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Morning Briefing Trump gegen Biden – Amerikanischer Nahkampf, Teil zwei

23.10.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wer das Mikrofon hat, hat die Macht. Wer ausreden kann – ohne Unterbrechungen – hat mehr Macht. Die Entscheidung der Kommission, beim zweiten amerikanischen TV-Duell ein Mikrofon jeweils temporär stumm zu schalten, hat übelste Gossen-Methoden der ersten Runde verschwinden lassen. Man konnte also in Nashville, Tennessee, Donald Trump und Joe Biden besser folgen. Immerhin.

Hier der Präsident, der den „lieben Joe“, den einstigen Vizepräsidenten, als alten Versager darstellte, der sich im Interesse seiner Familie „wie ein Staubsauger“ bereichere, als korrupten Politiker. Der gegen die Demokraten wetterte, sie würden sich „das Geld von der Wall Street“ holen. Dort der Herausforderer, der Trump der großen Planlosigkeit beschuldigte, bei Corona und in der Wirtschaft, ein golfender Geschäftsmann ohne Verantwortung für die Nation also. Die 90 Minuten waren geprägt von der Herabwürdigung des anderen. Jedes Lager konnte sich bestätigt fühlen.

Quelle: Reuters
Die Regeländerungen für das zweite TV-Duell haben dem Demokraten Biden erkennbar eher genutzt.

Insgesamt haben die Regeländerungen dem Demokraten Biden erkennbar eher genutzt. Er erschien engagierter, fitter, zupackender als beim ersten Mal, ein Stratege für Infrastrukturprogramme, etwa für besseren Klimaschutz. Ein Ethiker gegen einen Egoisten. „Sie wissen, wie ich bin, Sie wissen wie er ist“, erklärte Biden, alles eine Charakterfrage also.

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    Trump dagegen wirkte disziplinierter, aber auch als gut geföhnter Prahlhans, der für alle und bei allem mehr erreicht habe als alle Vorgänger, beim Thema Rassismus so viel wie niemand seit Abraham Lincoln, und überhaupt alles viel sauberer als im dreckigen China. Sein Spruch gegen Biden: „Vom Wind verstehe ich mehr als Sie.“ Trump hätte die Fragen erkennbar am liebsten selbst gestellt, scheiterte aber an der resolut-charmanten Moderatorin Kristen Welker, die regelrecht durch die Slots für die sechs Themen peitschte: „Meine Herren, wir haben keine Zeit.“

    Die Verwirrung in der expandierenden Coronakrise ist so groß wie die Lust, das Virenproblem endlich gelöst zu haben. Schock-Nachricht nach Schock-Nachricht trifft ein: 41.000 Neuinfektionen in Frankreich, Teil-Lockdown in der Slowakei, die Grenze zu Dänemark für deutsche Urlauber geschlossen. Etwas Aufklärung bietet da die Studie eines Forscherteams von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore.

    Danach steckten sich die meisten Menschen in privaten Haushalten an, gefolgt von Events wie Hochzeiten oder Chorproben sowie schließlich durch überregionalen Reiseverkehr als Infektionsquelle. Auch bizarre Ideen geistern durch die Debatte. So erwartet Paul Lehner, überaus optimistischer Professor für Immunologie und Medizin an der Universität von Cambridge, dass sich junge Leute gegenseitig zu Corona-Parties einladen – um sich gezielt anzustecken, solange ihr Risiko noch gering sei. Etliche Kollegen Lehners warnen, dass niemand das finale Schicksal einer Coronavirus-Infektion kenne.

    Angesichts von fast 11.300 Corona-Neuinfektionen in Deutschland werden hierzulande Antigen-Schnelltests zur großen Hoffnung – und zum großen Geschäft. In unserer Titelstory beschreiben wir, dass Mittelständler wie die Sanagroup aus Hamburg oder Diagnostik-Giganten wie Roche, Abbott und Siemens Healthineers einen Milliardenmarkt erschließen.

    In die Euphorie hinein warnt Synlab, Europas größter Laborkonzern. Es werde ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt, findet CEO Mathieu Floreani. Denn solche Schnelltests zeigten an bestimmten Tagen der Infektion überhaupt nichts an – so wie jüngst bei mehreren Mitgliedern im Team des US-Präsidenten Donald Trump. Kurz darauf erkrankten sie an Corona.

    Synlab sperrt deshalb die eigenen Antigen-Tests für Massentests, CEO Floreani sieht sogar Menschenleben gefährdet: „Wir alle möchten zurück zur Normalität und diese Pandemie vergessen. Aber das können wir nur, indem wir zusammenarbeiten, dem Rat der Experten folgen und medizinische Diagnostik so nutzen, wie es beabsichtigt ist.“

    Quelle: dpa
    Birkenstock sei global so etwas wie der offizielle Homeoffice-Schuh geworden, sagt Birkenstock-Chef Oliver Reichert.

    In unserem Wochenendkomplex zum Konflikt zwischen Freiheit und Gesundheit in Corona-Zeiten meldet sich Birkenstock-Chef Oliver Reichert im Interview zu Wort. Er spricht über die aktuellen Beschränkungen und Chancen für den mittelständischen Kult-Schuhhersteller. Im Einzelnen sagt Reichert über ...

    • ...den Erfolg im Internet: „Die digitalen Bestellungen haben sich um den Faktor vier gesteigert. Birkenstock ist global so etwas wie der offizielle Homeoffice-Schuh geworden.“
    • ...einen zweiten Lockdown: „Er lässt sich juristisch nicht sauber im Sinne einer nachvollziehbaren Risikoabschätzung begründen und umsetzen. Schauen Sie sich an, wie und wo die Gerichte jetzt zunehmend die Vorgaben aus der Politik wieder kassieren.“
    • …die Corona-Politik: „Grundsätzlich ist es keine sinnvolle Entwicklung, dass die Parlamente derzeit so oft außen vor bleiben. Mit Ermächtigungsgesetzen sollten wir gerade in Deutschland sehr vorsichtig umgehen.“
    • ...die Auflösung der eigenen Firmenzentrale: „Ich bin ein großer Befürworter einer dezentralen Struktur. Je nach Thema stelle ich die Teams zusammen. Sie brauchen die richtige Einstellung und Haltung, aber kein Headquarter. Alles andere ist Kirmes.“

    So ziehen wir uns also den offiziellen Homeoffice-Schuh an, wandern in unserer New-Work-Parzelle von links nach rechts und überlegen, wann wir das letzte Mal auf einer Kirmes waren.

    Gerade eben hat Tesla-Chef Elon Musk, Automobilist mit goldenem Handschuh, den fünften Quartalsgewinn in Folge ausgewiesen. Er war mit 331 Millionen Dollar höher als erwartet. Es kann also wirklich nicht am Geld liegen, dass der amerikanische US-Elektroautohersteller beim Fabrikneubau in Grünheide bei Berlin die Wasserrechnungen nicht zahlte – und daraufhin der Wasserverband Strausberg-Erkner in der vorigen Woche zwischenzeitlich nach 15.000 Euro Zahlungsrückstand das Wasser abdrehte.

    Offenbar aus diesem Grund soll Tesla den Gesamtprojektleiter in Grünheide jetzt entlassen haben. Da spielte es keine Rolle, dass Evan Horetsky zuvor andere Musk-Projekte erfolgreich betreut hat, zum Beispiel Fabriken in Kalifornien und Nevada. Manchmal schwimmt die Wahrheit als Wasserleiche nach oben.

    Quelle: dpa
    Katja Wildermuth ist mit großer Mehrheit zur neuen Intendantin des Bayerischen Rundfunks gewählt worden.

    „Diversität“ ist eines der großen Leitwörter der Wirtschaft und Gesellschaft in diesen Tagen. Und so hatte auch die CSU nichts dagegen, dass in der Geschichte des Bayerischen Rundfunks (BR) erstmals eine Frau die Geschicke bestimmt. Der Rundfunkrat wählte mit großer Mehrheit Katja Wildermuth zur Intendantin, wobei die 55-Jährige als Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks just jene neue digitale Kulturplattform verantwortet, die der BR bisher als einzige ARD-Anstalt verhindern wollte.

    Um einiges radikaler als der BR treibt die mächtige US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone das Thema Diversität voran: Bei allen neuen Firmenzukäufen soll künftig jedes dritte Vorstandsmitglied kein weißer, heterosexueller Mann sein, schreibt die „Frankfurter Allgemeine“. Diversität stehe bei Blackstone gleichermaßen für Rasse, Geschlecht und sexuelle Orientierung. Gewusst hat das alles schon Aristoteles: „Was eine Einheit sein soll, muss der Art nach verschieden sein.“

    Und dann ist da noch Oscar-Preisträger Oliver Stone, der als Regisseur, Produzent und Drehbuchschreiber zur Größe im Filmgeschäft geworden ist. Der 74-Jährige hat jetzt über sein buntes Leben eine noch buntere Autobiographie geschrieben. In meinem Gespräch mit ihm benennt er offen die drei Traumata seines Lebens: die Scheidung der Eltern, der Vietnam-Krieg und die Ermordung von Präsident John F. Kennedy 1963.

    Über das Attentat will er in einem Dokumentarfilm bald Neues erzählen: „Sie töteten damals den Geist von Amerika.“ Den Kapitalismus an sich findet der Macher von „Wall Street“ und Fan offener Märkte übrigens wenig fair: „So, wie sich Wirtschaft ins Extreme auswächst, hat sie keinen Nutzen für die Gesellschaft. Rockefeller würde sich im Grab umdrehen.“ Wir lernen bei Mister Stone, anders als bei Gordon Gekko: „Gier ist nicht gut.“

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende.

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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