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Morning Briefing Revolution in der Autoindustrie

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Autoindustrie steht vor einer mittelschweren Revolution. Die Autobauer Fiat Chrysler und PSA haben angekündigt, offiziell über die Zusammenlegung der beiden Konzerne verhandeln zu wollen. Sollte der Traum Wirklichkeit werden, entstünde ein neuer Autogigant mit einem Umsatz von 170 Milliarden Euro und einem Betriebsgewinn von elf Milliarden Euro. Keine schlechten Voraussetzungen, um die deutschen Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen unter Druck zu setzen.

Noch sind viele Fragen offen. Auch die nach der Zukunft von Opel, der zum französischen PSA-Konzern gehört. Entsprechend groß ist die Verunsicherung in dem Rüsselsheimer Konzern. Dabei sollten Management und Mitarbeiter zuversichtlich die Fusionsverhandlungen abwarten. Immerhin ist es Opel unter Vorstandschef Michael Lohscheller gelungen, nach Jahrzehnten chronischer Verluste wieder Gewinne zu machen. Der Erfolg sollte den Opelanern Selbstbewusstsein geben. Andernfalls gilt die Lebensweisheit: „Wer sich klein macht, wird klein gemacht.“

Quelle: Rob Dobi
Die deutsche Wirtschaft steckt in einer schwierigen Situation.
(Foto: Rob Dobi)

Handelskrieg, Brexit, schwache Konjunktur in China: Die deutsche Wirtschaft steckt in einer schwierigen Situation, so der Befund der aktuellen Titelgeschichte „So gefährlich wird der Abschwung“. Die Gewinne gehen spürbar zurück, etliche Jobs stehen auf dem Prüfstand. Sollte die Wirtschaft auch im dritten Quartal geschrumpft sein, steckt Deutschland in einer technischen Rezession. Von einer schweren Krise scheint Europas größte Volkswirtschaft noch entfernt. „Das ist keine Rezession, die uns in Angst und Schrecken versetzen müsste“, sagte Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Ein Grund zur Entwarnung ist der Satz allerdings nicht. Sollte US-Präsident Donald Trump doch Autozölle gegen Europa verhängen oder es zu einem ungeregelten Brexit kommen, sind die Prognosen hinfällig. Das ist das Schicksal der Exportnation Deutschland, die mit dem Rest der Welt aufs Engste verbunden ist. Möglichkeiten, eine echte Krise zu verhindern, hat die Bundesregierung genügend. Allein ihr fehlt der Wille.

Quelle: imago images/photothek
„Ich muss den direkten Vergleich mit Frau Kramp-Karrenbauer oder Herrn Habeck nicht scheuen“, sagte Scholz.
(Foto: imago images/photothek)

Handlungsbedarf kann auch Vize-Kanzler Olaf Scholz nicht erkennen. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt der Sozialdemokrat stattdessen, was ihn gerade umtreibt. Der Kampf um den SPD-Vorsitz und eine mögliche Kanzlerkandidatur. Die Partei schneide in den Umfragen zwar nicht sonderlich gut ab, er persönlich erhalte aber gute Werte. „Ich muss den direkten Vergleich mit Frau Kramp-Karrenbauer oder Herrn Habeck nicht scheuen“, sagt Scholz. Da spricht ein Politiker, der Rückenwind spürt.

Das Selbstbewusstsein des Vize-Kanzlers ist so ausgeprägt, dass er eine Neuauflage der Großen Koalition ablehnt. „Deutschland braucht eine Regierung ohne CDU und CSU. Man merkt doch, wie die Union wie Mehltau über der Republik liegt“, sagt Scholz. Dass die SPD bei der Landtagswahl in Thüringen nur noch gut acht Prozent der Wählerstimmen erhalten hat, scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Apropos Thüringen: Das Bundesland steuert nach der Absage der CDU auf eine Koalition mit der Linken auf eine Minderheitsregierung zu. Am wahrscheinlichsten ist eine solche Regierung unter Führung von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring kann sich aber auch eine Minderheitsregierung mit SPD, Grünen und FDP vorstellen, eine Koalition der Mitte. Der Mann hat Chuzpe: Er will vom Wahlverlierer zum Ministerpräsidenten aufsteigen.

Ob Mohring mit der Idee Erfolg hat, ist reichlich unsicher. Ebenso die Frage nach der Regierungsfähigkeit einer Schwarz-Rot-Gelb-Grünen-Koalition, die wegen ihrer Farben auch Simbabwe-Koalition genannt wird. Thüringen würde parlamentarisches Neuland betreten. Neues zu wagen muss auch in der Politik nicht schlecht sein.

Quelle: Andy Ridder / VISUM
„Wenn man sich krümmt vor Angst, hat eine Nation keine Vision“, sagt Vodafones Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter.
(Foto: Andy Ridder / VISUM)

Die Deutschen sind ein ungewöhnliches Volk. Zwischen Kiel und München werden seit Jahren so viele Patente erfunden wie in kaum einem anderen Land der Welt. Gleichzeitig fürchten die meisten Deutschen technologische Veränderungen wie der Teufel das Weihwasser. In Zeiten disruptiver Veränderungen ist diese Dialektik nicht folgenlos: „Wenn man sich krümmt vor Angst, hat eine Nation keine Vision“, sagt Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter.

Unter dem Motto „Tech for good“ haben die Teilnehmer des diesjährigen Giga-Gipfels – einer Initiative der Handelsblatt Media Group und Vodafone – am Donnerstag über die Chancen neuer Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert. Die Botschaft der digitalen Vordenker: Technologien, die keinem Selbstzweck dienen, verändern nicht nur unser Leben, sie verbessern es in aller Regel auch. Die digitale Revolution kann nicht aufgehalten werden. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die technologischen Veränderungen positiv zu beeinflussen. Zukunft ist eben das, was wir daraus machen.

Seit Jahren begleitet das Handelsblatt junge Start-ups, die besondere digitale Geschäftsmodelle für die Gesundheitswirtschaft entwickeln. Mit der Initiative Health-i haben wir auch in diesem Jahr die spannendsten Ideen identifiziert. Die Preisverleihung ist am kommenden Donnerstag im Kühlhaus in Berlin. Mit etwas Glück können Sie dabei sein und mich begleiten. Eine Handvoll Karten habe ich für Sie zurückgelegt. Schreiben Sie mir, wenn Sie die Preisträger persönlich kennenlernen möchten: [email protected]

Und dann ist da noch Christine Lagarde. Die Französin übernimmt ab heute die Leitung der Europäischen Zentralbank. Die Voraussetzungen sind alles andere als einfach. Mit den jüngsten Beschlüssen bleiben die Zinsen in Europa auf absehbare Zeit auf dem aktuellen Nullniveau. Immerhin hat sich Lagarde vorgenommen, die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu verbessern. Ganz im Sinne von Hannah Ahrendt: „Wahrheit gibt es nur zu zweien.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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