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Morning Briefing Scholz und sein Lasst-uns-froh-und-munter-sein-Anspruch

10.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in diese Woche gehen wir mit dem neuen Gefühl für alte Freiheiten, die uns das Grundgesetz garantiert, die aber dem Corona-Schutz zum Opfer fielen. Steigende Impfquoten, regelmäßige Tests, sinkende Warnwerte und virenfeindliche Sommer-Temperaturen sorgen für ein Klima des Optimismus. Den Zusatz – Corona ist nicht vorbei – will kaum einer mehr hören. Sogar der Ärger mit dem digitalen Impfpass, den wir Deutschen mit unserem Hang zur Zettelwirtschaft nicht zustande bringen, erscheint angesichts der positiven Perspektiven vernachlässigbar. Ja, schade, aber solche Flops kennt man von Jens Spahn.

Als großer Hoffnungsfaktor erscheint der EU-Kommission der Impfstoff von Biontech in Mainz den Vertrag mit Astra-Zeneca dagegen will sie über den Juni hinaus nicht verlängern. Brüssel klagt gegen den Pharmakonzern wegen gebrochener Lieferversprechen.

Quelle: dpa
Olaf Scholz während dem Online-Bundesparteitag der SPD in Berlin.

Als Parteichef hat die gute, alte SPD ihren im Politbetrieb gut eingeführten Olaf Scholz nicht gewollt – wohl aber als Kanzlerkandidaten. Seine Bestellung ist natürlich nur eine Formalie des jüngsten Parteitags. De facto tingelte der Vizekanzler schon monatelang als Alleinunterhalter durchs Land, mit dem Lasst-uns-froh-und-munter-sein-Anspruch, die Regierungsgeschäfte baldigst zu übernehmen. Er fordert unter anderem mehr Respekt in der Gesellschaft ein – und zwölf Euro Mindestlohn.

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    Sein aktueller, von Barack Obama abgekupferter Satz „Ich kann das“ wirkt wie die Motivationsansprache eines Dirigenten, der ein Panikorchester übernommen hat. Zur Erinnerung: Die SPD dümpelt in Umfragen irgendwo bei 15 Prozent. Dass die Sozialdemokraten in zwölf von 16 Jahren gute Zuarbeiterdienste für Angela Merkel übernommen haben, bringt keinen Treuebonus.

    Klar erkennbar: Die SPD hofft, dass im Fall Scholz ein Bonmot von Jean-Jacques Rousseau gilt: „Es ist viel mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben als gelegentlich ihre Bewunderung.“

    Wer derzeit im alpinen Stil sein neues Häuschen baut, bemerkt schnell die neuesten Verwerfungen auf dem globalen Rohstoffmarkt. Holz ist kaum verfügbar und entsprechend teuer. So geht es aber auch mit Agrarrohstoffen, Kupfer, Eisenerz, Palladium und Rhodium. Der Trend setzt jenen deutschen Industriebetrieben zu, die Rohstoffe für ihre Exporte brauchen. In der Folge leiden Umsätze und Gewinne, analysiert unser Titelkomplex.

    So rechnet Robert Friedmann, Chef des Schraubengiganten Würth, mit geringeren Margen: „Die Preissteigerungen können wir nicht zeitgleich in voller Höhe an die Kunden weitergeben.“ Und Ifo-Institutschef Clemens Fuest hält eine „Mischung aus steigenden Inflationsraten und schwachem Wirtschaftswachstum wie nach den Ölpreisschocks der 1970er- und 1980er-Jahre“ für gut möglich. Ökonomen nutzen dafür ein Wort, das den normalen Bürger gruseln lässt: Stagflation.

    Erschwerend kommt hinzu, dass in den USA gerade eine der größten Benzin-Pipelines abgeklemmt werden musste. Von Erpressungs-Software berichtet Colonial Pipeline, Betreiber der 8850 Kilometer langen Verbindung zwischen dem Golf von Mexiko und dem Süden und Osten der USA. Üblicherweise werden bei solchen Cyber-Attacken Daten auf Computern verschlüsselt – Freigabe dann nur gegen Lösegeld. Steuersysteme der Pipeline sollen aber nicht betroffen sein. US-Präsident Joe Biden ist eingeschaltet, weil die Sicherheit des Landes in Gefahr ist.

    Stararchitekt Helmut Jahn war ein Aufsteiger aus dem fränkischen Zirndorf, der früh in den 1960er-Jahren nach Chicago ging, um dort bei seinem Idol Mies van der Rohe zu studieren. Er kam nicht mehr zurück, sondern wurde zum polyglotten „Turmvater Jahn“, der etwa das Berliner Sony-Center, in Bonn den Post-Tower, in München das Munich Airport Center und in Washington die FBI-Zentrale konstruierte.

    In seinem Heimatort Campton Hills bei Chicago übersah der Hobbyradler Jahn am Samstag ein Stoppschild und wurde von zwei Pkw erfasst. Der Mann, der gegen die Hässlichkeit der Städte anbauen wollte, wurde 81 Jahre alt.

    Vor ein paar Jahren noch traute man Algorithmen bei der Geldanlage Enormes zu. Ein Marktpotenzial von 20 Milliarden Euro wurde für 2020 errechnet. Tatsächlich aber wuchs das Kundenvermögen seit 2015 nur auf sieben Milliarden; ganze fünf digitale Geldstrategen schöpfen den Rahm ab. Insgesamt zeigt sich: Maschine verliert gegen Mensch. Viele Robo-Advisors halten nicht das, was sich Investoren von ihnen versprachen, stellt eine Studie von Fonds Consult klar.

    Grafik

    Am besten schnitt noch Minveo aus München ab, die – wenig originell – mit ETF-Indexfonds auf ganze Märkte setzen. Sehr bescheidene Ergebnisse sind bei Robo Investify, unter anderem vom Erzbistum Berlin finanziert, sowie beim Marktführer Scalable zu finden. Der klassische Vermögensverwalter jedenfalls muss sich vor Kollege Roboter nicht fürchten.

    Unter den Bedingungen der Pandemie und des Lockdowns sind rote Zahlen selbst für die ECE Group, größter Shoppingcenter-Betreiber des Landes, unvermeidbar. Man habe auf deutlich mehr als 150 Millionen Euro an Mieteinnahmen verzichtet, erklärt Vorstandschef Alexander Otto aus dem Hamburger Familienkonzern. Im Einzelnen sagt der 53-Jährige über…

    • die Lage: „Die Händler haben ihre Unternehmen teils über Generationen aufgebaut. Jetzt sind ihre Geschäfte in Summe schon sechs Monate geschlossen, ohne dass sie dafür etwas können. Es fehlt eindeutig die notwendige Unterstützung des Staates.“
    • die Corona-Maßnahmen: „Politik und Robert Koch-Institut sagen ja beide, dass es im Handel kaum Infektionsgefahren gibt – aber ich sehe keine Konsequenz beim Handeln. Und mir fehlt auch eine vorausschauende Anpassung der Kapazitäten – ob in den Gesundheitsämtern oder auf Intensivstationen.“
    • Gefahren am Arbeitsplatz: „Im Shoppingcenter haben wir pro Kunde 40 Quadratmeter, kurze Kontakte und einen ständigen Luftaustausch. Im Büro muss jeder Mitarbeiter nur zehn Quadratmeter haben, man sitzt den ganzen Tag zusammen, und die Lüftung hängt vom Fensteröffnen ab. Da gelten in der Corona-Verordnung komplett unterschiedliche Maßstäbe.“
    Quelle: AP
    Tesla-Chef Elon Musk (hier mit der Sängerin Miley Cyrus und der Schauspielerin Cecily Strong) ist in der US-Show "Saturday Night Live" aufgetreten.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch Elon Musk, in Südafrika geborener Vielseitigkeitsunternehmer der digitalen Welt, der mit Sprüchen die Börsenkurse beeinflussen kann. Nun ist der Tesla-Chef sogar in der US-Show „Saturday Night Live“ aufgetreten, was ungefähr so ist, als käme Herbert Diess zur „heute-show“. Musk jedenfalls machte sich im Studio ausgiebig über die Kryptowährung Dogecoin lustig, in die er selbst investiert hat.

    Vielleicht erfahren wir ja bald, dass der publicitysüchtige Investor sich längst mit Gewinn von Dogecoin getrennt hat. So lief es bei Bitcoin. Tesla investierte hier unter lautem Trara 1,5 Milliarden Dollar, verkaufte aber schon im ersten Quartal Bitcoins im Wert von 272 Millionen wieder – mit 101 Millionen Gewinn. Da wirkt Musks altväterlicher Rat an die Gemeinde hohl wie ein Blasebalg: „Kryptowährung ist vielversprechend, aber bitte investieren Sie mit Vorsicht!“

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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