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Morning Briefing Respekt: Menschen des Jahres

14.12.2018 - 06:10 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


unser großes Heft zu den „Menschen 2018“ haben wir diesmal unter den Titel „Respekt“ gestellt. Es ist das Wort, das die in diesem Jahr verstorbene große Sängerin Aretha Franklin 1967 in ihrem größten Hit „Respect" der Welt entgegenschleuderte. Respekt für die, die anders sind. Respekt für jene, die Leistungen bringen, egal, ob politischer, wirtschaftlicher, sozialer Art. Respekt für das Erbe (Natur, Kultur, Gesellschaft), das wir übernehmen. Aber schon vor 200 Jahren, lange vor „Social“ Media und dergleichen, wusste der französische Moralist Joseph Joubert, dass es fast ebenso schwer ist, Respekt zu bezeugen, wie Respekt zu verdienen.

Kein menschliches Zusammenleben, keine Gesellschaft, kein Staat sei denkbar ohne die Idee des Respekts, schreibt die Schriftstellerin Thea Dorn im Auftakt-Essay. Die Schwierigkeit beginne damit, dass es alles andere als klar sei, wem oder welchen Aspekten Respekt gebühre. Geht es wirklich um egalitäre Anerkennung oder etwa darum, dass eine Mimose – besonders schlimm eine Mimose als Chef – übertriebene Ehrerbietung erwartet? Gefährlich findet Dorn im Übrigen, wenn plötzlich in #MeToo-Zeiten eine junge, lesbische Frau per se mehr Respekt bekomme als der „weiße, alte Mann“, der derzeit zum „bornierten Auslaufmodell“ erklärt werde.

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    Quelle: istock/arthobbit [M] Handelsblatt
    „Respekt“ ist der Titel der Handelsblatt-Ausgabe zu den „Menschen 2018“
    (Foto: istock/arthobbit [M] Handelsblatt)

    Eine hochkarätige Jury hat unsere „Menschen des Jahres“ in etlichen Kategorien bestimmt, zum Beispiel Ulf Mark Schneider (Manager des Jahres), Ulrich Lehner (Absteiger), Angela Merkel (taktische Meisterleistung), Joachim Löw (Enttäuschung), Heinz Hermann Thiele (Familienunternehmer), Markus Braun (Aufsteiger), Annegret Kramp-Karrenbauer (Umsteigerin) oder Anne Kjaer Riechert (Mutmacherin), die eine Programmierschule für Flüchtlinge gegründet hat. Subjektiv ist eine solche Auswahl immer. Wir können uns aber auf die Formel einigen, dass sowohl den Ausgezeichneten als auch den Juroren allergrößte Achtung gebührt, um nicht zu sagen Respekt.

    Von den Republikanern beherrscht wird der US-Senat, und doch kommt es dort zu einer Aktion, die dem bekanntermaßen republikanischen Präsidenten Donald Trump nicht gefällt. Die Institution kündigt Maßnahmen gegen den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman („MbS“) an, wegen dessen offensichtlicher Beteiligung an der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi: Er sei dafür „verantwortlich“. Auch forderten Republikaner und Demokraten im Senat gemeinsam, die amerikanische Beteiligung am Krieg im Jemen, den die Saudis führen, bald zu beenden. Der Doppelschlag ist ein Mini-Aufstand gegen Saudi-Spezl Trump und dessen Schwiegersohn Jared Kushner, der „MbS“ eng berät.

    An diesem Freitag öffnet der Weihnachtsmarkt in Straßburg wieder. Die unmittelbare Bedrohung – der Terrorist, der am Dienstag vier Menschen erschoss, starb im Kampf mit der Polizei – ist zwar verschwunden, ein Gefühl der Bedrückung aber bleibt. Nach solchen Gewaltakten entfaltet sich das Friedensgefühl des Festes erst langsam wieder. Und damit das Bewusstsein, dass ein geschlossener Weihnachtsmarkt erst der wirkliche Sieg für die Mord-Organisation namens „Islamischer Staat“ wäre, die weder islamisch noch ein Staat ist.

    Quelle: AFP
    Mario Draghi: Zu den Werkzeugen des EZB-Chefs gehört es jetzt nicht länger, immer mehr Anleihen netto zu kaufen.
    (Foto: AFP)

    Ein Rätsel für kreative Menschen ist, wie sich „die Balance nach unten neigen“ kann. Vielleicht hatte Mario Draghi eine Waage im Sinn, vielleicht wollte er auch einfach irgendwie auf eine kommende ökonomische Krise hinweisen, ohne dieses hässliche Wort „Krise“ zu verwenden. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zählte gestern also all die Risiken auf: geopolitische Konflikte, Protektionismus, Stress an den Finanzmärkten, Schwäche der Schwellenländer. Zu seinen Werkzeugen gehört es jetzt nicht länger, immer mehr Anleihen netto zu kaufen. Bei der Rekordmarke von 2,6 Billionen Euro stoppt das Programm zum Jahresende – und es breitet sich das Gefühl aus, dass die EZB ihre besten Tage schon hinter sich hat, wenn die schlechten Tage kommen.

    Wenn Sie wissen wollen, was ein „Wanderpokal der Börse“ ist, dann kommt schnell die Online-Kleinanzeigengruppe Scout 24 ins Spiel. Vom Langzeitbesitzer Deutsche Telekom ging die Trophäe über Hellman & Friedman 2015 an die Börse – und steht jetzt offenbar wieder bereit für eine Übernahme durch Finanzinvestoren (Silver Lake und andere). Fünf Milliarden Euro müsste das Konsortium zahlen. Hier machen offenbar Schulden den Firmenwert aus. Und es gilt die Hoffnung, dass übermorgen jemand aus dem Bett steigt, dem der Wanderpokal noch viel mehr wert sein wird.

    Und dann ist da noch Richard Branson, 68, britischer Multi-Unternehmer („Virgin“), der sich seinem Traum zu nähern glaubt, künftig Reisende ins All zu schicken wie heute zum All-Inclusive auf irgendeine tropische Insel. Tatsächlich gelang es seiner „Virgin Galactic“ jetzt erstmals, eines der Shuttles auf mehr als 80 Kilometer Flughöhe zu bringen. Da beginnt das All, da weinte Branson. Womöglich gelingt es ihm noch, mit dem Unternehmer-Kollegen Elon Musk gleichzuziehen, dessen SpaceX die Internationale Raumstation in 400 Kilometer Höhe versorgt. 90 Minuten „Galactic“-Flug mit Virgin sollen später eine Viertelmillion Dollar kosten, was 600 Vorbesteller nicht schreckt. Unter den Himmelstürmern sind mit Justin Bieber und Leonardo DiCaprio Stars, die nicht vor den Schrecken der Gegenwart flüchten müssen.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes drittes Adventswochenende, mit allem Respekt, den Sie verdienen. Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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