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Morning Briefing Trumps nächste Kehrtwende

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

von US-Präsident Donald Trump gibt es diesmal keinen kurzatmigen Tweet, sondern ein längeres Statement – was man halt bei einer Politik so braucht, die Freund wie Feind verwirrt. Nachdem der „Master of Disaster“ zunächst ankündigte, 1000 verbliebene Soldaten aus Nordostsyrien abzuziehen, heißt es nun, sie sollten „in der Region“ bleiben, im Kampf gegen IS. Gegen die Türkei verordnet Sanktionsfetischist Trump Strafzölle von 50 Prozent unter anderem auf Stahl. Er sei voll darauf vorbereitet, „schnell die türkische Wirtschaft zu zerstören“. So redet einer, der die „destabilisierenden Handlungen“ der Türkei mit seiner Chaospolitik selbst erst ermöglicht hat. US-Verteidigungsminister Mark Esper fordert sogar schon „Maßnahmen“ der Nato gegen den Mitgliedsstaat Türkei.

Leidtragende sind auch die Verantwortlichen von VW: Sie wollen ihr neues großes Südosteuropa-Werk just im türkischen Manisa bei Izmir bauen – und beobachten die Lage in Nordsyrien „ganz genau und mit großer Sorge, wie es mittlerweile in Wolfsburg heißt. Zwischen Hochmut und Demut stehe etwas, dem das Leben gehört, formulierte Theodor Fontane, „und das ist ganz einfach der Mut“.

Ein Schmiermittel namens Geld hat die Deutsche Bank offenbar nach 2002 systematisch eingesetzt, um in China Erfolge zu landen, ist in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen. Der Präsident, der Ministerpräsident und der Vize-Premier des Landes erhielten demnach einen Kristalltiger im Wert von 15.000 Dollar, einen Fernseher oder eine Stereoanlage.

2005 verpflichtete die Bank für zwei Millionen Dollar einen Berater mit weitreichenden Verbindungen zur Familie des damaligen Premiers Wen Jiabao – tatsächlich gelang es, zehn Prozent an der staatlich kontrollierten Huaxia-Bank zu übernehmen (längst wieder verkauft). Mehr als hundert Angehörige einflussreicher Chinesen stellte das Frankfurter Geldinstitut ein. Der US-Börsenaufsicht SEC zahlte die Deutsche Bank wegen all dieser Nähekonstruktionen vergleichsweise mickrige 16 Millionen Dollar – ohne Schuldanerkenntnis.

Quelle: dpa
„Wir müssen weltweit von einer Wegwerf- zu einer Kreislaufwirtschaft kommen“, fordert Markus Steilemann, Chef des Leverkusener Kunststoffproduzenten Covestro.

Ein „Runder Tisch“ signalisiert den Betroffenen und Bürgern schon mal eines: Die Regierung weiß noch nicht, was sie tun soll, nimmt das Problem aber ernst. Das Problem sind in diesem Fall fast 400 Millionen Tonnen Kunststoffabfall im Jahr 2030 (zuletzt 185 Millionen). Deshalb redet Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) heute in Berlin mit Verbraucher- und Umweltschützern sowie dem Handelsverband Deutschland und Procter & Gamble. „Wir müssen weltweit von einer Wegwerf- zu einer Kreislaufwirtschaft kommen“, skizziert Markus Steilemann, CEO des Kunststoffproduzenten Covestro, in unserer Titelgeschichte.

Öko-Aktivisten wollen dagegen mehr Verbot und Verzicht gegen die Plastikflut. Hier spielt sich der klassische Konflikt der Fridays-for-Future-Zeit ab: Technokraten gegen Fundamentalisten. Für Schulzes Meeting gilt: „Hätte man bei der Erschaffung der Welt eine Kommission eingesetzt, wäre sie heute noch nicht fertig“ (George Bernard Shaw).

Ein Interview fällt in unserer heutigen Ausgabe auf: Jessica Alba redet über ihre Hollywood-Erfolge genauso wie über ihre Marke „The Honest Company“ für Ökokosmetik und Babyprodukte. Sie, die „Ehrliche“, sei wahrscheinlich die erste Marke gewesen, die in Social Media eine eigene Community hatte, erzählt die Schauspielerin. Eltern spricht sie mit ihren Umweltsorgen rund um das eigene Kind persönlich an.

Als Schauspielerin tauche sie in eine andere Welt ein, erzählt Mrs. Alba noch, Unternehmerin zu sein sei dagegen eher, wie einen Haushalt zu führen. Gleich sei nur die hohe Zahl von Absagen – von Regisseuren wie von Investoren. Happy ist Jessica Alba im Übrigen über Netflix & Co., die wollten neue Formen fürs Storytelling, „sie sind deshalb gut für Frauen im Filmbusiness“.

Quelle: AP
Elizabeth Warren hat am Wochenende Facebook und seinen Chef Mark Zuckerberg öffentlich vorgeführt.
(Foto: AP)

Unentwegt Optimismus verbreitet der Daten-Krake Facebook und seine Tochter Calibra seit Monaten, wenn es um die eigenen Kryptowährung Libra geht. Dabei sollen die eingeplanten Partner Visa, Mastercard, Paypal und Stripe schon abgeschreckt sein, weil eine breite politische Front Widerstand angekündigt hat: von Frankreichs Finanzminister über die EU-Kommission bis hin zu US-Finanzminister Steven Mnuchin. Die Causa Calibra wurde jüngst auch von einer Aktion Elizabeth Warrens, der demokratischen Präsidentschaftskandidatin und Senatorin aus Massachusetts, begleitet. Sie formulierte eine Anzeige voller Lügen, die Facebook akzeptierte und publizierte. Danach verkündete die Politikerin, das Unternehmen von Mark Zuckerberg müsse darüber entscheiden, ob es beim Geschäft „Desinformation gegen Geld“ mitmachen wolle oder nicht.

Dass Urteile wie Brandbeschleuniger wirken können, beweist das Oberste Gericht in Madrid. Es verurteilte neun katalanische Separatistenführer wegen Aufruhrs zu auffallend hohen Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren. Es ging um ihre Rolle beim Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017. Gegen den damaligen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont, der von Deutschland nicht ausgeliefert worden war, wurde erneut ein internationaler Haftbefehl erlassen. Eine Begnadigung schließt Spaniens Finanzministerin María Jesús Montero im Interview mit unserer Korrespondentin Sandra Louven definitiv aus: „Das haben wir nicht vor.“

Nach dem Gefängnis-Urteil blockierten Demonstranten in Barcelona Zugangswege zum Flughafen, Dutzende Flüge fielen aus. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei, rund 30 Personen wurden verletzt. Für den Rechtsfrieden haben die spanischen Richter mit dem Nachnamen „Gnadenlos“ so wenig getan wie für die soziale Stabilität.

Ich weiß nicht, welches Buch Sie Ihrer Familie empfehlen. Aber wir haben, wie jedes Jahr, eine Vorstellung davon, welche Werke infrage kommen könnten. Am Donnerstag ist es wieder soweit: Handelsblatt, Goldman Sachs und die Frankfurter Buchmesse küren zum dreizehnten Mal das beste Wirtschaftsbuch des Jahres. Die zehn Autoren der Shortlist präsentieren ihre Titel selbst in einem Drei-Minuten-Vortrag („Elevator Pitch“), zuvor hält der bekannte Politik-Professor Herfried Münkler (aktuelles Buch: „Abschied vom Abstieg“) die Keynote. Ich würde mich freuen, wenn einige Fans des Morning Briefings mich um 18.30 Uhr zu dieser Soirée in Frankfurt begleiten würden: [email protected].

Und dann ist da noch MIT-Ökonomin Esther Duflo, 46, zusammen mit ihrem Forscherehemann Abhijit Banerjee sowie Michael Kremer von der Harvard University Gewinnerin des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises. Duflo hat sich früh mit einem Thema beschäftigt, das erst zuletzt in den Mittelpunkt gerückt ist: mit der Schattenseite der Globalisierung. Schon 2011 forschte die aus Frankreich stammende Wissenschaftlerin mit Feldexperimenten über die „Ökonomik der Armut“ in Entwicklungsländern. Es gehe um Mikroökonomisches, um Lösungen in Verhaltensdetails, fand Duflo, und verglich öffentlich die Arbeit von Ökonomen mit der von Klempnern. Die aktuelle Ehrung gilt auch der Empirie und dem Fortschritt im Konkreten, oder anders gesagt: Es muss nicht immer Thomas Piketty oder das „Grand Design“ zur Rettung der Welt sein.

Ich wünsche Ihnen heute jene pragmatischen Erfolge, die sich aus dem Wust von Ankündigungen und breiten Theorieentwürfen positiv abheben. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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