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Morning Briefing SMS-Hoffnung für Hochwasser

21.07.2021 - 06:13 Uhr 2 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

als High-Tech-Vorzeigeland ist die Republik im Katastrophenfall nicht aufgefallen. Das jüngste Hochwasser hat – allen öffentlichen Bekundungen zum Trotz – etliche Defizite aufgezeigt. Und deshalb müssen wir uns alle an ein neues Wort gewöhnen: „Cell Broadcasting“. Es geht hier um Warnhinweise mit einer Art SMS, die auf allen Handys in einer bestimmten Zone erscheinen. Technisch kein Problem, erste Gespräche zwischen Politik und Telekommunikationskonzernen laufen.

Quelle: dpa
Angela Merkel und Armin Laschet in Bad Münstereifel.

„Wir sind Partner der öffentlichen Hand und unterstützen dabei gern“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom in der ARD: „Hierzu braucht es klare Anforderungen und Investitionen.“ Die 30 bis 40 Millionen für dieses System wären gut investiertes Geld. Heute gibt das Bundeskabinett erst einmal 400 Millionen Euro an Soforthilfen für die Notgebiete in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern frei.

Wenige im Land kennen sich so gut mit Überschwemmungen aus wie Ernst Rauch, Chief Climate & Geo Scientist des Dax-Konzerns Munich Re. Der Rückversicherungskonzern muss am Ende viele der Schäden bezahlen. „Erklärungsbedürftig“, so Rauch, sei vor allem die hohe Zahl der Todesopfer – mindestens 170 gegenüber 40 bis 50 bei früheren Großnotfällen dieser Art. Die Gefahr von Sturzfluten aus Stadtbächen werde unterschätzt. Rauchs politische Conclusio in unserem Titelkomplex: „Die Infrastruktur muss resilienter gemacht werden. Hier hätte man besser vor fünf Jahren angefangen.“

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    Aufschlussreich ist übrigens die Recherche meines Kollegen Daniel Delhaes: Er schildert, wie vor allem Industrieverbände, Peter Altmaier und die NRW-Landesregierung des Armin Laschet in diesem Jahr den Raumordnungsplan für einen „verbesserten Hochwasserschutz“ ausbremsten – zum Kummer des Bundesinnenministeriums. Aber das war alles vor Ahrweiler.

    Ein voll automatischer Zehn-Minuten-Flug ins Universum hat Jeff Bezos lyrische Anwandlungen gebracht. Da schaue man also von oben nach unten auf die Erde und sei „erstaunt und ehrfürchtig über ihre Schönheit, aber auch über ihre Zerbrechlichkeit“, fabulierte der Amazon-Gründer nach der Landung seiner Blue-Origin-Rakete. Wir haben den Verdacht, dass es dem reichsten Menschen der Welt weniger um Geo-Romantik, als vielmehr um den Selbstbeweis ging:

    Was Richard Branson jüngst machte und Elon Musk noch vor sich hat, kann ein Jeff Bezos schon lange. Gemeinsam lege man die Grundlagen für Weltraumtourismus und neue Siedlungen im All für alle, die es sich leisten können – wenn Leben auf der Erde eines Tages endgültig zum Gesundheitsrisiko werden sollte. Es kommentiert Karl Kraus: „Größenwahn ist nicht, dass man sich für mehr hält, als man ist, sondern für das, was man ist.“

    Er arbeitet am beschaulichen Bodensee in Friedrichshafen, aber nur die Größten des digitalen Kapitalismus sind ihm groß genug: „Wir orientieren uns an Apple und Microsoft“, erklärt Wolf-Henning Scheider, Chef des weltweit viertgrößten Autozulieferers ZF. Im Einzelnen sagt der 59-Jährige im großen Handelsblatt-Gespräch über

    • die Umweltpläne der EU: „Es wird sehr schwer sein, die Balance zwischen Klimaschutz, Beschäftigung und den Mobilitätsbedürfnissen der Menschen herzustellen. Bis 2035 sind es nur noch 14 Jahre und deshalb braucht es vor allem einen klaren Plan zum Aufbau der Infrastruktur. In der Automobilindustrie werden Stellen verloren gehen – je schneller der Verbrennerausstieg kommt, desto heftiger.“
    • die eigene Getriebe-Strategie: „Bis 2030 wird sich an der weltweiten Nachfrage nach Hybriden nicht grundlegend etwas ändern. Wir sind auch für Europa nach wie vor der Meinung, dass Plug-in-Hybride als Übergangstechnologie eine wichtige Rolle spielen.“
    • die Zukunft: „Wir entwickeln uns weiter, indem wir Technologie- und Marktentwicklungen antizipieren. So werden alle ZF-Divisionen künftig noch viel stärker durch Software und Digitalisierung miteinander verknüpft. Wir sind mit unseren beiden Übernahmen von TRW und Wabco gut aufgestellt.“

    Auch an die neue Bundesregierung hat Scheider – nicht gerade unbescheiden – einen Rat: „Lieber weniger vornehmen, dafür besser umsetzen.“ Fazit: Das klingt, als sollte Kandidat Laschet noch einen Trip an den Bodensee einplanen.

    Grafik

    An Tesla wiederum, einem anderen Simsalabim-Unternehmen der modernen Ökonomie, orientiert sich Jürgen Heitmann. Der Mann ist CEO des Versicherers HUK-Coburg und sagt in einem weiteren Handelsblatt-Gespräch, dass der US-Elektroautobauer womöglich das beste Assekuranzangebot machen könne, da die Versicherer anders als Tesla nicht auf die Daten aus dem Auto zugreifen. „Eigentlich wären wir mit unserem Know-how ein guter Partner für Tesla“, deponiert er schon mal und gibt eine Art Kontaktanzeige auf: „Bei Interesse wären wir für Gespräche offen.“

    Mister Musk, bitte unter +499561960 melden! Ansonsten spricht Heitmann etwa darüber, dass in Sachen Elektromobilität seine Branche derzeit eine Police nur für die Batterie diskutiert. Ein Batteriebrand sei ein „echtes Problem“, da er nicht gelöscht werde kann.

    Mit einem allzu schnellen Erfolg der E-Autos ist freilich nicht zu rechnen – dafür lahmt der Ausbau der Ladesäulen zu sehr. So wurden zwar zwischen 2017 und 2020 knapp 30.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte vom Bund genehmigt – doch davon ist heute weniger als die Hälfte in Betrieb, haben meine Kollegen in einem Report ermittelt. Und von 246 Millionen Euro bewilligten Fördermitteln wurden erst 30 Millionen ausbezahlt. Konzerne wie Aral oder EnBW fürchten St. Bürokratius so sehr, dass sie mitunter einfach ohne Staatsgeld bauen.

    Quelle: Reuters
    Ben & Jerry stoppt den Eisverkauf in den von Israelis besetzten und besiedelten Palästinensergebieten.

    Die Eispackungen von „Ben & Jerry’s“ sind zwar längst eine von vielen Marken im Reich des Konsumgüterriesen Unilever. Aber der linke Gründungsmythos hält sich – all diese Stories, wie die aus New York zugezogenen Hippies Ben Cohen und Jerry Greenfield 1978 in Vermont ihre Tiefkühlware lancierten. Nun erklärt „Ben & Jerry’s“, auf die Stimmen von „Fans und vertrauter Partner“ gehört zu haben – und stoppt den Eisverkauf in den von Israelis besetzten und besiedelten Palästinensergebieten.

    In Israel, wo die US-Marke sehr populär ist, wettern nun Politiker gegen solchen „Antisemitismus“, Regierungsmitglieder rufen zum Boykott auf. Das Firmenmotto „Friede, Liebe und Eiscreme“ wird da wohl nicht weiterhelfen, wir legen Plastic Ono Band auf: „Give Peace A Chance“.

    Und dann ist da noch Fußballtrainer Carlo Ancelotti, der seit kurzem wieder in Diensten des spanischen Spitzenklubs Real Madrid steht. Der Italiener, der in Deutschland beim FC Bayern München einen wenig nachhaltigen Auftritt hatte, erfährt bei seinem zweiten Wirken für Real die intensivste Betreuung durch den Fiskus. Die Steuerbehörde errechnete, dass Ancelotti bei seiner ersten Coach-Periode zwischen 2013 und 2015 rund 1,46 Millionen Euro Steuerschuld akkumuliert habe.

    Die Summe soll nach und nach von seinem Gehalt abgezogen werden. In Kürze muss Ancelotti dann auch noch vor Gericht aussagen. Bevor der 62-jährige Veteran noch einmal einen Titel gewinnen sollte, muss er erst einmal Spaniens Justiz bezwingen.

    Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag ohne Steuerprobleme.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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    2 Kommentare zu "Morning Briefing : SMS-Hoffnung für Hochwasser "

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    • Was für ein Blödsinn ist denn das? Ich schalte abends und nachts mein Handy IMMER aus. Eine Sirene würde ich hören, aber niemals eine SMS. Wer hat sich denn solch einen Mist als Katastrophenschutz ausgedacht. Es muss eine Alarmierung sein, die immer und von jeden in jeder Situation zu hören ist und das sind nun mal Sirenen. Übrigens. Diese gibts seit 50 Jahren auf den Dächern. Nur einschalten muss man sie. Aber wenn man von seiner eigenen Verantwortung ablenken will (Katastrophenschutz ist staatliche Aufgabe), schiebt man das den Unternehmen in die Schuhe.

    • Wow. Die Deutsche Telekom kann für 30 bis 40 Mio (glaubt das jemand wirklich? wird nachher locker doppelt so teuer) das nutzbar machen, was zumindest seit GSM Standard in jedem Mobilfunknetz ist.

      Es wird echt nur noch gemolken, um jeden Preis. Siehe auch Corona-Warn-App... warum verschenkt der Bund das Geld nicht einfach und verteilt es geschlüsselt nach Lobbyistenaktitivät? Spart man sich wenigstens diese Veralberung.

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