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Morning Briefing Shell: Gebt uns Wald

1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
das knappe Gut Fantasie hat Ben van Beurden, Chef des Ölkonzerns Shell, nun überaus großzügig verteilt. Eine Aufforstung der Welt mit einem Wald in der Größe des brasilianischen Amazonas-Gebietes sei nötig, um die Klimaziele zu erreichen – zum Beispiel die Begrenzung des Temperatur-Anstiegs auf 1,5 Grad Celsius, wie vom UN-Weltklimarat jetzt vorgeschlagen. So wie sich das einige Leute vorstellten, könne es nicht klappen, fuhr der Shell-Mann auf einer Konferenz fort, „ein bisschen mehr Solarenergie hier, ein bisschen Wind da, und schon kommen wir hin.“

Quelle: AFP
„Das war heute wirklich, wirklich schwierig“, sagte Umweltministerin Svenja Schulze nach den Verhandlungen.
(Foto: AFP)

Die deutsche Regierung hat in Energiezukunftsfragen offenbar die führende Rolle im Bremserhäuschen übernommen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) wandte sich bei einem EU-Treffen gegen ihre eigene Überzeugung und gegen die Mehrheit ihrer Kollegen – und verhinderte härtere Klimaschutzvorgaben für Autos. Das dürfte in Wolfsburg, Zuffenhausen und München-Milbertshofen dankbar registriert worden sein. Auch das ambitionierte Ziel des EU-Kommissars Miguel Arias Cañete, bis 2030 rund 45 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 zu emittieren, hat bei der deutschen Klimaschutztruppe keine Chance. Wir reimen mit Goethe: „Seltsam ist Propheten Lied/Doppelt seltsam, was geschieht.“

Wo die Politik bei der Einhaltung von Normen (etwa für saubere Luft) versagt, füllen in einem Rechtsstaat Gerichte die operative Lücke aus. So ordnete nun das Verwaltungsgericht Berlin die Sperrung von elf Straßenabschnitten für ältere Diesel-Pkw an. Auch in Stuttgart, Aachen und Frankfurt am Main gelten solche Fahrverbote. Aber Urteile sind das eine, ihre Durchsetzung das andere. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) meldet sich rechtzeitig mit der Warnung, die Ordnungshüter könnten solche Fahrverbote nicht durchsetzen, deren Auftragsbücher seien schon voll: „Nur weil die Politik eine Lösung verweigert, soll die Polizei mal wieder ausputzen“, sagt GdP-Chef Oliver Malchow dem Handelsblatt.

Noch so einem Vollzugsdefizit begegnen wir bei den „Reichsbürgern“, die mit Waffengängen aller Art auf sich aufmerksam gemacht haben. Recherchen von NDR und „Süddeutsche Zeitung“ zeigen nun, dass noch immer 650 Vertreter dieser Spezies im Besitz von Waffen und waffenrechtlicher Erlaubnisse sind. Von den Innenminister-Erlassen, die genau das verhindern sollen, ist nichts zu sehen. Wahrscheinlich liegen sie in der Asservatenkammer. Offenbar gibt es im Bundesgebiet 18.000 „Reichsbürger“ und Selbstverwalter, die die bundesdeutschen Gesetze nicht anerkennen.

Quelle: AP
Nikki Haley, die Botschafterin von Präsident Trump bei den Vereinten Nationen, legt Ende des Jahres ihr Amt nieder.
(Foto: AP)

Die vielleicht größte Kunst in der Politik, dieser Domäne der Aufmerksamkeitssüchtigen, ist der Rücktritt zur rechten Zeit. Nikki Haley, souveräne Erscheinung im zeitweise doch sehr lemurenartigen Kabinett des Donald Trump, beherrscht diese Kunst. Ende 2018 wird sie sich nach zwei Jahren als UN-Botschafterin der USA zurückziehen. Anfangs war sie noch eine Art Geheimaußenministerin, inzwischen jedoch bildet der US-Präsident mit Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton ein stabiles America-First-Dreieck. Eigentlich schade, dass Haley versicherte, 2020 nicht gegen Trump kandidieren zu wollen. Ethik-Organisationen glauben, ihre Demission hänge damit zusammen, dass sie zu Luxusflügen und Basketballtickets, die Firmen ihres Heimatstaates South Carolina zahlten, falsche Angaben machte.

Weltweit leiden mehr als 800 Millionen Menschen Hunger, gleichzeitig gehen jährlich zehn Millionen Hektar Agrarfläche verloren. Mit Diplomaten in der Beschreibung von Winston Churchill (denken zweimal nach, ehe sie nichts sagen) ist da kein Staat zu machen. Über mögliche Lösungen wollen wir am nächsten Dienstag, 16. Oktober, auf dem Future Food Forum in Berlin Klartext mit Entwicklungsminister Gerd Müller, UN-Ernährungsexperte Arif Husain und EU-Direktor Tassos Haniotis reden. Meine Kollegen Andreas Kluth und Thorsten Giersch moderieren. Für Interessierte habe ich eine Handvoll Karten reserviert: [email protected]. Business as usual – das Los entscheidet.

Und dann ist da noch FDP-Chef Christian Lindner, 39, den Wahlkampfzeiten stets energetisch aufzuladen scheinen. Im Handelsblatt-Interview bescheinigt der Liberale den Deutschen ein „Mentalitätsproblem“: Man wehre sich gegen den Abbau von Braunkohle, wolle auch keine Atomkraft und gegen Windkraft sowie den Ausbau von Stromtrassen gebe es logischerweise Widerstand: „Es ist inzwischen ganz leicht, eine Mehrheit gegen nahezu alles zu mobilisieren. Deutschland braucht wieder Mehrheiten für etwas.“ Diese Mehrheiten stellt er sich am Ende des Gesprächs schon recht konkret vor – als schwarzgelbe Koalition, wenn erst einmal Angela Merkel weg ist.

Ich wünsche Ihnen stabile Mehrheiten für Ihre Vorschläge.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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1 Kommentar zu "Morning Briefing: Shell: Gebt uns Wald"

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  • Gebt uns lieber Verstand! Es ist schon sehr enttäuschend, wenn das HB grüne Positionen
    übernimmt. Diese neuen CO2 Werte sind einfach nur in bornierten Hirnen entstanden.
    Mal die Sache vom Ende her denken. Was sind das dann noch für Autos, die diesen
    Ausstoss haben. Sind es noch die beliebten SVU? Bestimmt nicht. Man wird mal wieder
    völlig überrascht sein, wie es am Ende aussieht. Karnickelkarren oder E-Autos, bei denen nicht ausreichend Strom zur Verfügung steht, weil man alle Kraftwerke mit CO2 Ausstoss bis dahin gekillt hat. Das machen die grünen Sektierer salonfähig, weil sie zu den Möglichkeiten
    einer alternativen Stromversorgung keinerlei ernstzunehmende Kenntnisse haben.
    So wird es auch in Zukunft, so sein, wie heute: Fahrverbote, Einschränkungen, Schikane,
    Chaos. Auch bei der Frage der Aufforstung wird die Realität ausgeblendet. Es wird abgeholzt
    wie Teufel. Nicht bei uns. Bei uns pflanzt man fast 100 Millionen Bäume neu. Das HB sollte es besser wissen als die Ökosektierer. Seit der letzten Eiszeit hat es ausgedehnte Warmzeiten
    über tausende von Jahren gegeben, ohne Otto- oder Dieselmotoren. Ohne Ölheizung. Ohne
    Industrie. Die Bevölkerungsdichte war obendrein nur ein Zehntel von heute. Das HB hat Leser,
    die mehr durchblicken als der Durchschnitt, Sie sollten nicht die Cuzpe haben sie zu veralbern.