Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Showdown in Weißrussland

24.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

manchmal wollen Menschen nicht über die großen Fragen der Welt reden, sondern einfach ein Stammesfest feiern. So war es gestern Abend, als der FC Bayern München nach der deutschen Meisterschaft und dem DFB-Pokalsieg die europäische Champions League gewann.

Zu den Geschichten, die man sich noch Jahre später erzählen wird, gehört, dass das siegbringende 1:0 gegen Paris St. Germain ausgerechnet jener französische Nationalspieler Kingsley Coman erzielte, der in der Jugend bei PSG ausgebildet worden war. Die Münchener feierten mit Autokorso und Feuerwerk das „Triple“, das noch im November so realistisch erschien wie eine Weißwurst auf den Champs-Élysées. Über die „Softpower“ Fußball freut sich im Übrigen ganz besonders die katarische Herrscherfamilie Al-Thani: Sie besitzt PSG und gehört mittelbar zu den Großsponsoren des FC Bayern. Hier spielt das Kapital immer auf der richtigen Seite.

Quelle: dpa
Hunderttausend Bürger sind in Minsk gegen Machthaber Alexander Lukaschenko auf die Straße gegangen.

Wie alle Konflikte ist auch der Kampf um Weißrussland ein Krieg der Bilder. Die Version des Diktators Alexander Lukaschenko, publiziert in regierungstreuen Kanälen, ist die eines souveränen Staatschefs. Der fliegt im Hubschrauber über die leeren Straßen von Minsk, kommentiert das Fehlen der Demonstranten rüde mit „davongelaufen wie die Ratten“ und zeigt sich mit kugelsicherer Weste und Kalaschnikow.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Rest der Welt sieht, dass sich erneut Zehntausende Bürger zum nicht genehmigten Protest zusammenfanden, eingerahmt von einsatzbereiten Soldaten. Die Botschaft der Massen konzentriert sich immer wieder auf ein Wort: „Uchodi!“ – Hau ab. Das aber dürfte schwierig werden.

    Tag für Tag werden in dieser Woche Neuigkeiten über den russischen Patienten in der Berliner Charité die Welt in Aufregung halten. Man erwartet medizinische Bulletins und Gewissheiten, ob der Oppositionsführer Alexej Nawalny in Sibirien vergiftet wurde. Der im Koma liegende Politiker war am Samstag nach Deutschland ausgeflogen worden. Die Untersuchungen würden „einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagen die Ärzte, womöglich gibt es jedoch schon heute mehr Details. Dass hier jedes Wort genau überlegt sein will, gehört zur politischen Brisanz dieser medizinischen Behandlung. Das Bundeskriminalamt hat den Schutz Nawalnys übernommen.

    Als die Pandemie Deutschland schockte, arbeiteten Bund und Länder eng zusammen. In dieser Woche diskutieren die Verantwortlichen wieder, ob man nicht mehr einheitliche Regeln braucht.

    • Immer mehr Politiker von CDU und CSU wollen eine allgemeine Maskenpflicht, zum Beispiel für Arbeitsplätze sowie für den Unterricht in Schulen, wo Nordrhein-Westfalen einsamer Vorreiter ist.
    • Dagegen fordern zum Beispiel Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken oder Anja Piel, Vorstandsfrau des Deutschen Gewerkschaftsbunds, keinen blinden Aktionismus, sondern gezielte Investitionen in Gebäude und Technik.
    • Der designierte FDP-Generalsekretär Volker Wissing wiederum lehnt die allgemeine Maskenpflicht mit Blick auf den Föderalismus ab, will aber bundesweit 50 Euro Bußgeld bei Maskenverstößen in Bus und Bahn.
    • Die Politik diskutiert zudem über einheitliche Obergrenzen für private Feiern. In Hamburg dürfen sich bis zu 25, in Berlin bis zu 500 Personen auf eigenem Gelände treffen. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lehnen das dagegen ab – dort sind die Infektionszahlen niedriger als in den Metropolen und im Süden der Republik.

    Wenn die Fallzahlen so hoch wie in Frankreich wären – bald 5000 Neuinfektionen pro Tag – fände die Kakophonie ein schnelles Ende.

    Das „friendly fire“ aus der Trump-Familie gegen „The Donald“ hält an. Mary Trump, Nichte des US-Präsidenten, hat nicht nur ein Enthüllungsbuch geschrieben, sondern auch brisante Gespräche aufgezeichnet – zum Beispiel mit Maryanne Trump Barry. Die klagt über die „gottverdammten Tweets und Lügen“ ihres Bruders Donald Trump und seine restriktive Einwanderungspolitik: „Er will nur seine Basis ansprechen. Er hat keine Prinzipien, keine.“

    Zusammengefasst bescheinigt Trump Barry dem Mann im Weißen Haus „Verlogenheit“ und sagt: „Donald ist grausam.“ Mit solchen Unappetitlichkeiten beginnt heute der Konvent der Republikaner, auf dem Trump unter Aufbieten möglichst vieler Stars-and-Stripes-Fahnen freudig zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November ausgerufen wird.

    Quelle: MISHA FRIEDMAN/The New York Time
    Die Bundesregierung hat zwei Milliarden Euro im Konjunkturpaket für Quantencomputer eingeplant.
    (Foto: MISHA FRIEDMAN/The New York Time)

    Die Konkurrenz aus den USA ist stark: IBM, Microsoft und Google haben es auf den Zukunftsmarkt der Quantencomputer abgesehen. Doch obwohl die amerikanischen IT-Elefanten trampeln, will die Bundesregierung dennoch hier das Gras besonders hoch wachsen lassen. Zwei Milliarden Euro hat sie im Konjunkturpaket eingeplant, was natürlich angesichts der Aufgabe ein Klacks ist, aber immerhin ein Anfang.

    Thomas Jarzombek, Beauftragter des Wirtschaftsministeriums für digitale Wirtschaft, sagt uns: „Was wir jetzt machen, wird darüber entscheiden, ob wir die industrielle Kompetenz der deutschen Wirtschaft erhalten können.“

    Berlin hat also einen neuen Wachstumstreiber gefunden und sogleich die Konzerne Trumpf, NXP und Bosch eingespannt. Quantentechnologien werden „Sensoren, Computer und Sicherheit, wie wir sie kennen, verändern“, dringt aus dem Stuttgarter Bosch-Zentrum. Zukunft eben.

    Am gestrigen Sonntag endete, ohne viel Tamtam und im Gefühl gegenseitiger Erleichterung, die Dienstfahrt des Olaf Koch. Ende 2020 hört er auf. Neun Jahre war Koch CEO im Großhandelskonzern Metro, einer Wirtschaftswunderlegende, und hatte dort zunächst mit viel Handwerkerstolz montiert und demontiert: Kaufhof und Real verkauft, Media Markt und Saturn in das Artefakt „Ceconomy“ ausgelagert, Digitalisierung angeschoben. Doch der Aktienkurs lahmt weiter und Handelskompetenz wird vermisst – offenbar vor allem von Großaktionär Daniel Kretinsky, der jene prägende Rolle einnimmt, die früher der Familie Haniel oblag. Mit einem Take-over ist der Tscheche schon mal gescheitert – doch nun erscheint der Weg frei für ihn.

    Quelle: AP
    EU-Handelskommissar Phil Hogan hat in Irland gegen Corona-Maßnahmen verstoßen.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch der irische EU-Handelskommissar Phil Hogan, der sich als viel zu feierfreudig erwiesen hat. Der 60-Jährige nahm vor mehreren Tagen in seiner Heimat an einem Dinner der parlamentarischen Golfgesellschaft mit mehr als 80 Gästen teil – obwohl kurz zuvor das Limit für solche Meetings in geschlossenen Räumen in Irland auf sechs Personen festgesetzt wurde. Der liberale Politiker entschuldigte sich mit Verzögerung „uneingeschränkt und vorbehaltlos“, er habe den Iren unnötigen Stress zugemutet. Die Frage ist nur, ob sich der Stress nicht noch weiter steigert, weil Hogan beharrlich – mit Hinweis auf seine Gutgläubigkeit in dieser Sache – den Rücktritt verweigert. Wie formulierte es einst Nationalschriftsteller James Joyce: „Der Erfinder der Notlüge liebte den Frieden mehr als die Wahrheit.“

    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Showdown in Weißrussland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%