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Morning Briefing Söder versprach zu viel

13.08.2020 - 06:52 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in der Causa Corona war Markus Söder immer sehr schnell – offenbar viel zu schnell für seinen bayerischen Staatsapparat. Die elefantöse Ministerpräsidenten-PR von der Einzigartigkeit freiwilliger Tests an den Grenzen seines Landes, verbunden mit der Garantie fixer Ergebnisse, erweist sich als Rohrkrepierer. Söders Gesundheitsministerin und CSU-Parteifreundin Melanie Huml musste gestern Abend Spekulationen bestätigen, dass von 60.000 Reiserückkehrern noch 44.000 auf ihr Testergebnis warten – darunter mindestens 900 positiv Getestete, die womöglich in der Zwischenzeit andere angesteckt haben. Es gebe „nichts schönzureden“, das ärgere sie massiv, erklärt Huml. CSU-Chef Söder will nun alle Strukturen überprüfen und sagte einen für heute geplanten Besuch an der Nordsee ab. Für solche Pannen-Fälle empfiehlt Friedrich Wilhelm Nietzsche: „Blas dich nicht auf: Sonst bringet dich zum Platzen schon ein kleiner Stich.“

Quelle: dpa
Sarah Connor ist eine von mehreren Künstlern, die bei dem in Düsseldorf geplanten Popkonzert „Give Live A Chance“ auftreten soll.

1226 Neuinfektionen an einem Tag sieht Gesundheitsminister Jens Spahn als Alarmzeichen. Das sei „besorgniserregend“. Und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet von der CDU hält deswegen ein für den 4. September in Düsseldorf geplantes Popkonzert mit 13.000 Menschen für ein schlechtes Signal. Die von der SPD geführte Stadt dagegen hat das Konzept für „Give Live A Chance“ mit Sarah Connor, Bryan Adams und anderen Stars abgesegnet. Im Gespräch mit meinem Kollegen Thomas Tuma äußert sich Veranstalter Marek Lieberberg:

„Wenn der amtierende Oberbürgermeister uns unterstützt, scheinen seine politischen Gegner dagegen opponieren zu müssen. Damit habe ich als überparteilicher Hesse eigentlich gar nichts zu tun.“

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    „It‘s Rock‘n‘Roll, but it‘s different. Es ist der allererste große Schritt zur Rückkehr der Livemusik, ohne die das Herz der gesamten modernen Kultur stillsteht.“

    „Ich fordere von der Politik mit Nachdruck ein verlässliches Wiedereinstiegsszenario und endlich nachhaltige Unterstützung. Staatlich subventionierte Opern und Theater können natürlich selbst vor 100 Zuschauern spielen, während wir unsere Kosten decken müssen, was in Zeiten von Corona ausgeschlossen ist.“

    Da macht einer ordentlich Stimmung, auch wenn man bei so viel Streit am liebsten singen würde: „All we are saying is give peace a chance.“

    Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden stellte in Wilmington im US-Staat Delaware seine Vize Kamala Harris vor. Quelle: AP
    Joe Biden und Kamala Harris

    Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden stellte in Wilmington im US-Staat Delaware seine Vize Kamala Harris vor.

    (Foto: AP)

    Es war die erste gemeinsame Show des Duos, das die USA von Donald Trump befreien will: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden stellte in Wilmington im US-Staat Delaware seine Vize-Kandidatin Kamala Harris vor. Er habe sie gebeten, ihm immer die Wahrheit zu sagen und „die letzte Stimme im Raum“ zu haben, erklärte der frühere Vizepräsident. Man werde einen genauen Plan gegen die Covid-19-Gefahr präsentieren. Die kalifornische Senatorin Harris, die Stimmen von Frauen und Schwarzen zuführen soll, rief in Delaware aus: „Ich bin bereit, mit der Arbeit zu starten.“ Trump hinterlasse Amerika und seinen Ruf „in tatters“, also ruiniert. Von allen Titeln, die sie erreicht habe, käme der wichtigste von ihren Stiefkindern: „Momala“.

    Ich bin sicher: Mit „Momala“ wird in diesem Wahlkampf zu rechnen sein.

    Volle Breitseite von deutschen Start-ups gegen den Google-Mutterkonzern Alphabet. Die Chefs von GetYourGuide, Trivago, Flix Mobility, Omio und HomeToGo schreiben in einem Positionspapier: „Google stiehlt Inhalte und Daten von seinen Partnern im Reisemarkt, um mit ihnen in Konkurrenz zu treten.“

    Stärkster Tobak also. Mit solchen Aussagen stellen die deutschen Unternehmer den Google-Chef Sundar Pichai als Lügner dar: Der Manager hatte jüngst vor einem Ausschuss des US-Kongresses ausgeführt, Google habe es schwer im umkämpften Reisemarkt. Für HomeToGo-Chef Patrick Andrä missbraucht Google seine Marktmacht, weshalb er eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission einlegte, wie unsere Titelstory ausführt. Weitere Start-ups dürften folgen. Frau Vestager, übernehmen Sie!

    Über den „heimlichen Energiefresser“ schreibt meine Kollegin Kathrin Witsch: Wärme- und Kälteerzeugung mache in Deutschland knapp die Hälfte der verbrauchten Energie aus. Dabei redet man bei der „Energiewende“ meist nur über Strom und Verkehr. „Strom ist ein Teil des Energieuniversums, Wärme aber ein viel größerer“, sagt Christian Thiel, der das norwegische Start-up EnergyNest leitet. Es bietet Spezialspeicher an, die grünen Strom zu Wärme umwandeln oder Abwärme speichern. Die neu gegründete Siemens Energy hat jetzt eine Partnerschaft mit den Norwegern geschlossen. „Prozesswärme ist der Motor der Industrie“, sagt Fabian Jäger-Gildemeister vom Umweltbundesamt – aber so richtig herumgesprochen hat sich das noch nicht.

    Als mutmaßlicher Krimineller macht Jan Marsalek genauso Karriere wie einst im Konzern Wirecard, dem Potemkinschen Dorf der globalen Finanzszene. Der abgetauchte Ex-Vorstand wird nun sogar von Interpol und dem Bundeskriminalamt (BKA) gesucht. Laut BKA wird er verdächtigt, Bilanzsumme und Umsatz von Wirecard „aufgebläht zu haben“, um so die Firma bei Investoren und Kunden attraktiver zu machen. 3,2 Milliarden Euro seien „höchstwahrscheinlich weitgehend verloren“. In dem ZDF-Ganovenfindungsklassiker „Aktenzeichen XY... ungelöst“ wurde ein Fahndungsplakat gezeigt, das den selbst ernannten „Geheimagenten“ Marsalek sowohl mit Vollbart als auch glattrasiert zeigt. In Russland allerdings, wo er sich aufhalten soll, wird das ZDF eher selten geschaut.

    Er ist am Dienstag im Alter von 97 Jahren gestorben. Quelle: dpa
    Sumner Redstone

    Er ist am Dienstag im Alter von 97 Jahren gestorben.

    (Foto: dpa)

    Eine der größten Merkwürdigkeiten war, dass Sumner Redstone im hohen Alter neben vielen anderen Sachen auch das junge Musikfernsehen MTV dirigierte. Da saß man ihm in seinem New Yorker Wolkenkratzer gegenüber und lachte mit dem Medienmogul darüber, dass es ihm nicht gelungen sei, seinen persönlichen Favoriten Tony Bennett im Programm unterzubringen – das war lange bevor der betagte Sänger mit Lady Gaga oder Amy Winehouse musizierte. Der Jurist Redstone hat aus den Drive-in-Kinos seines Vaters ein wahres Imperium gemacht, zu dem die Filmstudios von Paramount, der TV-Sender CBS und der Verlag Simon & Schuster gehören. „Content is King“, predigte er und musste am Ende doch die eigene Aussage „Ich beabsichtige, für immer zu leben“ korrigieren. Redstone, der erst 2016 zum Rücktritt gezwungen wurde, ist am Dienstag im Alter von 97 Jahren gestorben.

    Und dann ist da noch Karl-Theodor zu Guttenberg, gefallener Star der CSU und 2011 in die USA ausgewichen, nachdem die Universität Bayreuth ihm den Doktortitel wegen zu vieler Plagiate aberkannt hatte. Jetzt hat der Ex-Bundesminister (Wirtschaft, Verteidigung) noch einmal promoviert – diesmal richtig. Die akademischen Ehren erwarb er sich 2018 an der britischen Universität Southampton zum abendfüllenden Thema „Analyse vom Wesen, Umfang und Bedeutung des Korrespondenzbankwesens und seiner Anwendung in historischen Präzedenzfällen und ausgewählten Fallstudien“. Das Nutzen der zweiten Chance verdient Respekt, doch größere Hoffnungen müssen sich „KT“-Fans abschminken. Er habe in Southampton „aus persönlichen Gründen“ promoviert und nicht für die Öffentlichkeit – „erst recht nicht für ein politisches Comeback, das ich gewiss nicht mehr anstrebe“, sagte Doktor Guttenberg der Funke Mediengruppe.

    Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag als Präzedenzfall für Lebensglück.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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