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Morning Briefing Schlachthöfe, der neue Hotspot

11.05.2020 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu den lange ignorierten Geheimnissen der Fleischindustrie gehören die Kompanien von Leiharbeitern aus Rumänien und Bulgarien, die die Betriebe am Laufen halten und in Zwangsunterkünften leben. Auf diese Reservearmee der Schlachthöfe ist eine auffällige Explosion von Coronafällen zurückzuführen: etwa in Coesfeld bei Westfleisch (mehr als 200 von 1200 Beschäftigten infiziert), wo die Fabrik entgegen den Protesten der Firmenleitung stillgelegt wurde, oder in einem Schlachthof in Bad Bramstedt (über 120 Fälle). Nachdem die neuen Virus-Notfallgrenzen der Republik dank der Hotspots aus Fleisch und Blut gerissen wurden, testen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein alle Schlachthöfe. Womöglich wird einer aus der Industrie bald Maßnahmen wie in den USA fordern: Dort darf die Fleischindustrie trotz Corona nach einem Dekret Donald Trumps weitermachen – als „wesentlicher Wirtschaftssektor“.

Quelle: AP
Großinvestor Deka und die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz fordern den Rücktritt des Wirecard-CEOs Markus Braun.
(Foto: AP)

Wie ein kapitalistisches Märchen wirkte der Aufstieg des Markus Braun mit seinem Geschöpf Wirecard – bis hinauf in den Dax-Olymp. Nun aber, nach einer Skandalserie und dem missglückten Befreiungsschlag einer Sonderprüfung durch KPMG, wackelt der Stuhl des CEO und Großaktionärs. Großinvestor Deka und die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz fordern den völligen Rücktritt Brauns, der jüngst bereits eine Teilentmachtung erleben musste, wie wir in unserem Titelkomplex schildern. Der Aufsichtsrat will mit der Berufung eines gestärkten Chief Operating Officer für mehr Vertrauen und bessere Aktienkurse sorgen. Und kritisiert das Fehlen einer systematischen Nachfolgeplanung für die Konzernspitze. Es wird einsam um Doktor Braun.

Ökonomie paradox: Je schlechter die Konjunkturdaten und die Gewinnerwartungen der Firmen, desto stärker steigen derzeit die Aktienkurse. Weltweit haben sich die Aktien extrem verteuert – und sind sogar teils teurer als vor der Coronakrise. Viele Analysten gehen inzwischen von einem kommenden Aktienabschwung aus, zumal das Kurs-Gewinn-Verhältnis der 30 Konzerne im Dax auf den stolzen Wert 17 gestiegen ist. „Abwarten und Tee trinken“, rät unserer Redaktion gegenüber Carsten Klude, Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung M.M. Warburg. Übersetzt heißt das, es wie Star-Investor Warren Buffett zu machen und später zuzuschlagen: „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“

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    Stimmungsvolle Abendessen im kleinen Freundeskreis sind nach den jüngsten Lockerungen wieder möglich. Die dabei am häufigsten gestellte Frage: Wie verläuft das Leben nach Corona? Eine sichere Antwort: im Homeoffice. Das zeigen etwa die beiden US-Internetgiganten Google und Facebook, die ihre Regelungen zur Heimarbeit wegen Corona bis zum Jahresende verlängern. Die meisten Beschäftigten sollen weiter von zu Hause aus arbeiten, sagt Google-Chef Sundar Pichai. Und bei Facebook steht es den Mitarbeitern frei, bis Silvester in den eigenen Räumen zu werkeln. In Rostock übrigens will der Oberbürgermeister sein Personal ebenfalls weitgehend im Homeoffice lassen – das spart Geld, hat er entdeckt.

    Quelle: dpa
    FDP-Politiker Thomas Kemmerich marschierte am Wochenende in Gera neben Rechtspopulisten, Coronaleugnern und Verschwörungstheoretikern bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen mit.

    Thomas Kemmerich ist als Minimal-Ministerpräsident der Republik aufgefallen, in Thüringen hielt es ihn kommissarisch einen Monat im Amt. Es soll ja eine Art Unfall gewesen sein, dass die AfD ihn maßgeblich mitgewählt hatte, vermittelte er. Und dann marschierte der Freidemokrat am Wochenende in Gera neben Rechtspopulisten, Corona-Verleugnern und Verschwörungstheoretikern bei einem „Spaziergang“ mit, auf dem gegen die staatlichen Anti-Pandemie-Aktionen protestiert wurde. Kemmerich verzichtete wie die meisten anderen auf Mundschutz und Abstand, später entschuldigte er sich. Er wollte AfD-Leuten keine Bühne geben, habe „das aber leider getan“. In der FDP hat der Mann genauso wenig verloren wie der Tübinger Noch-Grüne Boris Palmer, der für die Liberalen auch schon vorgeschlagen ist.

    Für Corona-Verschwörungstheorien sind tatsächlich auch Teile der Katholischen Kirche zuständig. Der italienische Bischof Carlo Maria Viganò initiierte einen Text, der es in sich hat. Demnach werde die Pandemie als Vorwand genutzt, um eine Weltregierung zu schaffen, „die sich jeder Kontrolle entzieht“. Das sei der Grund, weshalb Grundfreiheiten „unverhältnismäßig und ungerechtfertigt“ eingeschränkt würden, inklusive der Religionsfreiheit. Das Papier wurde vom deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller unterschrieben, der sich nun mit heftiger Kritik konfrontiert sieht. Die Bewertung der Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz unterscheide sich „grundlegend von dem veröffentlichten Aufruf“, stellt der Limburger Bischof Georg Bätzing klar.

    Die ganze Woche wird es noch Spekulationen geben, ob die Fußball-Bundesliga mit ihrem von der Politik großzügigst geförderten Re-Start am kommenden Wochenende wirklich glücklich wird. Das Geschehen beginnt mit einer Zwangspause für den Zweitligisten Dynamo Dresden, wo zwei weitere Spieler positiv getestet wurden und das Gesundheitsamt zwei Wochen Quarantäne verordnete. Mannschaftstraining sei „intensiver Kontakt“. Zwei Spiele müssen nachgeholt werden, und das bei einer sehr engen Terminierung. „Wir ändern momentan nicht die Ziele, sondern nur die Pläne“, verkündet die Deutsche Fußball Liga. Man erinnert sich sofort an Erich Kästner: „Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat.“

    Und dann ist da noch die Kunstsammlerin Julia Stoschek, Gesellschafterin des Coburger Autozulieferers Brose. Sie kündigt den Rückzug ihres spektakulären Berliner Medienkunsthauses Ende 2022 an – wenn der Mietvertrag ausgelaufen ist. Millionen hatte sie in das frühere Tschechische Kulturzentrum gesteckt, um dort – neben ihrem Hauptstandort Düsseldorf – wichtige Werke aktueller Medienkunst zeigen zu können. Doch nach einer Außensanierung des Gebäudes hätte sie viel mehr Miete zahlen müssen: Der Eigentümer – die staatliche Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – wollte weder verkaufen noch sonstige Zugeständnisse machen. Berlins wenig kunstsinnige Politik muss nun erleben, dass mit Stoschek eine weitere Größe der Kunstsammler Reißaus nimmt. Karl Valentin wusste schon früh: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

    Ich wünsche Ihnen, bei aller Arbeit, auch das ein oder andere Kunsterlebnis in dieser Woche.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    1 Kommentar zu "Morning Briefing : Schlachthöfe, der neue Hotspot"

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    • Tja, weil das Fleisch in den Supermarkt-Kühltruhen zum billigen Preis verkauft werden soll, muss natürlich auch an den Personalkosten gespart werden. Und das mit dubiosen Methoden. Werkverträge, Einstellungen über Subunternehmen; Hauptsache billig. Ich höre noch das Gejammer dieser menschen- und tierfeindlichen Branche als es darum ging ein männliches Ferkel für schlappe EUR 0,10 pro Tier kastrieren zu lassen. Es klang als wenn nun die ganze Branche deswegen zusammenbrechen würde. Aber natürlich ist die Politik darauf eingestiegen und hat diese Form der Tierquälerei weiterhin legalisiert (anstatt Haltung zu bewahren bzw. zu beweisen und dieses gemeine Treiben ein für alle Mal zu unterbinden).

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