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Morning Briefing Theresa May, die Drama-Queen

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


im Kino können Sie derzeit das historische Drama um Mary Stuart und Elizabeth I. sehen. In Westminster erleben Sie ebenfalls ein aktuelles Drama mit weiblicher Hauptrolle und historischer Dimension: Es handelt davon, wie Theresa May nicht zu beenden vermag, wofür Margaret Thatcher vor mehr als 40 Jahren geworben hat – die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union. 202 zu 432: Das gestrige Mayday-Signal aus dem Unterhaus zum Brexit-Vertrag mit der EU wird weltweit in den Medien präsentiert wie das selbsterklärende Ergebnis eines ruinösen Sportwettkampfs. Nach einem solchen Debakel ist man reif für den Rücktritt, auf der Insel ist man reif für die nächste Wahl. Heute Abend votiert das Parlament über den Misstrauensantrag von Oppositionsführer Jeremy Corbyn

Was nun? Das ist die meist gestellte Frage zu 202 versus 432. Sollen wir schon den Psychiater holen oder reichen Beruhigungsmittel? Helfen kann im britischen Durcheinander ohnehin nur die Chaosforschung: Sie geht davon aus, dass kleine Veränderungen große Effekte haben können und sich auch im Chaos mit der Zeit Muster ergeben. Der neue Faktor könnte eine substantielle Zusicherung aus Brüssel sein, die zur neuen Abstimmung im Parlament führt. Das ist ein Muster, das wir kennen. Und wir müssen es nur oft genug erleben, um den 29. März plötzlich nicht mehr als das zu fürchten, was er ist: das Datum zum Einstieg in eine Nostalgiewirtschaft, mit Zöllen und Behinderungen aller Art. Da die Konservativen dem Sozialistenverschnitt Corbyn keinen Wahltriumph gönnen werden, wird Theresa May noch ein wenig länger die Drama-Queen von Westminster sein.

Das Vertrauen ist weg, das Amt noch da. Alle sprechen vom „Exit“, aber die Premierministerin ist „Remainer“. Das ist das eigentliche Wunder.

Quelle: dpa
Volkswagen: Der Autobauer kann sein Logo einfach auf Pick-Ups seines neuen Partners Ford pappen.

Angesichts der täglichen Trump-Spiele freut sich der Zeitgenosse über jedes Spurenelement deutsch-amerikanischer Freundschaft. Da fällt die Allianz von Ford, Detroit, und VW, Wolfsburg, positiv auf. Beide sind vielleicht derzeit nicht gerade in bestechender Form, gleichen aber ihre jeweiligen Defizite gegenseitig aus. So können die Deutschen ihr Logo einfach auf Pick-Ups des Partners pappen, während umgekehrt die Amerikaner vom teuer erkauften Know-How der VWler in Sachen Elektromobilität profitieren. Die beste Geschichte schreibt in diesem Fall das Bilanzbuch. Ford-VW beschreiben wir im Titel: „Die Autoindustrie rückt zusammen.“

Er war 2011 der jüngste Präsident der Bundesbank und hat nun gute Chancen, auch zum am längsten amtierenden Chef der Institution zu werden: Jens Weidmann, 50. Schließlich will die Bundesregierung seinen Ende April 2019 auslaufenden Kontrakt um acht Jahre verlängern, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Wie Vorgänger Axel Weber strebt der promovierte Volkswirt ebenfalls an, Präsident der Europäischen Zentralbank zu werden, wobei sein französischer Kollege François Villeroy de Galhau im Herbst aber wohl bessere Chancen hat. Für den nun gut gesicherten Weidmann gilt der alte Kinderspruch: „Auf der Lauer, auf der Mauer.“

Im 400 Jahre alten Gleichnis funktioniert der Pakt zwischen dem Blinden und dem Lahmen. Da setzt sich der Gehbehinderte einfach auf die Schultern des anderen, und gemeinsam kommen sie durchs Leben. Wenn aber Deutsche Bank und Commerzbank wirklich fusionieren würden, gäbe es wenig Nutzeffekte. Zu sehr sind die beiden Geldinstitute noch mit internen Problemen beschäftigt, große Deals aus der Vergangenheit (Postbank, Dresdner Bank) haben sie kaum verdaut. Und doch wirbt die Bundesregierung stiekum bei der Finanzaufsicht für eine Fusion der letzten verbliebenen privaten Großbanken Deutschlands, wie wir herausgefunden haben. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) dürfte in der „Superbank" eine Lösung des Problems sehen, dass die Beteiligungstochter Commerzbank bisher für den Bund ökonomisch ein Rohrkrepierer ist.  

Die Szene in einem Gericht in New York könnte aus einem Mafiathriller stammen. Ein kolumbianischer Drogen-Lord beschließt auszupacken und berichtet nun, dass der frühere mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld vom berühmten Gangsterboss „El Chapo“ eingesteckt habe. Diese Enthüllung hat für Mexiko direktere Folgen als das Intrigenspiel um die Mauer.

Quelle: dpa
Nicole Bastian führt durch den Abend mit den Handelsblatt-Auslandskorrespondenten.

Zu den schönen Ritualen im Leben eines Handelsblatt-Menschen gehört, dass einmal im Jahr alle journalistischen Stammkräfte in der Düsseldorfer Zentrale auflaufen (Korrespondententagung). Am Vorabend berichten dann einige Auslandkorrespondenten vor Publikum von ihren jeweiligen Einsatzorten. In diesem Jahr spielen Istanbul, Rom, London, Brüssel, Washington und Peking die Hauptrollen; es moderiert Auslandsressortchefin Nicole Bastian. Seit Wochen ist die Veranstaltung am morgigen Donnerstagabend in unserer „Townhall“ ausgebucht – doch es ist mir gelungen, zwei Karten für Sie zu ergattern. Bitte rasch melden ([email protected]), ich hoffe auf Ihr Losglück.

Wenn wir von „Familie“ sprechen, meinen wir Zusammenhalt. „Dynastie“ bedeutet Tradition plus Drama. Mit „Clan“ aber verbinden wir – mindestens – Halblegales. Die meisten Deutschen dürften in diesem Kontext zuletzt kräftig applaudiert haben. Das erste Mal, als am Wochenende 1300 NRW-Polizisten zur Razzia ausrückten und im Ruhrgebiet verdächtige Clan-Kriminelle festnahmen. Das zweite Mal gestern: Zunächst wurde in Berlin der Clan-Chef Arafat Abou-Chaker wegen Körperverletzung zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt und anschließend im Amtsgericht auch verhaftet. Er soll geplant haben, Familienmitglieder seines einstigen Geschäftsfreundes Bushido (Skandal-Rapper) entführen zu lassen.

Und dann ist da noch Pat McDonagh, 65, der vor 40 Jahren beschloss, Burger zu braten und daraufhin in seiner Heimat eine Filialkette namens Supermac's erschuf. Der Ire hat nun vor dem European Union Intellectual Property Office einen wichtigen Sieg über die schier übermächtige Konkurrenz McDonald's errungen. Danach dürfen die Amerikaner nicht länger „Big Mac“ als Handelsmarke nutzen. Sie limitierten dadurch den Vertrieb der McDonagh-Firma, so die Richter in dem erbitterten Streit. Und auf einmal kann Supermac's mit seinem Burgermeister frei expandieren – quer durch Großbritannien, aber auch nach Kontinentaleuropa. Wie hieß es früher so schön bei McDonald's: „Jeder Bissen zählt.“

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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