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Morning Briefing Trump einigt USA – gegen sich

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Satz schrieb sich so leicht dahin: „Trump spaltet das Land.“ Heute lautet er anders: Trump vereinigt das Land – gegen sich. Sein republikanischer Parteifreund Mitch McConell schurigelt Trump, eine Supermehrheit im Senat sei gegen seine jüngste Entscheidung, US-Truppen aus dem Nordosten Syriens zurückzuziehen: Er solle lieber amerikanisches Leadership demonstrieren. Die Republikaner dominieren den Senat, die Demokraten sind ohnehin gegen Trumps Außenpolitik. Auch das Pentagon protestiert. Angesichts der seltenen Groß-Einheit kommt der Präsident daher wie ein dilettierender Maulheld, der die im Kampf gegen den IS-Terrorismus so tapferen Kurden in Syrien im Stich lässt. Deren YPG-Miliz gilt dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als terroristisch, seine Armee hat nach dem US-Rückzug freie Hand. Das weltweite Symbol für Verrat hat seit gestern ein Muster: Stars and Stripes.

Vielleicht um den Aufstand im eigenen Lager zu konterkarieren, vielleicht um nicht das Gesicht zu verlieren, vielleicht auch um davon abzulenken, dass er nach einem Gerichtsbeschluss die eigenen Steuerakten der letzten acht Jahre veröffentlichen muss, flüchtet der Präsident in Halbstarken-Lyrik: „Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen (das habe ich schon mal gemacht!).“ Das ist nicht „Saturday Night Live“, das ist keine Satire, das ist Politik nach Art von #covfefe. Eine Verirrung wie einst der berühmte Trump-Tippfehler-Tweet.

Quelle: dpa
Die Junge Union hat ein Urwahl für die Bestimmung des Kanzlerkandidaten ins Spiel gebracht.

Die Demontage der einstigen großen CDU-Hoffnung „AKK“ ist so schleichend wie unerbittlich. Kein Tag vergeht im christdemokratischen Milieu ohne Spitzen und Stiche gegen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Mal wird sie aus der Kanzlerinnenmaschine herauskomplimentiert, mal macht Rivale Jens Spahn kurz vor ihr seine Aufwartung in Mali und präsentiert sich als Weltmann. Neuester Clou ist, dass der bei der CDU-Chefwahl knapp unterlegene Friedrich Merz am Wochenende überraschend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) auftritt – dort wird über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten abgestimmt. Eine solche Urwahl muss die nur mäßig beliebte AKK fürchten. Beim JU-Showdown in Saarbrücken redet die Saarländerin erst in der Schlussrunde am Sonntag – während Merz schon am Freitag Stimmung machen kann.

Heute ist in der Polizeipräfektur von Paris eine Gedenkfeier mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron angesetzt, die Wunden aufreißen wird. Ein 45-jähriger Mitarbeiter der Präfektur hatte dort am vorigen Donnerstag vier Kollegen erstochen und zwei verletzt, bevor er selbst erschossen wurde. Nachdem Innenminister Christophe Castaner die Umstände der Tat zunächst verharmlost hatte, wurde erst danach bekannt, dass der Täter vor 10 Jahren zum Islam übergetreten war und sich durch enge Kontakte mit der ultrakonservativen Salafistenbewegung radikalisierte. Castaner will jetzt einer möglichen Radikalisierung in der Polizei stärker nachgehen, muss aber erst einmal das eigene politische Überleben sichern. Eine Delegation des Parlaments fühlt ihm heute auf den Zahn.

Nach all den Volten und Voltigier-Künsten bei Thyssen-Krupp zeichnet sich inzwischen eines ab: Der Essener Konzern schrumpft sich zusammen auf Stahl, seinen Traditionskern. Heute wird Interims-CEO Martina Merz 150 Managern verkünden, dass die Sparten Komponenten und Anlagenbau aufgelöst (später größtenteils verkauft) und die Holding-Aktivitäten drastisch gestutzt werden. Dort ist geplant, die Kosten auf 200 Millionen Euro zu halbieren, einige hundert Mitarbeiter sollen gehen. Vom Umbau ist jeder dritte der aktuell noch 160.000 Mitarbeiter betroffen, analysieren wir in unserer aktuellen Titelgeschichte. Sie wird überall zitiert. Für das Ruhrgebiet ist das Merz-Manöver das, was man im Boxsport einen „Uppercut“ nennt.

Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Der Fosun-Chef rät deutschen Unternehmen, sich stärker auf China zu konzentrieren.
(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Im Dezember 2015 meldete sein Finanz-Unternehmen Fosun aus Schanghai, er sei nicht erreichbar, später hieß es, der temporär Verschwundene habe nur chinesischen Behörden bei Ermittlungen geholfen. Im Handelsblatt-Gespräch ist Guo Guangchang quicklebendig, ein freundlicher Globalist, der sein Vorbild Warren Buffett genauso preist wie sein kommunistisches Heimatland, das sich immer mehr öffne, demokratisiere und weiter mit rund sechs Prozent wachse. Enttäuscht zeigt sich Guo, einer der reichsten Chinesen, über die Beteiligung am Pleitier Thomas Cook, happy ist er in Deutschland mit Hauck & Aufhäuser, Naga, Koller, FFT und Tom Tailor. International hätte er auch Club Med oder die Fußballer von Wolverhampton Wanderers nehmen können. Man konzentriere sich heute auf Firmen, die für Chinas Mittelstand wichtig seien und die vom Zugang zum chinesischen Markt profitierten, hinterlässt Chinas Buffett noch als Botschaft.

Und dann ist da noch Schwedens König Carl XVI Gustav, der sich Einschneidendes einfallen lässt, um das royale Budget in den Griff zu bekommen. Fünf Enkel – im Alter von eins bis fünf – verlieren den königlichen Status und müssen künftig nicht die einschlägigen Verpflichtungen erfüllen. Der Nachwuchs von Carl Gustavs jüngsten Kindern Carl Philip und Madeleine fällt also, wie vom Parlament gewollt, nicht dem Steuerzahler zur Last. Für die Anti-Monarchisten im Land ist das ein „republikanischer Sieg“, für die Sentimentalen in Schweden dagegen ein ziemlich rüder, unromantischer Akt. William Shakespeare: „Kein König seufzte je/allein und ohn‘ ein allgemeines Weh.“

Ich wünsche Ihnen einen königlich guten Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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