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Morning Briefing Strauß, Söder und die Macht

14.04.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vor 60 Jahren gab es in Hamburg einen Bierabend mit Franz Josef Strauß und leitenden „Spiegel“-Redakteuren rund um Rudolf Augstein. Es ging, durchaus beleidigend, hoch her. Der brauseköpfige CSU-Politiker galt dem Nachrichtenmagazin danach als gefährlicher „Barockpotentat“, dessen weiteren Aufstieg es unbedingt zu verhindern galt.

Eine ähnliche Machtliebe, moderner: Egomanie, ist beim selbst ernannten Strauß-Epigonen Markus Söder zu finden, freilich ohne die Intellektualität des politischen Urahns. Der aktuelle CSU-Chef und Kanzlerkandidat leistet sich derzeit einen brutalstmöglichen Showdown mit der CDU und dessen Leitfigur Armin Laschet.

Gestern gipfelte die bayerische Bulldozer-Methode vor der CDU/CSU-Bundesfraktion in historischen Wortduellen. Die Union brauche „die maximal beste Aufstellung, nicht nur die angenehmste“, söderte der Umfrage-Darling. „Wir brauchen keine One-Man-Show“, warnte Laschet, der Favorit der CDU-Führung. Und, ganz kohlianisch: „Die großen Kanzler waren nicht immer die Lieblinge der Medien.“ Ein Spaltpilz hat bei diesem Schau- und Fallensteller-Ereignis volle sechs Stunden mitkonferiert.

Quelle: dpa
CDU-Chef Armin Laschet (li.) und CSU-Chef Markus Söder

Sicher, Macht muss man wollen. Aber zu jedem Preis? Die Demontage der CDU durch den sendungsbewussten Funktionärsrebell vom Münchener Hofgarten erfolgt nach vielen Scharaden. Magnus Söder war mal Kruzifix-Presenter gegen die Antichristen der multikulturellen Welt, dann großer Bienenkönig, schließlich Bäume-Umarmer. Einer, der ziemlich sicher eine Mission hat: „Unser täglich Foto gib‘ uns heute.“

Dass Bayern relativ hohe Inzidenzwerte hat, frühe Urlauber-Testungen scheiterten, der Freistaat den Aschheimer Betrugskonzern Wirecard geradezu pamperte oder die CSU ihre Maskenaffären nur schwer hinter sich lässt, das alles hat sich dank Söders PR-Maschine aufs Wundersamste verflüchtigt. Das Beste am denkwürdigen Duell in der Fraktion war noch, dass die Streithähne den Abgeordneten am Ende eine Abstimmung ersparten. 1979 hatte CSU-Gottvater Franz Josef Strauß über diesen Weg seinen CDU-Rivalen Ernst Albrecht düpiert.

Noch in dieser Woche aber wird sich Epigone Söder offiziell aus dem Duell mit dem wärmenden Gefühl zurückziehen, auf jeden Fall das Gesicht gewahrt zu haben Unterm Strich hätten Klügere geraten: Einen Kampf, der nicht zu gewinnen ist, führt man erst gar nicht.

Die markanteste Stimme gegen die nun von Kanzlerin Angela Merkel im verschärften Infektionsschutzgesetz durchgesetzte einheitliche „Bundesnotbremse“ kommt aus den eigenen Reihen. Sie könne dem Gesetz „so nicht zustimmen“, sagt Unionsfraktions-Vizechefin Gitta Connemann meinen Kollegen: Der Entwurf sei „Kraut und Rüben“.

Eine „Kraut-und-Rüben-Truppe“ wäre nicht viel besser als eine „Gurken-Truppe“, die es auch schon mal gab. Die vielen Zweifel haben die Opposition bewogen, im Parlament länger über die neue Corona-Politik zu diskutieren. Vor allem die vorgesehene nächtliche Ausgangssperre erregt die Gemüter. Hier verliere die Bundesregierung das Maß, kommentiert mein Kollege Christian Rickens, Hausarrest im Mondschein sei „ein Schritt zurück in den Obrigkeitsstaat“.

Grafik

Nach all dem „Make-America-Great-Again“-Orgelspiel der letzten Jahre rückt bei Investoren der „alte Kontinent“ ins Zentrum. Bei den Großkapitalisten dieser Welt heißt es nicht mehr wie bei Hans Magnus Enzensberger: „Ach Europa!“, sondern vielmehr: „Europe Now!“ Eine klare Mehrheit der Portfoliomanager von Fonds, Banken, Versicherern und Pensionskassen gewichtet Aktien der Euro-Länder stärker als andere Börsenindizes, analysiert unsere Titelstory.

Man glaubt in diesen Kreisen inzwischen an einen raschen europäischen Konjunkturaufschwung nach der Covid-Tristesse. Und steckt folglich das sorgsam beäugte Kapital in „zyklische“ Wertpapiere, die auf das „Auf“ genauso überdurchschnittlich stark reagieren wie auf das „Ab“. Hoch im Kurs stehen somit Banken, Industrie, Rohstoffe, Pharma und Technologie. Die Liebe der Finanz-Elite gilt „good old“ VW, nicht mehr einem Börsen-Rookie wie Zoom.

Es ist der längste Krieg, in den die USA je verwickelt waren. Und nun wird er vor dem 11. September 2021 enden, 20 Jahre nach den Flügen in die Twin Towers von Manhattan, mit denen alles begann. Die Freiheit wird nicht mehr am Hindukusch verteidigt. Am heutigen Mittwoch wird US-Präsident Joe Biden offiziell verkünden, dass sich 2500 GIs aus Afghanistan zurückziehen – trotz einer bedenklichen Dominanz der Taliban, vor denen ranghohe US-Militärs warnen.

Nur noch wenige Soldaten sollen bleiben, um die Sicherheit zu gewährleisten. Insgesamt haben 2200 Amerikaner ihr Leben in Afghanistan gelassen, mehr als 20.000 amerikanische Soldaten wurden verwundet.

Bidens Vorgänger Donald Trump hatte noch den 1. Mai als Deadline für den Truppenabzug genannt, aber das war der amtierenden Administration dann doch zu schnell. Shakespeare hatte recht: „Es wird mit Blut kein fester Grund gelegt / kein sicheres Leben schafft uns Andrer Tod.“

Corona zeigt uns: Gesundheitsprävention kennt keine Grenzen. Internationale Zusammenarbeit von Health-Unternehmen zählt. Gemeinsam mit dem Biotech-Unternehmer und Gründer Cyriac Roeding wollen wir herausfinden, welche Impulse die digitale Community setzt. Wie können Data Science und Künstliche Intelligenz helfen, Menschenleben zu retten? Für unsere Live-Talkrunde am Donnerstag, 17.30 Uhr, suchen wir noch digitale Pioniere, die sich mit uns über globalen Gesundheitsschutz austauschen. Wer dabei sein will, schreibt bitte an [email protected]

Quelle: Reuters
Ein Mitarbeiter der Volkswagen AG wehrt sich per Unterlassungsverfügung gegen das Gendern bei seinem Arbeitgeber.

Und dann ist da noch Europas größter Industriekonzern Volkswagen, der einen neuen Haustarif mit den Arbeitnehmern abschließt, jedoch in Sachen deutsche Sprache intern Widerstand erfährt. Es geht um das „Gendern“, also geschlechtsneutrale Begriffe wie „Mitarbeiter_innen, die in der Konzerntochter Audi schon gelten und auch für VW diskutiert werden. Sogar auf „Audianer_innen“ hat man sich in Ingolstadt verständigt.

Ein Mitarbeiter der Volkswagen AG fühlt sich jedoch vom Unterstrich-Erlass gegängelt. Von oben herab sei „geradezu diktatorisch“ eine Sprache verordnet worden, die der Prüfung durch die amtliche Rechtschreibung nicht standhalte. Der Mann hat den Audi-Chef_innen eine Unterlassungsverfügung geschickt und inzwischen Flankenschutz vom Verein Deutsche Sprache erhalten. Der spricht von „sprachlicher Umweltverschmutzung“, was sich wie ein kulturelles Dieselgate anhört.

Ich wünsche Ihnen einen kommunikativ sauberen Tag.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Strauß, Söder und die Macht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lieber Herr JaKobs!
    Sie sollten ihre Texte besser noch mal überlesen, bevor Sie sie als Testimonium Paupertatis veröffentlichen. Beispiel:
    "vor 60 Jahren gab es in Hamburg einen Bierabend mit Franz Josef Strauß und leitenden „Spiegel“-Redakteuren rund um Rudolf Augstein. Es ging, durchaus beleidigend, hoch her. "
    Ich weiß nicht, was da 1961 (vor 60 Jahren!) war, aber mit der BTW 1979 hatte das nichts zu tun. => Grundrechenarten!
    "Der aktuelle CSU-Chef und Kanzlerkandidat leistet sich derzeit einen brutalstmöglichen Showdown mit der CDU und dessen Leitfigur Armin Laschet."
    Dessen? Wer ER? Sie! DIE Union! => Grammatik der deutschen Sprache
    Warum diskreditieren Sie sich derart unnötig?

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