialdemokraten liegen. Also gab der kommunikativ wiederholt mit Schusseligkeiten aufgefallene grüne Parteichef im ARD-Sommerinterview den großen Zampano, der die Union stürzen will: „Niemand kämpft um Platz zwei, der Zweiter ist. Wir kämpfen um die Führung im Land.“

    Auf die naheliegende Frage, wer von den ambitionierten Grünen als Kanzlerkandidat antrete, spielt Habeck erkennbar auf Zeit. Sich 13 Monate vor der Wahl festzulegen, meint er, das wäre so, als wenn man vor Anpfiff der Bundesliga schon auf den Platz laufe. Dort wird also unser Finanzminister noch ein paar weitere Wochen einsam im roten Leibchen seine Runden drehen.

    Heute, zweieinhalb Monate vor der US-Präsidentschaftswahl, beginnt der Nominierungsparteitag der Demokraten in Milwaukee – als weitgehend virtuelle Veranstaltung. Unter dem Motto „Amerika vereinen“ wird Joe Biden als Kandidat gekürt werden, so viel ist sicher. In Umfragen kommt der Ex-Vizepräsident derzeit auf 50 Prozent. Seine Stärke resultiert jedoch unmittelbar aus der Schwäche des Amtsinhabers Donald Trump, der auf nur 41 Prozent kommt. Da aber Biden selbst nicht gerade Enthusiasmus verbreitet, hat Trump am Ende noch alle Chancen einer Korrektur. Im Schlafwagen wird auch Joe Biden nicht zur Macht gelangen.

    Quelle: AP
    Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin.
    (Foto: AP)

    Wenn es nach den Bildern geht, die Symbole sind, ist die Lage in Belarus eindeutig. Nur 10.000 Claqueure brachte die von Alexander Lukaschenko zwecks Machterhaltung organisierte Demonstration am Wochenende zusammen. Der bestellte Jubel für Europas letzten Diktator wies erkennbar Blößen auf. Die Oppositionellen dagegen, aufgebracht durch eine plumpe Wahlfälschung und massive Staatsübergriffe, kamen bei ihrem „Marsch der Freiheit“ auf mehr als 100.000 Unterstützer.

    Ein wenig Beistand sicherte sich der Präsident in Minsk in dieser misslichen Lage durch ein Telefonat mit dem russischen Potentaten Wladimir Putin. Danach zeigte sich Russland bereit, gegebenenfalls bei einem Angriff von außen militärisch zu helfen – wie man sich halt so unter „Brothers in Arms“ verständigt.

    Als es die Sowjetunion noch gab, war deren Schützenpanzer BMP-1 auch beim Bündnispartner DDR populär. Nun stellt sich nach einer Enthüllungsgeschichte aus unserer Redaktion die Frage, wie 101 dieser Panzer aus den früheren Beständen der Nationalen Volksarmee (NVA) über Griechenland nach Ägypten kommen konnten. Dort pflegt Abdel Fattah al-Sisi bekanntermaßen das Modell einer rustikalen Diktatur.

    Während das Verteidigungsministerium auf Anfrage seine völlige Unkenntnis über den Verbleib der NVA-Altware dokumentiert, spricht eine öffentliche Meldung Griechenlands an das Waffenregister der Vereinten Nationen eine ganz andere Sprache: Danach läge bei den 101 Panzern ein „Export sale under transnational agreement“ vor. Schon in der Vergangenheit übrigens hat die Bundesregierung dem Nato-Partner in Athen den Weiterverkauf von BMP-1-Panzern generös erlaubt.

    Wenn die Nacht am dunkelsten ist, naht mit Gewissheit die Morgendämmerung. Corona habe uns vor allem im April und Mai schwer getroffen, „im Juni haben wir aber schon wieder ganz andere Daten gesehen“, sagt etwa Merck-Chef Stefan Oschmann. Infineon, RWE und Deutsche Telekom hoben sogar die Jahresprognosen an.

    Die Rückschau fällt allerdings sehr grau aus: Vor Steuern, Zinsen und einmaligen Rückstellungen verdienten die 30 Dax-Konzerne im ersten Halbjahr nur 12,4 Milliarden Euro, exakt 45,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Umsatz-Minus lag bei 13 Prozent, wie mein Kollege Ulf Sommer berechnet hat. Vor allzu großer Euphorie sei gewarnt: Das Licht am Ende des Tunnels, das kann manchmal auch nur die Frontbeleuchtung des entgegenkommenden Zugs sein.

    Nach dem bisher erfolgreichsten Börsengang der deutschen Biotech-Industrie geht die Tübinger Firma Curevac in die Offensive. Am vorigen Freitag hat sie sich an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq einen Wert von fast zehn Milliarden Dollar geschaffen, der Kurs je Aktie stieg beim IPO von anfänglich 16 Euro auf knapp 56 Euro. CEO Franz-Werner Haas bezieht im Handelsblatt-Interview Position.

    „Die Corona-Pandemie lieferte uns den Anlass, unsere Leistungsfähigkeit als Impfstoffentwickler unter Beweis zu stellen.“

    „Momentan ist das kein Wettlauf gegen die Wettbewerber, sondern ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir müssen versuchen, eine Herdenimmunität zu erzeugen, um diesen Ausnahmezustand in den Griff zu bekommen.“

    „Wir haben erhebliche Summen investiert. Diese Kosten müssen bei der Preisbildung berücksichtigt werden. Aber der Impfstoff sollte möglichst für alle Menschen bezahlbar sein.“

    Vom Höhenflug der Firma profitiert unterm Strich auch der Bund als Aktionär – diesmal ist der Staat kein lausiger Unternehmer.

    Quelle: CureVac AG
    Curevac-CEO Franz-Werner Haas bezieht im Handelsblatt-Interview Position.
    (Foto: CureVac AG)

    Und dann ist da noch die alterprobte Lebensmittelmarke Knorr, deren Suppen vor vielen Jahren Franz Beckenbauer demonstrativ im TV-Spot schlürfte: „Kraft auf den Teller – Knorr auf den Tisch.“ In heutigen Zeiten geht es nicht um werbetechnisch kaiserliche Auftritte, sondern um politisch korrektes Verhalten. Deshalb macht der Knorr-Mutterkonzern Unilever nun aus der hauseigenen „Zigeunersauce“ eine „Paprikasauce Ungarische Art“. Dabei muss man wissen, dass Sinti und Roma unter dem ungarischen „Victator“ Orban noch mehr diskriminiert werden als früher. Der insgesamt wachsende Antiziganismus in Deutschland und Europa bereitet dem Zentralrat der Sinti und Roma große Sorgen – und weniger, ob noch jemand „Zigeunerschnitzel“ auf der Speisekarte hat.

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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