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Morning Briefing Trumps Reise ins Chaos

02.09.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Donald Trump ist natürlich geflogen, auch wenn der Bürgermeister und der Gouverneur das nicht wollten. Der US-Präsident schlug in der Aufruhrstadt Kenosha im Staat Wisconsin auf, wo ein Schwarzer von Polizisten in den Rücken geschossen worden war und später ein 17-jähriger Trump-Fan zwei Anti-Rassismus-Demonstranten erschoss. Trump gab sich ganz der Rolle des Zündlers hin, der den Todesschützen verteidigte, auch wenn die Ermittlungen noch laufen. Er sei gewalttätig angegriffen worden, wollte fliehen, sei gestürzt, so der ungebetene Sachverständige aus dem Weißen Haus: „Er wäre wohl getötet worden.“ Bei einem Roundtable in Kenosha mit Lokalgrößen kündigte Trump dann noch Finanzhilfe an – für Rechtspflege und Wirtschaftsförderung und gegen „Inlandsterrorismus“ natürlich.

Durch das Wahljahr 2021 hindurch werden Geschichten über Wirecard die Nation noch erstaunen. Das liegt auch am Untersuchungsausschuss, den die Oppositionsparteien im Bundestag bald einberufen werden. AfD, Grüne, FDP und Linke fühlen sich nach der Befragung des politischen Spitzenpersonals an eine Maurerbrigade erinnert, in deren Schutzwälle sie unbedingt gut Löcher schlagen wollen. Bislang haben Bundesregierung und Bafin die Großbetrugsaffäre gut ausgesessen, nun aber verhärtet sich die Frage, wie es zu 3,2 Milliarden Euro Schaden für Investoren und Kreditbanken kommen konnte. Immer wieder erstaunlich, dass Bafin-Mitarbeiter bis kurz vor Schluss eifrig mit der Wirecard-Aktie gehandelt haben. Mit dem Zockerpapier wollten sie rasch reich werden – wie das eben so ist bei einer „Dienstmädchen-Hausse“.

Quelle: AFP
Die Höflichkeitsformen wurden gewahrt, aber eine erhöhte Grundspannung war unverkennbar, als jetzt Chinas Außenminister Wang Yi seinen deutschen Kollegen Heiko Maas besuchte.
(Foto: AFP)

Die Höflichkeitsformen wurden gewahrt, aber eine erhöhte Grundspannung war unverkennbar, als jetzt Chinas Außenminister Wang Yi seinen deutschen Kollegen Heiko Maas besuchte. Der Gast polterte über „einseitige Informationen“, „Vorurteile“ und Einmischung der Europäer in „innere Angelegenheiten“. Der Gastgeber kündigte mehr Selbstbewusstsein an. Dazu gehört, dass das Bundeskabinett „Leitlinien“ für eine neue China-Politik verteidigt, wie wir erfahren haben. Man will die ökonomische Abhängigkeit von der Volksrepublik durch „Diversifizierung“ reduzieren – also durch Deals mit südostasiatischen Staaten oder mit Indien und Australien. Das klingt verdächtig nach freiwilliger Selbstbeschädigung, schließlich ist China für die Dax-Konzerne mit 15 Prozent Umsatzanteil nach den USA der zweitwichtigste Auslandsmarkt. Nachdenkliches kommt von Ifo-Chef Clemens Fuest: „Der wichtigste Faktor, um Erpressbarkeit zu vermeiden, ist gegenseitige Abhängigkeit. Auch für China ist der Zugang zum europäischen Markt sehr wichtig, und es werden viele wichtige Produkte aus Europa importiert.

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    Ein Star der neuen Zeit landete am Montagabend auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn: Tesla-Chef Elon Musk. Der Amerikaner schaute sich am gestrigen Dienstag in Tübingen bei der Biotechfirma Curevac an, wie eine Maschine läuft, die die Tesla-Tochter Grohmann exklusiv für die Schwaben gebaut hat. Es handelt sich dabei um einen vollautomatischen Drucker für RNA-Material, das Curevac zur Herstellung eines Covid-19-Impfstoffs braucht. Anschließend zeigte sich Musk im Technologiepark seinen Fans, deren Lieblingssatz lautete: „I want to work for you.“ Das RNA-Projekt deutet darauf hin, dass Musk seine Strategie der Virus-Verharmlosung eingestellt hat. Es sei „extrem unwahrscheinlich, an Covid allein zu sterben“, hatte er zum Beispiel verkündet. Auch um seine geplante Autofabrik in Brandenburg will sich Musk bei seinem Deutschland-Trip noch kümmern.

    Wie ein deutscher Online-Guru war Oliver Samwer aufgetreten, als er 2014 die Start-up-Brutmaschine Rocket Internet an die Börse brachte. Immerhin erlöste er 1,6 Milliarden Euro. Zwar brachte die Raketenfirma seitdem einige Ableger wie Home24, Westwing oder Hello Fresh an die Börse, die einstige Beteiligung Delivery Hero gelangte sogar in den Dax – doch oft stimmte Samwers Timing bei den Verkäufen nicht. Nun will der Hauptaktionär die Firma nach einer außerordentlichen Hauptversammlung von der Börse nehmen. Er selbst profitiert davon, anders als frühe Aktionäre. Noch 2015 hatte Rocket per Kapitalerhöhung knapp 590 Millionen Euro eingesammelt. Michael Kunert, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: „Es ist eine bodenlose Frechheit, was da passiert. Ich fühle mich als Aktionär übers Ohr gehauen und hintergangen.

    Quelle: dpa
    Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe plaudert auch über das Objekt der Begierde, das Buchhaus Simon & Schuster.

    Gegen das schier unaufhörliche Wachstum der Tech-Mediengiganten Google, Amazon, Facebook & Co. will Bertelsmann, vor mehr als 30 Jahren mal Weltchampion in dem Gewerbe, eine passende Antwort geben: Deals. Bei Büchern und im Fernsehen kündigt CEO Thomas Rabe in der „Financial Times“ Zukäufe an. Und er plaudert auch über das erste Objekt der Begierde, das Buchhaus Simon & Schuster. Das US-Konglomerat Viacom-CBS will die Heimstatt von Autoren wie Stephen King loswerden, die Marktdominanz der Deutschen mit ihrem Gebilde Penguin Random House würde noch gewaltiger. Man sei der „aktivste Player“ bei der Buchmarkt-Konsolidierung gewesen und aktuell der einzige globale Verleger – von daher gesehen sei Bertelsmann „natürlich interessiert“, sagt Rabe. Der mögliche Hausschreiber King dürfte ihm gefallen: „Die Welt hat Zähne. Und mit denen beißt sie zu, wann immer sie will.“

    Und dann sind da noch Heizpilze , letzte Hoffnung von Gastronomen in der Covid-Krise – und zugleich wegen des hohen CO2-Ausstoßes Albtraum von Klimaschützern. Als Herold der Wirte erscheint nun Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Schankraum: Den Menschen sei es in der Übergangszeit Herbst dank Heizpilz zu ermöglichen, „draußen sicher zu sitzen und damit zum Bestand der Gastronomie beizutragen“. Die „sehr bescheidenen“ Energiekosten könnten über eine CO2-Kompensation ausgeglichen werden, so der CDU-Politiker. Für diese Idee wird sich beispielsweise Linken-Politiker Lorenz Gösta Beutin nie erwärmen. Es gehe doch inzwischen generell um Vermeidung von Umweltgiften, sagt er – Altmaier liefere einen „erneuten energiepolitischen Offenbarungseid“.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag mit guten Begegnungen.
    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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