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Morning Briefing Streit um Piëchs Erbe

18.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Frankreich, Spanien, Niederlande, Kroatien, Tschechien, Ungarn – und jetzt auch Deutschland: In immer mehr europäischen Ländern steigen die Zahlen der Neuinfektionen mit Corona. Die wöchentlichen Fallzahlen in Europa übersteigen mittlerweile diejenigen, die während der ersten Hochphase der Pandemie im März gemeldet worden waren. „Die September-Fallzahlen sollten für uns alle als ein Weckruf dienen“, sagte gestern Hans Kluge, Europa-Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Trotz der besorgniserregenden Zahlen bleibt Kluge zuversichtlich: „Wohin sich die Pandemie von hier aus entwickelt, liegt in unseren Händen. Wir haben sie schon einmal zurückgeschlagen und können sie wieder zurückschlagen.“

Quelle: dpa
Virologe Christian Drosten mahnt: „Wir sind jetzt wieder im Anstieg."

Die knapp 2200 gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland haben auch den Berliner Virologen Christian Drosten zu einem Weckruf veranlasst. Die hohe Zahl der Neuinfektionen sei keine beliebige Schwankung. „Wir sind jetzt wieder im Anstieg“, mahnte Drosten. Deutschland müsse sich darauf einstellen, „dass das, was wir sehen, der Beginn einer Inzidenzzunahme ist, die man irgendwann auch dann wieder kontrollieren muss“. Irgendwann? Oder nicht doch ziemlich schnell?

Andere EU-Staaten verschärfen die Corona-Regeln bereits wieder. So hat Irland Quarantäne für Reisende aus Griechenland und Italien angeordnet. Im Nordosten Englands dürfen sich von heute an Menschen verschiedener Haushalte nicht mehr treffen, Bars und Pubs müssen um 22 Uhr schließen. Auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz distanziert sich von bisher gültigen Lockerungen. Ab Montag sollen private Feiern und Zusammenkünfte in Gebäuden auf zehn Personen beschränkt werden, in Restaurants dürfen nur noch zehn Personen an einem Tisch sitzen. Der Kampf gegen Corona wird zum Marathon – und wir wissen nicht, wie lang die Strecke ist.

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    Das deutsche Biotechnologie-Unternehmen Biontech will noch in diesem Jahr einen wirksamen Impfstoff gegen Corona auf den Markt bringen. Spätestens Anfang November soll bei den Behörden in den USA und Europa eine Zulassung beantragt werden. Die Produktion des Impfstoffs soll schon vorher starten, bis zu 100 Millionen Dosen hält Biontech bis zum Jahresende für realistisch. Ein kleiner Hoffnungswert in einer großen Krise.

    Fresenius-Chef Stephan Sturm ist ein Mann klarer Worte. Im Interview mit meinen Kolleginnen Kirsten Ludowig und Maike Telgheder spart der Manager nicht mit Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. „Wir haben uns in Deutschland nur darauf konzentriert, die Zahl der Corona-Toten zu minimieren.“ Dieser einseitige Blick zu Beginn der Pandemie habe die Gesellschaft stark belastet. Sturms Appell: Bei steigenden Infektionszahlen sollte der Schutz der Hochrisikogruppen ausgebaut werden, ohne gleich das komplette öffentliche Leben herunterzufahren.

    Quelle: Reuters
    Commerzbank-Aufsichtsratschef Jörg Vetter hat in seinen ersten 50 Tagen im Amt bereits etliche Defizite ausgemacht.

    Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter ist erst knapp 50 Tage im Amt. In dieser Zeit hat der erfahrene Banker aber bereits etliche Defizite der angeschlagenen Bank ausgemacht. In einem Interview im firmeneigenen Intranet analysiert Vetter die Schwächen der Bank in schonungsloser Nüchternheit:

    • „Die Commerzbank hat viel Gutes, aber in Sachen Effizienz und Profitabilität gibt es noch viel Luft nach oben.“
    • „Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind.“
    • „Es geht darum, Erträge zu steigern, Kosten zu senken und den Status quo zu hinterfragen.“

    Vetter betonte in dem internen Interview, Schwaben werde nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein. In seiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender werde er alles tun, „um dieses Klischee zu bedienen“. Bleibt zu hoffen, dass der Vorstand der Commerzbank diese schwäbischen Ideale teilt.

    Die Rettungsprogramme gegen die Coronakrise sowie teure Entscheidungen der Großen Koalition reißen riesige Löcher in den Bundeshaushalt. Im Haushaltsplan bis 2024 sieht Finanzminister Olaf Scholz für jedes Jahr neue Schulden vor. Im nächsten Jahr könnte die Neuverschuldung nach Handelsblatt-Informationen aus Regierungskreisen zwischen 90 und 100 Milliarden Euro liegen. Nach knapp über 218 Milliarden Euro in diesem Jahr ist das der zweithöchste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik. Die „schwarze Null“ wird durch ein Leben auf Pump ersetzt. Das Gefährliche: Politiker trennen sich nur schwer vom süßen Gift der Verschuldung.

    Quelle: Thomas Kuhlenbeck
    Eines der Kinder Piëchs will den Streit um das Erbe des VW-Patriarchen nun vor Gericht tragen.
    (Foto: Thomas Kuhlenbeck)

    Ferdinand Piëch hat die Autoindustrie geprägt wie kein anderer Manager. Über Jahrzehnte war Piëch der mächtigste Mann der europäischen Automobilbranche. Ein Jahr nach dem Tod des langjährigen VW-Patriarchen streitet die Familie um Piëchs Erbe, das auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird. Dem Handelsblatt liegen mehrere Schreiben von Anwälten von Piëchs Kindern vor, in denen die Juristen das angebliche Fehlen von Uhren- und Samurai-Schwerter-Sammlungen sowie anscheinend nicht auffindbare Safe-Schlüssel, Computer und Verträge bemängeln.

    Ein Piëch-Sohn will den Streit nun vor Gericht tragen. Per Auskunftsklage fordert sein Rechtsvertreter Informationen über den Vater. Am 24. September ist dazu ein öffentlicher Termin beim Bezirksgericht Salzburg angesetzt. Ergebnis offen. Meine Kollegen Peter Brors, Sönke Iwersen und Martin Murphy haben die exklusiven Informationen in der aktuellen Titelgeschichte „Streit um Piëchs Erbe“ aufgeschrieben.

    Und dann ist da noch Christian Lindner. Der FDP-Chef will auf dem Bundesparteitag in Berlin nicht weniger als einen inhaltlichen und personellen Neuanfang wagen. Der Leitantrag trägt schon mal den kraftvollen Titel „Aufbruch vom Jahr der Krise in ein Jahrzehnt des Aufstiegs“. Konkret soll es um eine Wirtschaftswunder-Strategie nach der Coronakrise und mehr Chancengerechtigkeit durch bessere Bildung gehen. Das klingt vielversprechend. Ob es die Bürger überzeugt, muss man sehen. Für Parteichef Lindner steht jedenfalls viel auf dem Spiel.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

    Herzliche Grüße,

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

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