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Morning Briefing Trumps Schlacht gegen die Post

14.08.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

was macht ein angeschlagener Politiker in Pandemie-Zeiten, wenn bei einer anstehenden Wahl das Voting per Brief so wichtig ist? Ganz einfach: Er hält die Post klein. So macht es Präsident Donald Trump in den USA. Er kündigt nun Widerstand gegen Investments in den United States Postal Service an, das nur dem „betrügerischen“ Briefwahlsystem und damit der konkurrierenden Demokratischen Partei dienen würde. Es gehe auch um 3,5 Milliarden für Mail-in-Voting, also „Wahlgeld“, dröhnt Trump. Ohne die vielen Dollar sei die Staatspost für die Wahl nicht ausreichend ausgestattet, sagt er „Fox News“. Die Demokraten verweisen darauf, dass ein auch mit Republikanern besetzter Aufsichtsrat der Post 25 Milliarden Dollar für dringende Modernisierung gefordert habe. In diesem Streit geht ein altes Cicero-Wort fehl: „Ein Brief errötet nicht.“

Quelle: AP
Trump im Weißen Haus: Der US-Präsident lässt sich für einen außenpolitischen Erfolg feiern.
(Foto: AP)

Noch einmal Trump: Er preist ein „historisches Friedensabkommen zwischen unseren beiden guten Freunden, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten“. Was wie ein großer Deal unter Vermittlung der USA wirkt, könnte jedoch feinstes Illusionstheater sein. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erzählt nämlich prompt, dass Trump zum Verzicht der Annexionspläne im Westjordanland gedrängt habe, um den Frieden voranzutreiben – er aber langfristig gar nicht daran denke, diese aufzugeben. Der Stopp der Siedlungspläne sei nur vorübergehend. Israel und die Emirate wollen nun einige Wirtschaftsabkommen schließen, etwa im Tourismus und für die Entwicklung eines Covid-Impfstoffs. Gemeinsame Botschaft: Die Wüste lebt. Bisher hat Israel diplomatische Beziehungen nur zu zwei arabischen Staaten: Jordanien und Ägypten.

Das Wort des Jahres ist das Angstwort der Zukunft: „Lockdown“. Die Wirtschaft hat sich zwischen staatlicher Fürsorge und wieder steigenden Coronazahlen auf „muddling through“ eingestimmt. „Niemand kann eine zweite Welle ausschließen“, sagt VW-Finanzchef Frank Witter. Das Virus war nie weg, außer im Bewusstsein mancher Sommertouristen. Normalisierung ist eine Fiktion der sich neu grüßenden „Ellenbogengesellschaft“, die Umarmung und Bisous meidet. Ein paar Trends, die wir in unserem großen Wochenendreport zusammengestellt haben, stimmen nachdenklich:

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    • Zwar stimmt es, dass die Zahl der Tests steigt und damit die Corona-Dunkelziffer sinkt. Seit Anfang Mai erhöhte sich die Zahl der wöchentlichen Tests von gut 400.000 auf 670.000, von denen rund ein Prozent positiv sind. Doch die steigenden Fallzahlen sind so nur zum Teil erklärbar.
    • Die staatliche Anti-Covid-19-Politik produziert Ungereimtheiten. Der Schulstart in vielen Bundesländern verläuft hektisch, aktionistisch und unkoordiniert. Peinlich, dass in Bayern 44.000 Reiserückkehrer tagelang auf ihre Testergebnisse warten mussten – in 900 Fällen liegt Corona vor. Melanie Huml ist eine Gesundheitsministerin auf Abruf, ihr Dienstherr Markus Söder ein Ministerpräsident auf Notruf.
    • Die Meldewege in der Pandemie sind noch lang und kompliziert, Digitalisierung in etlichen Gesundheitsämtern nur ein Wort. Man faxt.
    • Im Herbst und im Winter droht in geschlossenen, schlecht durchlüfteten Räumen eine verstärkte Ausbreitung des Virus. Ein Impfstoff aber kommt erst 2021, frühestens.
    • Viele Firmen leiden am „Lockdown-Blues“ und sind hoch verschuldet. Insolvenzen drohen und damit dauerhaft weniger Wachstumspotenzial. Der Staat aber muss von 2023 an wegen der Schuldenbremse die gestiegenen Corona-Zahllasten zurückführen.

    Sicher, der Aufschwung ist zurück und das Gesundheitswesen wird noch mit der Systemstörung Covid fertig. Wir leisten uns sogar, 250 Millionen überzählige Masken an Staaten im Pandemie-Alarm zu verschenken, wie der „Spiegel“ berichtet. Aber für Sektoren wie Reise, Luftfahrt, Gastronomie oder Entertainment ist die Pandemie eine anhaltende Gefährdung der Geschäftsgrundlage. Die Schlussfolgerung zieht Ökonom Thomas Straubhaar im Interview: „Jetzt müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben und mit ihm zu tanzen.“

    Quelle: AFP
    Heinz Hermann Thiele: Der Milliardär mischt sich bei seinen Beteiligungen gern ein. Dieses mal bei Knorr-Bremse.
    (Foto: AFP)

    Im Münchener Konzern Knorr-Bremse purzeln mit schöner Regelmäßigkeit die Chefs, was Kundige auf die Allmacht des 79-jährigen Mehrheitsaktionärs Heinz Hermann Thiele zurückführen. Der ist kürzlich als grummelnder Zeus in den Aufsichtsrat zurückgekehrt. Keiner ist hier gut genug, sodass schon alle möglichen Witzeleien – von „Notbremse“ bis „Spaßbremse“ – die Runde machen. Nachdem im April 2019 der CEO Klaus Deller wegen eines zu deutlich ausgeformten Selbstbewusstseins gehen musste, erwischt es jetzt seinen Nachfolger Bernd Eulitz nach nicht einmal einem Jahr. Das Ganze sieht nicht gut aus für den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mangold, der seinerseits betont: „Ich fühle mich nicht unter Druck.“ Das Verfallsdatum solcher Statements ist kurz – sie gelten bis zum nächsten Personalwechsel.

    Ein längeres Gespräch habe ich mit dem früheren CDU-Generalsekretär Peter Tauber geführt, der ein ungewöhnliches Buch vorgelegt hat: „Du musst kein Held sein“. Er beschreibt darin, wie das Stress-Genre Politik einsam und abhängig macht, was ihm fast nach einer verschleppten Darmentzündung das Leben gekostet hätte. „Man kann in der Politik süchtig werden nach Aufmerksamkeit, nach Wahrnehmung“, offenbart der promovierte Historiker. „Dieses ,Stattfinden-Müssen‘ und der daraus entstehende Druck waren sicherlich auch ein Grund für meine gesundheitlichen Probleme.“ Heute ist er Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ernährt sich gesünder, macht mal Pause und schwört auf Achtsamkeit. Sein nächstes Buch handelt von den alten Preußen, die uns mehr zu sagen hätten, als wir glauben.

    Quelle: Andreas Pein/laif
    Niklas Östberg: Der 40-jähriger CEO eines Zwei-Mann-Vorstands der Firma Delivery Hero hat die „Essen auf Rädern“ zum Heldenakt erklärt.
    (Foto: Andreas Pein/laif)


    Und dann ist da noch Niklas Östberg, 40-jähriger CEO des Zwei-Mann-Vorstands der Firma Delivery Hero, die „Essen auf Rädern“ zum Heldenakt erklärt hat. Seine Unternehmung steht tatsächlich kurz bevor, in den Eliteklub der 30 Dax-Größen aufgenommen zu werden. Das ist so, als habe man in Lourdes eine Marienerscheinung – denn der Dax-Aufsteiger kennt Gewinne nur vom Hörensagen. Zuletzt gab‘s 648 Millionen Euro Betriebsverlust bei 1,2 Milliarden Umsatz. Längst hat Östberg das Deutschland-Geschäft verkauft und konzentriert sich auf Asien. Delivery Hero folgt im Dax im Übrigen auf Wirecard, was ein Vorstand von Symrise, einem anderen Dax-Kandidaten, satirisch so kommentierte: „Ich weiß nicht, ob es so toll ist, ein direkter Nachfolger für den Trümmerhaufen zu werden.“ Ich sage: Mein lieber Schwede, da sehnt man sich fast nach der Lufthansa im Dax zurück.

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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